Aktualisiert 23.04.2019 10:15

Steuern und CO2-Ausgleich

Flug Zürich–New York würde 1063 Fr kosten

Fliegen ist steuerfrei. Wie viel würde es mit Abgaben eigentlich kosten? Hier kommt die Rechnung.

von
Isabel Strassheim
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Sie bringen die CO2-Abgabe auf Flugtickets erneut ins Gespräch: Demonstranten am 6. April 2018 in Zürich beim schweizweiten Klimastreik.

Sie bringen die CO2-Abgabe auf Flugtickets erneut ins Gespräch: Demonstranten am 6. April 2018 in Zürich beim schweizweiten Klimastreik.

Keystone/Ennio Leanza
Aktivisten fordern mehr «Kostenwahrheit» bei den Preisen von Flugtickets. Eingerechnet werden müssten nicht nur die reinen Flugkosten, sondern auch die Umweltkosten sowie Steuern. Wie viel würde dann ein Flug von Zürich-Kloten nach...

Aktivisten fordern mehr «Kostenwahrheit» bei den Preisen von Flugtickets. Eingerechnet werden müssten nicht nur die reinen Flugkosten, sondern auch die Umweltkosten sowie Steuern. Wie viel würde dann ein Flug von Zürich-Kloten nach...

Keystone/Christian Merz
...New York und wieder zurück kosten?

...New York und wieder zurück kosten?

Jean Revillard

Die Klimademonstranten fordern, Fliegen soll teurer werden. Denn dann würde weniger geflogen. Wie viel würde ein Flugticket aufschlagen? Dabei geht es nicht um die Schmerzgrenze für die Konsumenten, sondern um Ticketpreise mit CO2-Ausgleich und ohne Steuervorteile.

Bislang wird auf internationale Flugtickets keine Mehrwertsteuer berechnet. Wie in den Tax free Shops am Flughafen Alkohol oder Parfum ist auch das Ticket selbst steuerfrei. Ebenso entfällt für die Airlines bei internationalen Flügen die Kerosinsteuer. Würden Mehrwert- und Kerosinsteuer sowie ein CO2-Ausgleich dazugenommen, würde ein Hin- und Rückflug Zürich-New York statt 580 Franken neu 1063 Franken kosten. Das ist knapp das Doppelte.

Zusätzliche 1,6 Milliarden Franken für den Staat

Die Rechnung ist einfach: Gäbe es eine Kerosinsteuer, würde für den Flug Zürich-New York-Zürich der treibstoffbezogene Teil der Flugkosten um 340 Franken pro Passagier steigen, so der Verkehrsclub Schweiz. Er legt für Flugpetrol einen Steuersatz von 739,50 Franken/1000 Liter zugrunde; das entspricht demjenigen, der auch auf Inland- und Privatflüge erhoben wird. Für diese gibt es im Gegensatz zu internationalen Flügen schon jetzt eine Kerosinsteuer. Eine Flugpetrolsteuer auch für die internationalen Flüge würde dem Schweizer Staat damit Einnahmen von 1,6 Milliarden Franken bringen.

«Die Preise für Flüge müssten deutlich höher sein, wenn die realen Kosten für die Umwelt und auch die normalen Steuern berücksichtigt würden», sagte Yves Chatton, Geschäftsführer der Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit (Klug), zu 20 Minuten.

Für den Co2-Ausgleich für den Hin- und Rückflug Zürich-New York berechnet der Kompensationsrechner von Myclimate.ch einen Ticketaufschlag von 67 Franken. Der ist derzeit freiwillig, müsste aber eigentlich stets dazugerechnet werden, um den realen Kosten gerecht zu werden, so Chatton.

Flugticket-Abgabe entspricht nicht CO2-Ausgleich

Auch die Mehrwertsteuer käme noch dazu. Auf internationale Flugtickets, und damit auf gut 95 Prozent aller Flüge, wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Bei einem Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent würde der New-York-Flug nochmals 76 Franken teurer.

Das Parlament diskutiert über eine obligatorische Flugticket-Abgabe. Die entspricht aber nicht einem CO2-Ausgleich, sondern liegt darunter – es ist eben nur eine Abgabe. Der Nationalrat hatte sie letzten Dezember abgelehnt. Der Ständerat will sie nun neu verhandeln. Wann genau ist noch unklar. Die Schweizer Politik debattiert über 12 bis 20 Franken Zuschlag für Flüge in einen Mitgliedstaat des Europarates und zwischen 30 und 50 Franken für Flüge in andere Länder.

«Diese Ticketabgabe wäre nur ein erster Schritt. Sie ist zwar besser als kein obligatorischer Aufschlag, entspricht aber noch nicht der gesamten Kostenwahrheit eines Fluges», sagt Chatton.

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