Aktualisiert 26.10.2018 04:36

Demo angekündigt

«Flughafen-Asylzentrum gleicht einem Gefängnis»

Asylsuchende stecken seit Wochen im Transitbereich des Flughafens Zürich fest. Um die «unmenschlichen» Zustände zu ändern, rufen Politiker zur Demo auf.

von
P. Michel / A. Peterhans
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Der Kurde Mustafa Mamay wartet mit den beiden Mädchen Pelin (Mitte) und Dicle im Transitbereich des Flughafens in Zürich seit über 50 Tagen.

Der Kurde Mustafa Mamay wartet mit den beiden Mädchen Pelin (Mitte) und Dicle im Transitbereich des Flughafens in Zürich seit über 50 Tagen.

Keystone/Ennio Leanza
Der Alltag ist eintönig, wie ein anderer Asylsuchender namens Dogan Y.  20 Minuten berichtet: «Es ist so furchtbar langweilig hier.» Die Unterkünfte haben keine Fenster, frische Luft gibt es nur auf der Flughafenterrasse. Pro Woche erhalten die Asylsuchenden 21 Franken – Geld, das am Flughafenkiosk schnell weg ist.

Der Alltag ist eintönig, wie ein anderer Asylsuchender namens Dogan Y. 20 Minuten berichtet: «Es ist so furchtbar langweilig hier.» Die Unterkünfte haben keine Fenster, frische Luft gibt es nur auf der Flughafenterrasse. Pro Woche erhalten die Asylsuchenden 21 Franken – Geld, das am Flughafenkiosk schnell weg ist.

Keystone/Ennio Leanza
Seit teils sieben Wochen sitzen 20 kurdische Asylsuchende im Transitbereich des Flughafens Zürich fest. Aus dem Flughafen raus dürfen sie nicht.

Seit teils sieben Wochen sitzen 20 kurdische Asylsuchende im Transitbereich des Flughafens Zürich fest. Aus dem Flughafen raus dürfen sie nicht.

Keystone/Ennio Leanza

Seit bis zu sieben Wochen sitzen 20 kurdische Asylsuchende im Transitbereich des Flughafens Zürich fest. Die vier Familien, die aus Syrien, der Türkei oder aus dem Irak über Südafrika in die Schweiz gereist sind, haben hier Asyl beantragt. Normalerweise verteilt der Bund die Asylsuchenden auf die Empfangszentren. Doch Flüchtlinge, denen die Einreise verweigert wird, können bis zu 60 Tage im Transitbereich untergebracht werden.

Der Alltag ist eintönig, berichtet Dogan Yildrim 20 Minuten. «Es ist so furchtbar langweilig hier.» Die Unterkünfte haben keine Fenster, frische Luft gibt es nur auf der Flughafenterrasse. Pro Woche erhalten die Asylsuchenden 21 Franken pro Person – Geld, das am Flughafenkiosk schnell weg ist.

«Bürger müssen demonstrieren»

Das Schicksal der 20 Kurden hat nun ein politisches Nachspiel: SP-Nationalrat Carlo Sommaruga ruft zur Demonstration auf dem Flughafengelände gegen die «menschenunwürdigen Bedingungen». «Wir behaupten, wir sind eine Nation der Menschenrechte, führen aber ein Asylzentrum am Flughafen, das einem Gefängnis gleicht», sagt er. Es liege jetzt auch an den Bürgerinnen und Bürgern, Druck auf das SEM aufzubauen, um die Zustände zu verbessern.

Laut Nadja Kuhn, Co-Präsidentin der Juso Zürich, ist ein Protest vor dem Flughafengebäude am Samstagnachmittag geplant. «Mit Schildern und Fahnen wollen wir auf die prekären Zustände am Flughafen aufmerksam machen», sagt Kuhn.

«Dass Familien mit kleinen Kindern über Wochen in der Transitzone unter haftähnlichen Bedingungen faktisch eingesperrt sind, ist ein unhaltbarer Zustand», sagt auch Peter Meier, Leiter Asylpolitik bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Zwar sei es rechtlich möglich, Asylsuchende im Transitbereich 60 Tage festzuhalten, doch die Behörden legten die Bestimmungen zu strikt aus: «Nach der Kinderrechtskonvention müsste bei sämtlichen Massnahmen, die Kinder betreffen, in erster Linie das Kindeswohl berücksichtigt werden: Das Minimum wäre, die Kinder und Familien aus dem Transitbereich zu holen und adäquat unterzubringen.» Die Flüchtlingshilfe begrüsse die Idee, mittels einer Demonstration auf die Zustände aufmerksam zu machen, sagt Meier.

Nicht vorgeschrieben, ob es ein Fenster haben muss

Das Staatssekretariat für Migration relativiert die Vorwürfe. «Natürlich ist das Asylzentrum am Flughafen ein etwas spezieller Aufenthaltsort für Asylsuchende, aber diesen Personen wurde die Einreise in die Schweiz verwehrt», sagt SEM-Sprecher Lukas Rieder. Der Sinn sei nicht, Asylsuchende auf längere Sicht im Transitbereich festzuhalten. «Nützen sie aber alle ihre rechtlichen Mittel, kann sich ihr Aufenthalt in die Länge ziehen», erklärt Rieder.

Nur der Ablauf eines Asylverfahrens am Flughafen sei gesetzlich klar geregelt. Gesetzliche Vorschriften, die die Verhältnisse von Asylzentren festhalten, gebe es nicht. Es sei etwa nicht vorgeschrieben, wie gross ein Raum sein müsse oder ob er ein Fenster haben soll.

Ein Spielparadies, Playstations und Computerspiele

Das SEM betont: Alle Asylunterkünfte – auch die im Transitbereich des Flughafens – würden regelmässig durch unabhängige Kommissionen wie der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter oder dem UNHCR überprüft. Zudem gebe es neben einem Familienzimmer mit zehn Betten einen Aufenthaltsraum mit TV, eine Küche, ein Spielzimmer für Kinder, ein Nähatelier für die Freizeitbeschäftigung sowie gleich nebenan einen Töggelikasten. «Es ist nicht wie im Hotel – die Integrität und Sicherheit der Migranten sind aber jederzeit gewährleistet», so Rieder.

Das Transitzentrum wird von der Asyl-Organisation Zürich (AOZ) geführt. Auch dort verweist man auf die Beschäftigungsmöglichkeiten: «Den festgehaltenen Familien mit Kindern stehen die ‹Family Services› des Flughafens Zürich-Kloten zur Verfügung», schreibt die AOZ auf ihrer Website. Laut dieser Beschreibung bietet der Flughafen für die Kinder mehr als «haftähnliche» Zustände: Das «grosszügige und helle Spielzimmer» verfüge auch über eine Playstation und Computerspiele. Zudem sei die Versorgung bei medizinischen Notfällen gewährleistet.

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