11.11.2019 09:21

Deutsche Anbieter Flugbestatter fliegen nicht mehr über Schweiz

Deutsche Bestatter werfen die Asche Verstorbener über der Schweiz ab. Dass dies illegal ist, wussten sie nicht. Nun wollen sie die Angebote streichen.

von
B. Zanni
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Der Bayer Flugbestatter Peter Kramer der Kramer & Fuchs GbR führte bis anhin mit seiner Cessna in der Schweiz Flugbestattungen durch. «Ich kann jetzt aber zusichern, zukünftig keine Flugbestattungen mehr durchzuführen.»

Der Bayer Flugbestatter Peter Kramer der Kramer & Fuchs GbR führte bis anhin mit seiner Cessna in der Schweiz Flugbestattungen durch. «Ich kann jetzt aber zusichern, zukünftig keine Flugbestattungen mehr durchzuführen.»

Carmen Voxbrunner
Ein deutsches Bestattungsunternehmen etwa schreibt auf seiner Website, die Asche aus einem Heissluftballon oder Flugzeug über den Schweizer Voralpen, dem Toggenburg, Appenzell, der Zentralschweiz oder grossen Seen auszuschütten. (Symbolbild)

Ein deutsches Bestattungsunternehmen etwa schreibt auf seiner Website, die Asche aus einem Heissluftballon oder Flugzeug über den Schweizer Voralpen, dem Toggenburg, Appenzell, der Zentralschweiz oder grossen Seen auszuschütten. (Symbolbild)

Nnehring
Das Bestattungs-Institut Harald Geissler bewirbt seine Flugbestattung sogar so: «In der Schweiz gestaltet sich diese besonders einfach, denn hier darf die Asche von einem Ballon oder Flugzeug aus über den Bergwiesen verstreut werden. Flugbestattungen dürfen nur ausserhalb Deutschlands durchgeführt werden.»

Das Bestattungs-Institut Harald Geissler bewirbt seine Flugbestattung sogar so: «In der Schweiz gestaltet sich diese besonders einfach, denn hier darf die Asche von einem Ballon oder Flugzeug aus über den Bergwiesen verstreut werden. Flugbestattungen dürfen nur ausserhalb Deutschlands durchgeführt werden.»

Screenshot/bestattung-geissler.de

Hundert Kilo Asche von verstorbenen Menschen aus Deutschland dürften in den Bündner Alpen bis anhin ausgeschüttet worden sein. Bis zu 30 Mal im Jahr fliegt der Bayer Flugbestatter Peter Kramer der Kramer & Fuchs GbR mit seiner Cessna jeweils fünf bis zehn Urnen in die Schweiz, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Er ist nicht der einzige deutsche Anbieter, weitere werben mit solchen Angeboten. Dabei lehnen sie sich allerdings zu weit aus dem Fenster – die Praktik ist eigentlich illegal (siehe Box). Davon will Peter Kramer jedoch nichts gewusst haben.

«Führe keine Flugbestattungen mehr durch»

Noch im Jahr 2008 antwortete das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL auf seine Anfrage positiv, wie Kramer 20 Minuten sagt. Das Abwerfen von feinem Sand sei ohne Bewilligung des BAZL erlaubt, schrieb der Verantwortliche im E-Mail, das 20 Minuten vorliegt. Dazu bestätigte der Verantwortliche: «Obwohl dabei selbstverständlich an Ballast-Abwurf aus einem Ballon gedacht wurde, fällt unter diese Erlaubnis ohne weiteres auch das Verstreuen von Asche (nicht aber der allfällige Abwurf der ganzen Urne).»

Kramer sagt, dass sein Handeln damals auch ohne gesonderte Genehmigung als legal bezeichnet wurde. «Ich kann jetzt aber zusichern, zukünftig keine Flugbestattungen mehr durchzuführen.»

Partner fliege mit Asche direkt in die Schweiz

Auch anderen Anbietern von Flugbestattungen ist die Gesetzeslage offenbar nicht bewusst. Ein deutsches Bestattungsunternehmen etwa schreibt auf seiner Website, die Asche aus einem Heissluftballon oder Flugzeug über den Schweizer Voralpen, dem Toggenburg, Appenzell, der Zentralschweiz oder grossen Seen auszuschütten.

«Unser Partner fliegt die Urne mit einer Begleitperson aus dem Umfeld der verstorbenen Person direkt in die Schweiz und schüttet die Asche am gewünschten Ort aus», sagte ein Mitarbeiter, wie ein Test von 20 Minuten zeigte. Beim Partner handele es sich um einen Hobby-Piloten, der als Nebenerwerb Flugbestattungen mache. Auf die Frage, ob die Verantwortlichen vorgängig bei den Behörden eine Bewilligung einholten, antwortete der Mitarbeiter: «Es wundert mich sehr, aber nein, in der Schweiz braucht man dafür keine Bewilligung.»

«Besonders einfach in der Schweiz»

Das Bestattungs-Institut Harald Geissler bewirbt seine Flugbestattung sogar so: «In der Schweiz gestaltet sich diese besonders einfach, denn hier darf die Asche von einem Ballon oder Flugzeug aus über den Bergwiesen verstreut werden. Flugbestattungen dürfen nur ausserhalb Deutschlands durchgeführt werden.»

Seit 15 Jahren biete er die Flüge an, sagt Geissler. «Bis anhin wurde nur ein Bestattungsflug gebucht. Ein Mann wollte die Asche seiner Frau, die Flight Attendant war, in der Luft verstreuen.» Dass dies gesetzlich nicht erlaubt sei, habe er nicht gewusst. «Ich werde das Angebot für die Schweiz von der Website entfernen», kündigt er an.

Kritik von Politiker

Verkehrspolitiker und CVP-Nationalrat Martin Candinas begrüsst, dass das BAZL die Bestattungen als bewilligungspflichtig beurteilt. Vielen Leuten sei es schon unwohl, dass solche Bestattungen grundsätzlich überhaupt möglich seien. «Dazu einfach jederzeit Asche aus Deutschland in der Schweiz zu verstreuen, geht gar nicht.» Erweise sich, dass das BAZL die Gesetzeslage falsch oder ungenügend kommuniziert habe, müsse es eine umfassende Kommunikation noch nachholen.

Das BAZL konnte sich zur Frage, warum die neue Gesetzeslage nicht zu den Anbietern durchgedrungen ist, am Sonntag nicht äussern.

Bestattungen in der Natur

Das Verstreuen von Asche aus einem Flugzeug ist laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL gesetzlich nicht geregelt und damit bewilligungspflichtig. Eine Bewilligung erteile die Behörde nur, wenn auch der betreffende Kanton einwillige, so das BAZL. Auch etwa die Bestattungsverordnung des Kantons Zürich hält fest: «Das gewerbsmässige Beisetzen von Urnen oder Ausbringen von Kremationsasche ausserhalb von Friedhöfen ist verboten.

Naturbestattungen sind in der Schweiz grundsätzlich erlaubt. Die Asche im eigenen Garten, in einem See oder Fluss zu verstreuen, ist nicht bewilligungspflichtig. Sieht man dafür aber etwa eine Bergwiese oder einen Baum vor, muss man das Einverständnis des Grundstückbesitzers einholen.

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