Luftfahrt: «Flüssigbomber» verurteilt - Schikanen bleiben
Aktualisiert

Luftfahrt«Flüssigbomber» verurteilt - Schikanen bleiben

Den «Flüssigbomber» von London haben wir die Schikanen bei der Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck zu «verdanken». Nun sind sie zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden.

Ein Londoner Gericht hat drei britische Muslime wegen einer «Verschwörung zum Massenmord» zu Haftstrafen von 40, 36 und 32 Jahren verurteilt. Richter Richard Hernandes sagte, der Plan, Flugzeuge auf Transatlantikflügen mit Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen, sei weit fortgeschritten und von der Polizei gerade noch rechtzeitig vereitelt worden.

Als Anführer verurteilte Hernandes Abdulla Ahmed Ali zur Höchststrafe von 40 Jahren, seine Mitverschwörer Assad Sarwar und Tanvir Hussain erhielten 36 und 32 Jahre Gefängnis. Das Ausmass des geplanten Massenmordes sei mit den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 vergleichbar. Das Trio habe «die schwerste und gemeinste Verschwörung» geschmiedet, die je in Grossbritannien aufgedeckt worden sei. Die drei Angeklagten waren bereits in der vergangenen Woche von den Geschworenen schuldig gesprochen worden.

Chemikalien sollte an Bord gemischt werden

Die Vorbereitungen, Selbstmordattentäter mit in Getränkeflaschen versteckten Flüssigbrennstoff auszurüsten, seien weit fortgeschritten gewesen, sagte der Richter. Die Verschwörer hätten genug Chemikalien für 20 Bomben mit professionellen Zündern gehabt. Die Chemikalien sollten an Bord gemischt und die Bomben so scharf gemacht werden. «Ich kann nur schlussfolgern, dass die Chance für ein Flugzeug gering gewesen wäre, in der Höhe eine solche Explosion zu überstehen», sagte Hernandes zu einem Video, in dem ein solcher Anschlag nachgestellt worden war.

«Wenn diese Verschwörung nicht vereitelt worden wäre, wäre ein grosser Verlust an Menschenleben die Folge gewesen - und wenn die Explosion über Land gewesen wäre, wäre die Zahl der Opfer noch grösser gewesen», sagte der Richter in der Strafmassbegründung weiter.

Reisechaos und Schikanen ausgelöst

Die Verhaftung der Verdächtigen im August 2006 hatte ein grosses Reisechaos ausgelöst. Tausende Flugreisende wurden von Flugabsagen überrascht. Als Konsequenz wurden weltweit die Kontrollen von Bordgepäck verschärft. Seitdem dürfen Flüssigkeiten und Gel nur noch in sehr begrenztem Umfang mitgeführt werden.

(dapd)

Verschärfte Regeln

Seit November 2006 sehen die neuen Handgepäck-Vorschriften vor, dass Flüssigkeits-Fläschchen, Gel-Dosen, Zahnpasta-Tuben etc. nicht grösser sein dürfen als ein Deziliter (100 ml). Es dürfen so viele 100-ml-Verpackungen mitgenommen werden, wie problemlos in einen durchsichtigen und verschliessbaren Plastikbeutel von einem Liter Inhalt Platz haben. Dieser Beutel muss bei der Sicherheitskontrolle gesondert vorgewiesen werden.

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