Basler Freiwillige in Kroatien: «Flüchtlingen wurde warmes Essen verboten»
Aktualisiert

Basler Freiwillige in Kroatien«Flüchtlingen wurde warmes Essen verboten»

Seit zehn Tagen sind die fünf Basler vom Projekt Rastplatz an der kroatisch-serbischen Grenze. Sie berichten von chaotischen Zuständen und willkürlichen Behörden.

von
Matthias Kempf

Simon Krieger ist müde. 20-Stunden-Tage machen dem 26-Jährigen zu schaffen. Aber der Schlafmangel hält ihn nicht von seiner Aufgabe ab: Den Flüchtlingen am Grenzübergang zwischen Kroatien und Serbien zu helfen, so gut es geht. Vor zehn Tagen brachen die fünf Basler mit dem Projekt Rastplatz nach Kroatien auf, um dort für und mit Flüchtlingen zu kochen und einige von ihnen mittels Video-Interview zu porträtieren. Doch vieles ist anders gekommen, als es sich freiwilligen Helfer vorgestellt hatten.

«Als wir ankamen, war die Situation im kroatischen Dorf Bapska chaotisch», erzählt Krieger. «Die Behörden hatten mehrere andere Grenzübergänge zu Serbien geschlossen, so dass jeden Tag Tausende über Bapska kommen.» Es seien hauptsächlich Syrer und Afghanen, die von der Türkei und Griechenland kämen und nach Österreich und Deutschland weiterreisten. «Nach der Ankunft bauten wir ein 110 Quadratmeter grosses Zelt auf, das als Materiallager dient. Auch eine Wickelstation für Babys haben wir eingerichtet.»

Kein warmes Essen

Die Essensausgabe funktionierte vorerst gut. «Wir konnten das syrische Gericht Maklube zubereiten, das bei den Flüchtlingen sehr gut ankam.» Doch ein Ort zum Verweilen, wie ursprünglich geplant, konnte nicht errichtet werden. «Die Menschen gehen durch die Grenze und wollen gleich weiter, da bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen.»

Nach einigen Tagen verbot das kroatische Gesundheitsministerium den Helfern, warmes Essen anzubieten. Die Gründe dafür seien willkürlich und änderten sich jeden Tag. «Einmal sollten hungernde Menschen kein warmes Essen bekommen, ein anderes Mal seien unsere Küchen zu wenig hygienisch.» Für Krieger völlig unverständlich: «Es sind sogar schwedische Profi-Köche vor Ort. Mit ihnen haben wir immer auf höchste hygienische Standards geschaut.»

High-Heels gespendet

«Rund die Hälfte der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder», sagt Krieger. Regelmässig kämen private Hilfslieferungen aus ganz Europa. «Leider ist vieles davon schlecht sortiert oder gar unbrauchbar. Es gibt zu wenig Männer- und Winterkleider. Handkehrum haben wir sogar schon High-Heels bekommen.»

Auch das Rote Kreuz und das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) sind vor Ort. «Verschiedene Aktivisten werfen ihnen allerdings vor, nichts zu tun», so Krieger. Das Rote Kreuz würde Äpfel verteilen, das UNHCR bestenfalls Decken. Den Mitarbeitern des Roten Kreuzes seien die Hände gebunden. Sie gäben jedoch Informationen der Behörden an die Volontäre weiter und unterstützten diese.

Weiter Richtung Mazedonien

Unterstützung erhalten die Basler auch von der lokalen Polizei. «Der Umgang der Polizei mit den Flüchtlingen ist sehr empathisch. Wohl auch, weil die Region selbst Kriegswirren durchleben musste», sagt Krieger. Die Polizei habe auch Container organisiert, um das Abfallproblem in den Griff zu bekommen.

Mit dem Geld, das durch die Crowdfunding-Aktion gespendet wurde, konnten zahlreiche Lebensmittel sowie zusätzliches Hilfsmaterial gekauft werden. Nun geht die Reise gar weiter. «Da die serbischen Behörden anscheinend kaum Hilfslieferungen durch ihr Land lassen, fehlt es den Flüchtlingen in Mazedonien sogar an Nahrung.»

Am Montag ist das Rastplatz-Team nach Preševo gefahren, einer serbischen Kleinstadt an der Grenze zu Mazedonien. «Dort bauen wir unser Angebot von neuem auf.» Eigentlich wollten sie am 11. Oktober wieder nach Hause kommen. «Wenn wir sehen, dass die Situation am neuen Ort dramatisch ist, werden wir wohl länger bleiben», sagt Krieger.

Deine Meinung