Schweizer Luftraum gesperrt: Mega-Panne bei Skyguide – darum gibts keine Entschädigung für Passagiere
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Schweizer Luftraum gesperrtMega-Panne bei Skyguide – darum gibts keine Entschädigung für Passagiere

6400 Flugreisende konnten heute in Zürich und Genf wegen einer Störung der Flugsicherung nicht ankommen oder abfliegen. Wegen höherer Gewalt gibts kaum eine Entschädigung. Das müssen Passagiere jetzt wissen.

von
Marcel Urech
Fabian Pöschl
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Wegen einer Störung bei der Flugsicherung Skyguide lief am Mittwochmorgen über zwei Stunden lang nichts mehr an den Flughäfen Zürich und Genf.

Wegen einer Störung bei der Flugsicherung Skyguide lief am Mittwochmorgen über zwei Stunden lang nichts mehr an den Flughäfen Zürich und Genf.

Wikipedia/Petar Marjanovic/CC BY-SA 3.0
Laut einem Skyguide-Sprecher funktionierte eine Hardware-Komponente nicht mehr richtig, wodurch einige Systeme ausfielen.

Laut einem Skyguide-Sprecher funktionierte eine Hardware-Komponente nicht mehr richtig, wodurch einige Systeme ausfielen.

20min/Marco Zangger
6400 Flugreisende der Swiss konnten deshalb in Zürich und Genf nicht ankommen oder abfliegen.

6400 Flugreisende der Swiss konnten deshalb in Zürich und Genf nicht ankommen oder abfliegen.

20min/Community

Darum gehts

Am Mittwochmorgen lief an den Flughäfen in Zürich und Genf nichts mehr. Wegen eines Totalausfalls war der gesamte Schweizer Luftraum für etwas mehr als zwei Stunden gesperrt, zahlreiche Passagiere sassen fest.

Mittlerweile ist die Störung behoben. Kurz vor neun Uhr flog die erste Maschine wieder Zürich an, um zehn Uhr lief der Flughafen wieder mit 100 Prozent Kapazität. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Ausfall an den Flughäfen und sagt, was Passagiere jetzt beachten müssen.

  • Was ist passiert?

Ein Systemausfall bei der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide (siehe Box) führte dazu, dass keine Starts und Landungen mehr möglich waren. Laut einem Skyguide-Sprecher funktionierte eine Hardware-Komponente nicht mehr richtig, wodurch einige Systeme ausfielen. Ein Hackerangriff sei unwahrscheinlich.

Das ist Skyguide:

«Es scheint plausibel zu sein, dass Skyguide den Flugverkehr sofort gestoppt hat», sagt Philipp Hadorn, der Präsident der Gewerkschaft Sev-Gata, die das Bodenpersonal der Luftfahrt vertritt. Denn die Sicherheit der Passagiere gehe vor, sie dürfe zu keinem Zeitpunkt gefährdet sein, so Hadorn.

  • Wie kann ein Problem bei einer Hardware-Komponente zum Totalausfall führen?

Laut Skyguide kommunizieren die Systeme miteinander und tauschen Daten aus. Falle eines aus, führe das auch bei anderen zu Problemen. Aviatik-Experte Rene Puls von der Uni St. Gallen vermutet allerdings auf Anfrage, dass mehrere Komponenten ausgefallen sind. «Die Systeme sind normalerweise redundant, also doppelt abgesichert. Es müssen für einen solchen Ausfall gleich mehrere Ereignisse zusammentreffen», so Puls.

Gewerkschafts-Experte Hadorn betont, dass er keine voreiligen Schlüsse ziehen wolle, sagt aber auch: «Skyguide muss nun genau untersuchen, was zu diesem Ausfall geführt hat.» Das Unternehmen sei bundesnah, systemrelevant und habe die wichtige Aufgabe, den Luftraum zu überwachen – darum müsse man Skyguide auf die Finger schauen.

  • Wie gross ist der Schaden?

Laut Skyguide ist es noch zu früh, den Schaden beziffern zu können, dieser werde aber beträchtlich sein. Gemäss Aviatik-Experte Puls ist der Schaden für die Flughäfen nicht so gross wie für die Airlines. Die Flughäfen hätten weiterhin ihre Grundeinnahmen, aber die Airlines bräuchten jetzt etwas mehr Zeit bis zum Normalbetrieb.

  • Wie kann Skyguide solche Probleme künftig verhindern?

IT-Pannen gebe es zwar immer wieder, in der Luftfahrt müssten die Sicherheitsvorkehrungen aber besonders hoch sein, sagt Hadorn, der als Parlamentarier auch Mitglied der Aufsichtskommission über Skyguide ist. Dass vernetzte Systeme anfällig sein können, sei schon lange bekannt. Abhilfe schaffen könnte womöglich eine vertiefte Zusammenarbeit mit anderen Flughäfen in Europa, so Hadorn.

  • Was müssen Flugreisende beachten?

Wann wieder Normalbetrieb herrscht, ist laut Skyguide schwer zu sagen. Der Flughafen Zürich empfiehlt auf Anfrage, die Fluginformationen der Airlines zu beachten. Die Swiss rechnet damit, dass sie im Laufe des Tages wieder Normalbetrieb hat, es könne aber noch zu Unregelmässigkeiten kommen. Die Airline strich rund 30 Kurzstreckenflüge, von denen rund 6400 Fluggäste betroffen sind.

  • Gibts Entschädigung?

Nur einen Ersatzflug, aber keine Entschädigungszahlungen für die Verspätung. Ein Swiss-Sprecher erklärt, dass es sich bei dem Systemausfall um einen ausserordentlichen Umstand handelte. Die Swiss übernehme aber Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Telefonkosten, die Hotelübernachtung bei längeren Verspätungen und den Transfer zum Hotel. 

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