Amazonas-Mutation - «Flüge nach Brasilien müssen sofort gestrichen werden»
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Amazonas-Mutation«Flüge nach Brasilien müssen sofort gestrichen werden»

Die vermutlich aggressivere Variante P.1 breitet sich in der Schweiz aus. CVP-Nationalrat Alois Gmür will das Virus mit einem Flug-Stopp nach Brasilien bremsen.

von
Bettina Zanni
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Flüge von der Schweiz nach Brasilien und zurück sind nach wie vor möglich. 

Flüge von der Schweiz nach Brasilien und zurück sind nach wie vor möglich.

20min/Michael Scherrer
Die Virusmutation P.1 aus dem Amazonas breitete sich in den letzten Monaten in Brasilien rasant aus und trieb die Zahl der Todesopfer auf einen neuen Höhepunkt.

Die Virusmutation P.1 aus dem Amazonas breitete sich in den letzten Monaten in Brasilien rasant aus und trieb die Zahl der Todesopfer auf einen neuen Höhepunkt.

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«Die Flüge zwischen der Schweiz und Brasilien müssen sofort gestrichen werden», fordert CVP-Nationalrat Alois Gmür.

«Die Flüge zwischen der Schweiz und Brasilien müssen sofort gestrichen werden», fordert CVP-Nationalrat Alois Gmür.

PARLAMENTSDIENSTE

Darum gehts

  • Das BAG registriert in der Schweiz mittlerweile zwölf Fälle der brasilianischen Mutation.

  • «Die Flüge zwischen der Schweiz und Brasilien müssen sofort gestrichen werden», fordert CVP-Nationalrat Alois Gmür.

  • Ein Virologe der Taskforce beschwichtigt jedoch.

Das brasilianische Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch. Rasant breitete sich die Virusmutation P.1 (siehe Box) aus dem Amazonas in den letzten Monaten aus und trieb die Zahl der Todesopfer auf einen neuen Höhepunkt: Über 300’000 Todesopfer hat die Pandemie im Land mittlerweile gefordert. Vermutet wird, dass P.1 nicht nur deutlich ansteckender, sondern auch tödlicher sein könnte, da in Brasilien auch viele junge Menschen am Virus starben.

Auch in der Schweiz breitet sich die Mutation aus. Am Dienstag registrierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwölf Fälle. Das BAG bezeichnet diese Variante als besorgniserregend. Vermutet werde die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion und einer reduzierten Wirksamkeit einer Impfung, schreibt das Amt dazu. Da es sich bei den zwölf Fällen um Stichproben handelt, ist zudem unklar, wie stark die Varianten in der Schweiz tatsächlich kursieren.

Mutationen


Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stuft das britische Coronavirus (B1.1.7) als besorgniserregend ein, da eine erhöhte Übertragungsfähigkeit von Mensch zu Mensch vermutet wird. Auch die brasilianische Variante (P.1) macht dem BAG Sorgen. Das Amt begründet dies damit, dass Vermutungen zufolge erneute Infektionen und eine reduzierte Wirksamkeit einer Impfung wahrscheinlich sind.

«Die Schweiz bestraft sich selbst»

Flüge von der Schweiz nach Brasilien und zurück sind nach wie vor möglich. Etwa die Swiss bietet fast täglich einen Flug von Zürich nach São Paulo an. Für CVP-Nationalrat Alois Gmür gibt es jetzt kein Zögern mehr. «Die Flüge zwischen der Schweiz und Brasilien müssen sofort gestrichen werden», fordert er. In Brasilien herrschten grauenhafte Zustände, weil die Mutation ausser Kontrolle geraten sei. «Die Schweiz bestraft sich selbst, wenn sie dem gefährlichen Virus weiterhin Tür und Tor öffnet.»

SVP-Nationalrat Thomas Aeschi fordert zudem Grenzkontrollen:

Fachpersonen halten neue Massnahmen jedoch nicht für nötig. «Wir dürfen wegen P.1 jetzt nicht in Panik geraten», sagt Didier Trono, Professor für Virologie an der ETH Lausanne und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes. Mit den Corona-Tests beim Boarding und an der Schweizer Grenze könne die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle gehalten werden. «Auch wenn die Zahl der Fälle noch nicht besorgniserregend ist, ist es wichtig, dass die Tests bei Flügen aus Risikogebieten intensiviert und die Quarantänen eingehalten werden.»

Impfstoffe zeigten Wirkung

Laut Trono liegen zurzeit noch nicht genügend verlässliche Daten zur Übertragbarkeit und Tödlichkeit der Mutation vor. Wichtig sei, dass die Infektionen sequenziert würden, um diese Mutation nachzuweisen. Auch müsse deren Ausbreitung genau überwacht werden. «Zudem müssen die Kontakte von Infizierten dieser Variante viel weiter zurückverfolgt werden. Also auch auf die Kontakte der Kontakte.»

Die gute Nachricht sei jedoch, dass die aktuell in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe gegen die britische, südafrikanische und brasilianische Variante (siehe Box) Wirkung zeigten, so Trono. «Daher könnte der Impfstoff die zurzeit besorgniserregenden Varianten unter Kontrolle halten.»

BAG schliesst Verschärfungen nicht aus

Patrick Mathys, Leiter der Sektion für Krisenbewältigung im BAG, machte an einer Medienkonferenz am Dienstag darauf aufmerksam, dass Brasilien immer noch ein Hochrisikoland sei. «Den Flugverkehr zwischen der Schweiz und Brasilien einzustellen würde nur im Zusammenspiel mit ganz Europa Sinn machen.»

Er begründete dies damit, dass viele Flüge nach Brasilien über Portugal gingen. Gleichzeitig schloss er schärfere Massnahmen gegenüber Brasilien nicht aus, sollten die Mutationen über diesen Weg weiter verbreitet werden.

Doppel-Mutation

Indien schlittert Experten zufolge in eine zweite Corona-Welle. Dabei breitet sich eine neu entdeckte Doppel-Mutation des Coronavirus aus. Diese besteht aus einer Kombination der britischen Variante B.1.1.7 und der südafrikanischen Variante B.1.351. Sie soll ansteckender sein als das ursprüngliche Virus. Laut dem indischen Gesundheitsministerium ermöglichen derartige Mutationen, eine Immunantwort zu umgehen und erhöhen das Infektionsrisiko. Ob der Anstieg der Corona-Fallzahlen eine Folge der Mutanten ist, lässt das Ministerium zurzeit jedoch offen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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