25.07.2014 13:26

Nach Flugtragödien

«Flüge könnten nun wieder teurer werden»

Über 700 Menschen sind in den letzten Wochen durch Flugzeugabstürze gestorben. Laut Aviatik-Experte Olav Brunner dürfte dies Konsequenzen für die Luftfahrt haben.

von
sma
Über 700 Menschen sind in den ersten sieben Monaten des Jahres durch Flugzeugabstürze ums Leben gekommen.

Über 700 Menschen sind in den ersten sieben Monaten des Jahres durch Flugzeugabstürze ums Leben gekommen.

Herr Brunner, in diesem Jahr sind schon über 700 Menschen durch Flugzeugabstürze ums Leben gekommen. Dies scheint ein sehr schwieriges Jahr für die Luftfahrt zu sein?

Olav Brunner: Man muss diese Zahl relativieren, wenn man bedenkt, dass bei einem einzigen Absturz knapp 300 Menschen gestorben sind. Dies ist bereits knapp ein Drittel. Es sind relativ wenige Einzelfälle, die zu dieser hohen Zahl führten. Ich denke nicht, dass die Abstürze im Generellen zunehmen.

Dennoch: Innerhalb weniger Wochen kam es mit den beiden Abstürzen der Malaysia Airline und nun dem Absturz in Mali zu drei schrecklichen Flugtragödien. Wie sicher ist das Fliegen noch?

Fliegen ist nicht gefährlicher geworden. Die Tragik liegt darin, dass diese Abstürze zeitlich sehr nahe beieinanderliegen und sie daher bei uns eine ungutes Gefühl hinterlassen.

Und dies wird zumindest kurzfristig nicht ohne Konsequenzen für die Luftfahrt bleiben. Müssen die Airlines nun mit einem Passagierrückgang rechnen?

Kurzfristig können solche Katastrophen dazu führen, dass gewisse Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen werden. Es gibt Untersuchungen, die davon sprechen, dass sich bereits heute jeder zweite Flugpassagier an Bord unwohl fühlt. Dieses Gefühl kann sich durch solche Tragödien natürlich verstärken. Längerfristig glaube ich aber nicht, dass die Abstürze einen negativen Einfluss auf die Luftfahrt haben werden. In einem halben Jahr sind sie wieder vergessen.

Offenbar führte ein Gewitter zur Notlandung in Taiwan und dem Absturz in Mali. Sollten Flugzeuge nicht gegen solche Wettereinflüsse gewappnet sein?

Die einfache Regel lautet: In eine Gewitterzelle fliegt man nicht. Das ist ein absolutes No-Go. Gewitter kann man auf dem Radar auf eine Distanz von 200 Kilometern genau erkennen. Man muss sie umfliegen. Ich kenne die Region in Mali selbst. Ich musste dort wegen Gewittern auch schon einmal einen Umweg von 360 Kilometern respektive eine zusätzliche halbe Flugstunde in Kauf nehmen.

Die Piloten hätten das Gewitter also erkennen müssen?

Ich kann zum aktuellen Fall und insbesondere zum Handeln der Piloten mangels gesicherter Fakten keine Stellung nehmen.

Könnte ein solches Gewitter auch in hiesigen Breitengraden ein Flugzeug zum Absturz bringen?

Auch in der Schweiz oder in Europa gibt es Gewitter, welche die Flugzeuge schwer beschädigen können. Gefährlich ist vor allem der Hagel, der die Triebwerke beschädigen kann, oder sehr starke, vertikale Luftströmungen, die ein Flugzeug ins Trudeln bringen können. Aus solchen Situationen ist es schwierig, wieder herauszukommen. Derartige Gewitter sind aber von normalen Turbulenzen zu unterscheiden.

Beim Holpern an Bord also nicht sofort in Panik ausbrechen?

Es gibt Turbulenzen, die andere Gründe haben. Bei Luftströmungen über Berge hinweg oder bei so genannten Jet Streams kann es auch ohne Wolken stundenlang schütteln. Dies mag zwar unangenehm sein, ist aber sicherlich nicht gefährlich.

Was gilt es aus Ihrer Sicht aus diesen Flugkatastrophen zu lernen?

Auch wenn ich Vertrauen in die Luftfahrt habe, hoffe ich sehr, dass sich die Airlines und auch die entsprechenden Behörden wieder mehr Gedanken zur Sicherheit im Luftverkehr machen. Risiken müssen noch genauer abgeschätzt werden. Die Fluggesellschaften müssen an jeder Ecke Geld und Zeit sparen. Aber Sicherheit kostet Geld. Wenn man mehr in die Sicherheit investiert, wird dies Auswirkungen auf die Preise haben. Fliegen könnte künftig wieder teurer werden.

Zur Person

Olav Brunner ist Aviatik-Experte. Brunner war jahrelang selbst Pilot bei der Swissair.

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