Aktualisiert 25.02.2020 10:37

Wegen Coronavirus

Flugbegleiter wollen nicht in Italien übernachten

Die Besatzung der Helvetic Airways muss in Norditalien unweit der abgesperrten Coronavirus-Zone übernachten. Die Crew hat ein schlechtes Gefühl.

von
B. Scherer
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Jeden Tag fliegt ein Flugzeug der Helvetic Airways im Auftrag der Swiss nach Mailand.

Jeden Tag fliegt ein Flugzeug der Helvetic Airways im Auftrag der Swiss nach Mailand.

Keystone/Gaetan Bally
Die Crew der Helvetic Airways übernachtet vor Ort. Besonders wohl fühlen sich die Mitarbeiter dabei aber nicht (Symbolbild).

Die Crew der Helvetic Airways übernachtet vor Ort. Besonders wohl fühlen sich die Mitarbeiter dabei aber nicht (Symbolbild).

Markus A. Jegerlehner
Denn die Crew übernachtet in Malpensa – nicht unweit von Codogno. Die Stadt gilt als Epizentrum der Coronavirus-Infektion in Italien.

Denn die Crew übernachtet in Malpensa – nicht unweit von Codogno. Die Stadt gilt als Epizentrum der Coronavirus-Infektion in Italien.

Elia Bianchi

In Europa ist Italien derzeit das Land mit den meisten Coronavirus-Infektionen. Als Epizentrum gilt die Stadt Codogno. Nur eine Autostunde entfernt landet jeden Tag in Mailand ein Flugzeug der Helvetic Airways im Auftrag der Swiss. Die Crew übernachtet dann vor Ort.

Besonders wohl fühlen sich die Mitarbeiter dabei nicht, wie ein Flugbegleiter der Swiss zu 20 Minuten sagt. «Wenn sogar Mailand seine Schulen schliesst, die Läden so gut wie leer sind und die Swiss die Crew trotzdem noch dorthin sendet, finde ich das nicht ganz fair.» Es müsse eine Lösung geben, damit die Flugzeugbesatzung nicht mehr dort übernachten müsse.

Masken und Schutzausrüstung an Board

Jedes Mitglied der Besatzung müsse einmal pro Woche in Malpensa, Mailand, übernachten. Das Hotel liege «mitten in der Pampa in Somma Lombardo». Optimal sei das Ganze nicht, findet der Swiss-Flugbegleiter.

Helvetic Airways bestätigt, dass pro Tag zehn Besatzungsmitglieder in Malpensa übernachten. Daran soll sich im Moment auch nichts ändern. Denn nach offiziellen Angaben gebe es keinen Grund, die Flüge nach Italien und zurück zu unterbrechen, wie ein Sprecher sagt.

Keine Flugänderung geplant

Die Crew sei seit Beginn der Coronavirus-Welle regelmässig und ausführlich informiert worden. An Bord seien auch Schutzausrüstungen und Masken vorhanden und die Crew sei geschult, wie sie sich in möglichen Verdachtsfällen verhalten müsse.

«Wenn sich die Situation ändern sollte, werden wir uns natürlich in Absprache mit unseren Partnern sofort anpassen und die erforderlichen Massnahmen treffen», erklärt ein Sprecher. Doch auch die Auftragsgeberin Swiss sieht noch keinen Handlungsbedarf: Derzeit seien keine Änderungen im Hinblick auf die Flüge nach Mailand geplant. Die Swiss selbst fliegt einmal in der Woche Venedig und Florenz an – dort muss auch die Swiss-Besatzung jeweils eine Nacht übernachten.

Ausweg dank Vertragsklausel

Swiss-Mitarbeiter können ihren Einsatz in Ausnahmefällen umgehen. Denn die Fluggesellschaft arbeitet mit Kapers, der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, zusammen. «Wir haben einen Gesamtarbeitsvertrag mit der Swiss. Darin gibt es eine Klausel, die Mitarbeitenden in gewissen Situationen Schutz bietet», erklärt Jörg Berlinger, Mediensprecher von Kapers.

Mitarbeiter können sich auf diese Klausel beziehen und werden dann auf andere Flüge umgeteilt. «Es muss aber einen berechtigten Grund geben», so Berlinger. So sei die

Klausel grundsätzlich für Einsätze in Krisen- oder Bürgerkriegsregionen gedacht. Ob die Klausel auch wegen des Coronavirus in Einsatz kommt, kann Berlinger zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Doch Helvetic Airways hat keinen Gesamtarbeitsvertrag mit Kapers. So kennt die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben keine solche Klausel. «Wir nehmen aber Rücksicht auf die Wünsche der Crew», erklärt ein Mediensprecher auf Anfrage.

Das Coronavirus hat Europa erreicht: Norditalien steht still. (Video: Tamedia)

Flugverkehr leidet unter Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus bremst das Wachstum des Luftverkehrs aus: Die IATA, der Dachverband der Fluggesellschaften rechnet für 2020 mit einem weltweiten Nachfragerückgang von 0,6 Prozent, wie Airliners.de schreibt. Damit würden die Fluggesellschaften 27,1 Milliarden Euro Umsatz verlieren. Den grössten Verlust werden Gesellschaften aus der Region Asien-Pazifik und vor allem China verzeichnen. Aber auch in Europa leiden die Airlines: So rechnet Air France-KLM für die Monate Februar bis April mit bis zu 200 Millionen Euro weniger Umsatz.

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