Flughafen Kloten: 70 Prozent Wachstum in 25 Jahren

Aktualisiert

Flughafen Kloten: 70 Prozent Wachstum in 25 Jahren

Vertreter von Bund, Flughafen und Kantonen beraten über die künftigen Rahmenbedingungen für den Zürcher Flughafen. Bereits in gut zehn Jahren braucht es eine zusätzliche Piste.

Grundlage dafür ist eine neue Studie, die von einem Wachstum des Luftverkehrs von 70 Prozent in den kommenden 25 Jahren ausgeht. Nachdem der erste Anlauf für den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt in einem Debakel endete, wollen es die Verantwortlichen diesmal besser machen. «Wir haben aus den Fehlern gelernt und schenken der Erarbeitung solider Grundlagen mehr Bedeutung», sagte Raymond Cron, Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) an einer Medienkonferenz am Mittwoch am Zürcher Flughafen. Das BAZL gab beim Münchner Büro Intraplan eine Studie zur künftigen Verkehrsentwicklung am Zürcher Flughafen in Auftrag.

Deren Resultate bergen einigen Zündstoff, wie Cron einräumte: Die Studie kommt zum Schluss, dass der Luftverkehr in Zürich selbst bei einem moderaten Wirtschaftswachstum in den nächsten 15 Jahren um 50 Prozent und in den nächsten 25 Jahren um 70 Prozent zunehmen wird. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die Zahl der Flugbewegungen von heute 266.000 auf 402.000 im Jahr 2020 und auf 450.000 im Jahr 2030 steigen wird. Um den Zusatzverkehr zu bewältigen, müsste bereits in gut zehn Jahren - beim Übersteigen von 350.000 Flugbewegungen - eine zusätzliche Piste gebaut werden.

Cron betonte, diese Eckwerte seien lediglich Richtgrössen und dürften nicht als Mindestanforderungen verstanden werden. Im SIL-Prozess würden auch betriebliche Varianten für den Zürcher Flughafen geprüft, die unter der Verkehrsprognose der Studie blieben und auf dem heutigen Pistensystem beruhten. Die Luftfahrtpolitik des Bundes orientiere sich zwar an der Entwicklung der Nachfrage, fordere aber auch Nachhaltigkeit ein, sagte Cron.

Die Studie und weitere Grundlagen für den neuen SIL-Prozess wurden bei einem ersten Koordinationsgespräch am Dienstag von den Vertretern des Bundes und des Flughafens sowie der Kantone Zürich, Aargau und Schaffhausen diskutiert. In zwei weiteren Gesprächsrunden sollen bis Ende 2006 die technischen Grundlagen für die Raumplanung um den Zürcher Flughafen erarbeitet werden. In der zweiten Phase ab 2007 soll dann das SIL-Objektblatt erstellt und schliesslich vom Bundesrat abgesegnet werden.

Erste Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Mit den bisherigen Arbeiten sei eine ausgezeichnete Basis geschaffen worden, sagte die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer. Die Chancen stünden gut, dass eine tragfähige Lösung für den künftigen Betrieb des Zürcher Flughafens befunden werde. Auch der Schaffhauser Regierungsrat Hans-Peter Lenherr lobte die Grundlagen. Es müsse aber genau geprüft werden, ob die von der Flughafenbetreiberin Unique verfolgten Wachstumspläne auch volkswirtschaftlich Sinn machten. Unique-Präsident Andreas Schmid sprach sich für eine nachfrageorientierte Luftfahrtpolitik aus. Die Mobilitätsbedürfnisse künftiger Generationen dürften nicht beeinträchtigt werden. (dapd)

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