Aktualisiert 16.03.2006 05:53

Flüchtlingsdrama vor Afrika

Die Leichen von 24 Afrikanern sind vor der Küste des Wüstenstaats Mauretanien aus dem Atlantik geborgen worden. Es wird vermutet, dass in dem Seegebiet noch mehr Leichen im Meer treiben.

Bei den Toten handelte es sich laut den spanischen Behörden um Flüchtlinge, die von Mauretanien auf die Kanarischen Inseln gelangen wollten und dabei mit einem Boot verunglückten.

Ein spanisches Hospitalschiff, das die Toten geborgen hatte, stellte in der Nacht die Suche ein und nahm Kurs auf Gran Canaria. Die toten Afrikaner waren vor der Küste Nordmauretaniens, 400 Seemeilen (740 Kilometer) südlich der Kanaren, im Atlantik entdeckt worden.

Die Inseln erleben in diesen Tagen einen Ansturm von afrikanischen Flüchtlingen. Seit dem Wochenende gelangten über 800 Afrikaner - überwiegend von Mauretanien aus - mit Booten nach Teneriffa und Gran Canaria.

Die Aufnahmelager der Inseln waren völlig überfüllt, so dass Flüchtlinge auch in Gebäuden des Militärs untergebracht werden mussten. Der Ministerpräsident der autonomen kanarischen Regierung, Adán Martín, bezeichnete den Flüchtlingsstrom als einen «nationalen Notstand».

Laut dem spanischen Präfekten auf den Kanaren waren in jüngster Zeit auf der Route zu der Inselgruppe mehrere Flüchtlingsboote havariert. Hilfsorganisationen in Mauretanien hatten kürzlich von 1000 Toten in den vergangenen vier Monaten gesprochen.

Das spanische Fernsehen TVE berichtete, einige Boote seien verunglückt, weil Schieberbanden den Treibstoff der Schiffe mit Wasser gemischt hätten, um Geld zu sparen.

Spanien bot Mauretanien Hilfen für die Überwachung der Küsten an. Dazu will Spanien dem Wüstenstaat unter anderem Patrouille-Schiffe zur Verfügung stellen. Ausserdem will Madrid Mauretanien bei der Einrichtung von Aufnahmelagern für Flüchtlinge helfen.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.