Aktualisiert 31.12.2014 07:41

«Blue Sky M»

Flüchtlingsfrachter erreicht Hafen

Ein Frachter mit Hunderten Migranten an Bord sendete ein Notsignal. Doch der Kapitän erklärt, Hilfe sei nicht nötig. Nun kam das Schiff in einem italienischen Hafen an.

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cho/mlr

Der Frachter mit einigen Hundert syrischen Flüchtlingen ist im italienischen Puglia angekommen. Die italienische Küstenwache hatte zuvor in der Adria die Kontrolle über einen Frachter mit Asylsuchenden an Bord übernommen. Dadurch sei eine «Katastrophe verhindert» worden, da das Schiff aufgrund einer einprogrammierten Route auf die Küste geprallt wäre, sagte der Sprecher der Küstenwache, Filippo Marini. Demnach soll die «Blue Sky M» zu einem Hafen eskortiert werden.

Zuvor sei verhindert worden, dass das Schiff auf die Küste prallt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag. Trotz eines Motorschadens hätten Männer der Küstenwache drei Meilen vor dem süditalienischen Ort Santa Maria di Leuca den Kurs des Frachters ändern können.

Per Helikopter waren mehrere Männer auf das Schiff gegangen, um den Zustand des Frachters zu überprüfen. An Bord habe das Team festgestellt, dass die Besatzung weg sei, sagte Küstenwachensprecher Marini. Demnach versuchen die Mitarbeiter, einen einen Motorschaden zu beheben, um den Frachter sicher zu einem Hafen geleiten zu können. An Bord sollen laut Ansa vor allem Syrer sein, darunter auch eine Schwangere, die kurz vor der Geburt stehe.

Kapitän lehnte Hilfe ab

Zuvor war bekannt geworden, dass der Frachter trotz eines Seenotrufs Kurs auf Italien genommen hatte. Die griechischen Behörden hätten nach einem SOS-Ruf von Bord des Frachters Kontakt mit dem Kapitän aufgenommen, sagte ein Beamter der Küstenwache. Dieser habe jedoch erklärt, sein Schiff habe keine Probleme und er benötige keine Hilfe.

Der Notruf stammte den Angaben zufolge von einem Passagier auf der Blue Sky M. Der Operationschef der Küstenwache, Admiral Nikolaos Patrinos, sagte, der Mann habe erklärt, die Menschen an Bord hätten kein Wasser, keine Nahrung und keine Decken. Auf dem Frachtschiff könnten 400 bis 600 Menschen sein. Daraufhin hätten die Behörden die Fregatte Navarino und einen Hubschrauber in das Gebiet nahe der Insel Othonoi nordwestlich von Korfu geschickt.

Um 12.34 Uhr hatte Blue Sky M vor der Küste der Insel Korfu ein Notsignal abgesetzt. Es seien bewaffnete Personen an Bord, berichtete der staatliche Sender Nerit, ohne weitere Details zu nennen. Es hiess lediglich, die Notlage an Bord stehe im Zusammenhang mit «illegalen Einwanderern». Die Küstenwache ging davon aus, dass es sich bei den Bewaffneten um Schlepper handelt, die zur eigenen Sicherheit Waffen bei sich trugen.

Syrische Flüchtlinge an Bord

Die Angaben darüber, ob und wie viele Flüchtlinge an Bord des Frachters sind, gingen in den griechischen Medien auseinander. Das News-Portal Protothema geht von bis zu 700 illegalen Immigranten aus. Lefkadapress.gr hat nach eigenen Angaben bereits gestern einen Tipp erhalten, dass sich um die 450 syrische Flüchtlinge auf dem Frachter befinden sollen.

Der Bürgermeister der Kleininsel Othonoi, Giorgos Argyros, sagte im griechischen Radio, er könne den Frachter südlich des Eilands sehen. Das Schiff versuche sich mit langsamer Fahrt im «Windschatten» des Eilands zu halten. In der Region wehten nach seinen Schätzungen stürmische Winde der Stärke acht aus nordwestlicher Richtung.

Frachter trieb manövrierunfähig im Ionischen Meer

Das Schiff, das unter der Flagge Moldawiens fährt, hatte laut Behörden einen mechanischen Schaden und war manövrierunfähig. Laut «Marinetraffic.com» war das 1976 gebaute Schiff von Istanbul kommend zum kroatischen Hafen Rijeka unterwegs.

Das Schiff soll sich griechischen Medienberichten zufolge bereits seit Tagen in der Region des Ionischen Meeres im Westen Griechenland bewegt haben. Es wurde vermutet, dass Menschenschlepper Migranten aus Westgriechenland abgeholt haben, um sie nach Italien zu bringen.

Internationale Schlepperbanden versuchen immer wieder, Migranten durch das Mittelmeer nach Europa zu bringen. Tausende Migranten sind dabei in den vergangenen Monaten ums Leben gekommen. Ende November waren rund 600 Migranten aus dem Nahen Osten nach einer Havarie eines Frachters auf Kreta sicher gelandet. (cho/mlr/sda)

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