Patrouille Suisse: «Flugshows sind ein Relikt aus dem Kalten Krieg»
Aktualisiert

Patrouille Suisse«Flugshows sind ein Relikt aus dem Kalten Krieg»

Der Absturz eines Jets befeuert die Diskussion um die Zukunft der Patrouille Suisse. 20 Minuten gibt einem Fan und einer Gegnerin das Wort.

von
D. Waldmeier
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Zwei F-5-Tiger über den Berner Alpen: Gegründet wurde die Patrouille Suisse 1964. Sie blieb 52 Jahre lang ohne schweren Unfall.

Zwei F-5-Tiger über den Berner Alpen: Gegründet wurde die Patrouille Suisse 1964. Sie blieb 52 Jahre lang ohne schweren Unfall.

Keystone/Fabrice Coffrini
Am Donnerstag, 9. Juni, endete der Mythos: Schwarzer Rauch über Leeuwarden, wo eine F-5 der Patrouille Suisse abgestürzt ist.

Am Donnerstag, 9. Juni, endete der Mythos: Schwarzer Rauch über Leeuwarden, wo eine F-5 der Patrouille Suisse abgestürzt ist.

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Absturzstelle in Leeuwarden nahe eines Gewächshauses: Zwei Jets der Patrouille Suisse haben sich während eines Trainingsfluges in den Niederlanden berührt.

Absturzstelle in Leeuwarden nahe eines Gewächshauses: Zwei Jets der Patrouille Suisse haben sich während eines Trainingsfluges in den Niederlanden berührt.

Keystone

52 Jahre lang blieb die Patrouille Suisse ohne schweren Unfall. Der Mythos endete am Donnerstag bei einem Trainingsflug in den Niederlanden: Nach einer Berührung mit einem anderen Jet stürzte ein F-5-Tiger ab – der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.

Obwohl der Unfall glimpflich ausging, befeuert er die Diskussion um die Zukunft der Patrouille Suisse. Die Frage stellt sich spätestens dann, wenn die Armee die alten Tiger-Jets ausmustert. Bereits 2013 hatte der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer das Ende der Kunstflugstaffel angekündigt. Die Pläne wurden nach Protesten aber wieder auf Eis gelegt.

Braucht es die Patrouille Suisse überhaupt noch? Eine Carte blanche für zwei Sicherheitspolitiker.

Pro: SVP-Nationalrat Thomas Hurter

«Es gibt keinen Grund, jetzt über die Zukunft der Patrouille Suisse zu diskutieren. Der Unfall in Holland war einfach Pech und man sollte jetzt nicht die Leistung der Staffel schmälern, die 52 Jahre lang unfallfrei war. Die Patrouille Suisse ist einmalig: Sie zeigt mit einem Jet, den die Luftwaffe tagtäglich im normalen Einsatz hat, eine faszinierende Präzision und Teamarbeit in Perfektion. Das ist cool und begeistert die Leute.

Die Staffel ist eine grossartige Botschafterin für die Schweiz und die Armee. Dabei ist sie auch typisch schweizerisch: Die Manöver sind schön geflogen, ohne dass das Risiko überborden würde. Und sie kostet sie nicht einmal viel Geld, weil die Piloten der Armee ohnehin auf ihre Flugstunden kommen müssen. Wer gegen Kampfjets ist, ist wohl auch gegen die Patrouille Suisse. Aber ich hoffe, dass wir noch lange eine Kunstflugstaffel haben werden.»

Contra: SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf

«Für mich sind Flugshows ein Relikt aus der Zeit des Kalten Kriegs, als man so militärische Stärke demonstrieren wollte. Ich bin mir bewusst: Die Patrouille Suisse ist eine heilige Kuh, mit der viele Schweizerinnen und Schweizer emotional verbunden sind. Aber spätestens wenn die Tiger-Jets ausser Betrieb genommen werden, müssen wir uns überlegen, ob wir den alten Zopf nicht abschneiden wollen – wie es ja sogar Ueli Maurer vorgeschlagen hatte.

Gewiss, die Piloten haben grossartige Fähigkeiten, aber ein Restrisiko bleibt. Beim Absturz in Holland hatten wir Glück, dass es kein Wohnhaus und auch keine Menschenmenge traf. Piloten und Zuschauer werden unnötigen Risiken ausgesetzt. Wir sollten aufhören, das Schicksal derart herauszufordern. Im Übrigen kann sich die neutrale Schweiz mittels einer aktiven Friedenspolitik viel besser vermarkten als durch Alteisen.»

Die Flugshow an der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels:

Zwei Untersuchungen zum Unfall

Zum Absturz des Tiger-Kampfjets der Patrouille Suisse gibt es zwei Untersuchungen. Eine Untersuchung führt die Schweizer Militärjustiz. Die niederländischen Behörden führen ausserdem eine Flugsicherheitsuntersuchung.

Die Schweizer trafen am Freitagvormittag an der Unglücksstelle ein, wie Tobias Kühne, Sprecher der Militärjustiz, sagte. Die Niederländer hätten bereits zuvor mit der Beweissicherung begonnen. Inzwischen arbeiteten die beiden Teams zusammen.

Rückkehr geplant

Das Schweizer Team besteht aus 13 Personen, wie eine Sprecherin der Luftwaffe ausführte. Dazu gehören zwei Untersuchungsrichter der Militärjustiz und ein zweiköpfiges Care Team. Dieses sollte sich um die Piloten und deren Angehörige kümmern. Die beiden in den Unfall involvierten Piloten seien von den Niederländern einvernommen worden, sagte der Sprecher der Militärjustiz.

Die Untersuchungsrichter der Schweizer Militärjustiz befragten sie am Freitagnachmittag. Laut Kühne war geplant, dass sie noch am Freitagabend in die Schweiz zurückkehren sollten. Dem verletzten Piloten gehe es den Umständen entsprechend gut. Er sei einvernahmefähig gewesen. (SDA)

Was kostet die Patrouille Suisse?

Die Armee macht keine Angaben, was die Vorführungen der Patrouille Suisse genau kosten, da keine gesonderte Rechnung geführt werde. «Die Vorführungen sind im ordentlichen Flugstundenbudget der Luftwaffe einkalkuliert, da es sich dabei um normale Trainingsstunden für die entsprechenden Piloten handelt», schreibt Armeesprecher Walter Frik an 20 Minuten. Eine Flugstunde mit F-5 kostet rund 19'000 Franken. 2008 hatte ein Nationalrat in einer Interpellation den effektiven jährlichen Zusatzaufwand auf 160'000 bis 180'000 Franken beziffert.

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