Aktualisiert 02.09.2015 10:01

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Flüchtlings-Hilfe macht Merkel zum Medienliebling

Ausländische Journalisten kommentieren Deutschlands Umgang mit Flüchtlingen als beispielhaft. Kritik kommt aus Frankreich.

von
ij
Die deutsche Kanzlerin zeigt Mitgefühl: Angela Merkel an einer Konferenz in Berlin. (31.8.2015)

Die deutsche Kanzlerin zeigt Mitgefühl: Angela Merkel an einer Konferenz in Berlin. (31.8.2015)

Während der Griechenland-Krise war Deutschland der Buhmann Europas. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble wurden als hart und unnachgiebig kritisiert.

Nun hat sich das Blatt gewendet: Viele Zeitungen kommentieren das Vorgehen Deutschlands in der aktuellen Flüchtlingskrise als vorbildlich. Nicht nur britische und amerikanische Medien, auch US-Präsident Barack Obama findet, die deutsche Regierung gehe mit gutem Beispiel voran.

«Angela Merkels menschliche Haltung zum Thema Einwanderung ist eine Lehre für uns alle», schreibt der britische «Guardian». Sie verdiene die Unterstützung aller Europäer. Ins gleiche Horn stösst der «Independent». «Wir geben es nicht gern zu, aber moralisch verhält sich Deutschland besser als wir.» Während Merkel die hässlichen Instinkte ihrer Wähler infrage stelle, gebe der britische Premierminister David Cameron ihnen nach. «Wir müssen nach Deutschland blicken, um einen Grundkurs in Mitgefühl zu bekommen.» Auch das Portal «politics.co.uk» appelliert an Cameron er müsse seine Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern.

Der «Corriere del Ticino» schreibt, Europa könne sich glücklich schätzen, dass jemand in der Flüchtlingskrise vorangehe. Das spanische Portal «El Diario» spricht von «beeindruckenden Zeichen der Solidarität».

«Dublin-Abkommen ist grosser Teil des Problems»

Aus den USA kommen ebenfalls zustimmende Kommentare. So dankte Präsident Barack Obama der deutschen Kanzlerin für ihre Führungsrolle und den Entschluss, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die «New York Times» schreibt, das Dublin-Abkommen sei ein grosser Teil des Problems. Merkel habe gezeigt, dass Europa sein Asylsystem umbauen müsse. Die «Washington Post» findet, der Unterschied zwischen den zwei mächtigsten Ländern in Europa könnte nicht grösser sein. «Deutschland hat etwas Grosses für die Zukunft Europas getan», titelt vox.com

Kritische Stimmen kommen aus Frankreich. In Italien, Spanien und Frankreich gebe es im Gegensatz zu Deutschland keine Beschäftigungsmöglichkeiten für Migranten, schreibt der «Figaro». Es sei naiv, zu glauben man könne hunderttausende Flüchtlinge integrieren. Merkel spiele sich als «Königin» Europas auf, kommentiert das Portal «Mediapart». Sie bevorzuge «die deutschen Industriellen, die von billigen Arbeitskräften profitieren würden».

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