Grosses Wagnis: Flüchtlinge wählen riskantere Routen
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Grosses WagnisFlüchtlinge wählen riskantere Routen

Bei der Überquerung des Mittelmeers wählen viele Flüchtlinge bisher den kürzesten Weg. Nun gehen einige ein viel grösseres Risiko ein.

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vbi
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Täglich kommen auf griechischen Inseln im Schnitt 99 Flüchtlinge an. Seit wenigen Tagen auch auf westlichen Inseln wie Mykonos.

Täglich kommen auf griechischen Inseln im Schnitt 99 Flüchtlinge an. Seit wenigen Tagen auch auf westlichen Inseln wie Mykonos.

Stratis Tsoulelis
Bis Mitte August sind dieses Jahr gemäss dem UNHCR bereits 3156 Flüchtlinge bei der Überfahrt nach Europa als vermiss gemeldet worden oder gestorben.

Bis Mitte August sind dieses Jahr gemäss dem UNHCR bereits 3156 Flüchtlinge bei der Überfahrt nach Europa als vermiss gemeldet worden oder gestorben.

Giorgos Papadopoulos
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim fordert die EU erneut auf, Schulden zu begleichen. Im Rahmen des Flüchtlingspakt sollte die EU der Türkei Milliarden bezahlen.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim fordert die EU erneut auf, Schulden zu begleichen. Im Rahmen des Flüchtlingspakt sollte die EU der Türkei Milliarden bezahlen.

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Die griechische Küstenwache hat am Freitagnachmittag im Süden der Insel Mykonos ein Boot mit 38 Flüchtlingen aufgegriffen, zwei mutmassliche Schleuser wurden verhaftet. Dass die Flüchtlinge so weit westlich gestrandet sind, deute auf den Aufbau neuer Routen der Schmuggler, die versuchen, die Menschen von der Türkei aus direkt nach Italien zu bringen.

Gemäss dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind letzte Woche 1778 Menschen in Italien angekommen, eine Woche zuvor waren es noch knapp 6000 Flüchtlinge. Viele von ihnen kämen zwar weiterhin über die bewährten Routen. Die Zahl derjenige, welche direkt aus Ägypten, der Türkei oder von Griechenland kommen, steige aber an. Das, obwohl sich der Seeweg dadurch stark verlängert.

Diese Jahr sind verhältnismässig mehr Menschen bei der Überquerung des Mittelmeers als vermisst gemeldet worden oder gestorben. Bei über einer Million Flüchtlingen zählte das UNHCR letztes Jahr 3771 Tote und Vermisste, dieses Jahr sind es bei rund 270'000 Flüchtlingen bereits 3156 Menschen.

Griechenland baut neue Unterkünfte

Seit dem Putschversuch in der Türkei steigt die Zahl der Flüchtlingen, welche von der Türkei nach Griechenland reisen, wieder an: Während in den ersten zwei Juliwochen 634 Flüchtlinge auf griechischen Inseln ankamen, waren es in den ersten zwei Augustwochen bereits doppelt so viele Menschen.

Im Vergleich zur Zeit vor dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei ist die Zahl allerdings gering. Zu Beginn des Jahres kamen täglich mehrere tausend Flüchtlinge auf griechischen Inseln an.

Trotzdem ist gemäss einem UNHCR-Bericht die Lage auf den griechischen Inseln weiterhin prekär. Die Flüchtlingsunterkünfte seien voll. Deshalb will die Regierung rund 2000 Asylsuchende aufs Festland bringen und neue Unterkünfte bauen. Die Angst der Griechen, dass der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei scheitert, ist gross. Sie fürchten ein erneutes Hochschnellen der Flüchtlingszahlen.

«EU behandelt Türkei unfair»

Dass diese Angst nicht unbegründet ist, zeigt die neuste Ansprache vom türkischen Ministerpräsident Binali Yildirim. Er fordert die EU erneut auf, ihre Schulden zu begleichen. Die Türkei könne die Lebensbedingungen für die rund drei Millionen in der Türkei lebenden Flüchtlinge nur dann verbessern, wenn die EU die versprochenen Milliarden überweisen würde.

Zudem müsse die Visumspflicht für Türken bis im Oktober aufgehoben werden. Es sei «nicht fair», von der Türkei zu erwarten, dass sie den Pakt umsetze, ohne ihr das Versprochene zu geben, sagte Yildirim gegenüber ausländischen Medienvertretern in Istanbul. (vbi/sda)

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