14.10.2018 04:52

Wutausbruch ist symptomatisch

Flugchaos trifft Swiss besonders hart

34 Prozent aller Swiss-Flüge waren zwischen Juni und August wegen Problemen bei der Flugsicherung oder am Flughafen verspätet. Die Gründe sind vielfältig.

von
roy
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Eine Swiss-Maschine ist zum Abflug bereit, darf aber noch nicht starten.

Eine Swiss-Maschine ist zum Abflug bereit, darf aber noch nicht starten.

Keystone/Christian Merz
Per Funk erkundigt sich der Pilot, was los sei. Er wechselt von Englisch auf Schweizerdeutsch und rastet aus.

Per Funk erkundigt sich der Pilot, was los sei. Er wechselt von Englisch auf Schweizerdeutsch und rastet aus.

Keystone/Christian Merz
Die Verärgerung des Piloten über die Verspätungssituation sei nachvollziehbar, heisst es bei der Fluggesellschaft Swiss. Dass er seine Verärgerung zum Ausdruck gebracht habe, sei menschlich.

Die Verärgerung des Piloten über die Verspätungssituation sei nachvollziehbar, heisst es bei der Fluggesellschaft Swiss. Dass er seine Verärgerung zum Ausdruck gebracht habe, sei menschlich.

Keystone/Christian Merz

Die Aufnahme machte diese Woche in der ganzen Schweiz die Runde. «Es ist wieder mal zum K***** hier in Zürich, ich hab die Schnauze voll von dem Drecksplatz!», tönt es über die Funkfrequenz auf Schweizerdeutsch. Gesprochen – oder eher ausgerufen – hat hier ein Swiss-Pilot, dessen Abflug-Slot mehrfach verschoben worden ist. Der Wutausbruch ist symptomatisch: In Europa herrscht ein Flugchaos, das es so bisher noch nicht gegeben hat. Besonders stark von der Situation betroffen ist die Swiss, wie Zahlen von Eurocontrol zeigen, die der «SonntagsZeitung» vorliegen.

34 Prozent aller Swiss-Flüge waren zwischen Juni und August wegen Problemen bei der Flugsicherung oder am Flughafen verspätet. Von den nach Flugbewegungen gemessen grössten 20 Airlines Europas ist dieser Wert nur bei Thomas Cook Airlines und Eurowings schlechter. Über 30 Prozent erreichen ausser Swiss nur Billig- oder Ferienflieger.

Plan: Effizienz erhöhen

Die Gründe für die Probleme bei der Swiss sind vielfältig. Zum einen entstehen sie durch die Lage der Schweiz in Europa. Wenn ein Flug aus der Schweiz abfliegt und nach Osten, Norden oder Westen fliege, dann führe die Route über Österreich, Deutschland oder Frankreich. Und diese Länder hätten eine «schlechte bis sehr schlechte» Sommersaison hinter sich, heisst es dazu von der Schweizer Flugsicherung Skyguide. «Dass der Flughafen Zürich das Drehkreuz der Swiss ist und dieser Flughafen regelmässig zu den zehn am stärksten überlasteten in Europa gehört, hilft nicht», sagt Skyguide-Sprecher Raimung Fridrich aber auch.

Der Airport versucht nun, die Effizienz zu erhöhen. Im kommenden Jahr gebe es zusätzliche Rollwege, die es Flugzeugen ermöglichen, schneller die Landebahn zu verlassen und somit für die folgende Maschine freizugeben und die Startreihenfolgen zu optimieren, so Sprecherin Sonja Zöchling. Aber: «Wenn die Flugsicherungen in Europa nach wie vor so grosse Personalengpässe haben, wird das wohl wieder zu Verspätungen führen. Als Flughafenbetreiberin können wir diese Faktoren nicht beeinflussen», so Zöchling.

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