Aschewolke wird dünner: Flugverbote in Europa werden gelockert
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Aschewolke wird dünnerFlugverbote in Europa werden gelockert

Bald steigen wieder mehr Flugzeuge in den Himmel. Die in Europa geltenden Flugverbote wegen der Aschewolke werden gelockert.

Die in Europa geltenden Flugverbote wegen der Vulkanaschewolke aus Island werden gelockert. Der Luftraum soll nur noch dort gesperrt bleiben, wo eine bestimmte Konzentration der Aschewolke überschritten wird. Darauf einigten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten.

«Von morgen früh an werden mehr Flugzeuge in der Luft sein», sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Montag in Brüssel. Die Ressortchefs waren am Nachmittag zu einer Videokonferenz über die Folgen des Vulkanausbruchs auf Island zusammengeschaltet worden.

Bundesrat Moritz Leuenberger, der wegen Gesprächen über den Schienenverkehr in Brüssel weilte, konnte so ebenfalls an der Konferenz teilnehmen.

Der Luftraum über Europa wird laut Kallas in drei Zonen eingeteilt: In der ersten gilt ein absolutes Flugverbot, in der zweiten können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und im dritten Bereich ohne Asche-Gefahr ist das Fliegen unbegrenzt erlaubt. Entscheidendes Kriterium werden Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein.

Kallas kündigte ausserdem an, dass die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol bis Dienstag 8.00 Uhr entscheiden werde, wo die Zonen verlaufen und welche Daten dafür ausschlaggebend sind.

Aus Sicherheitsgründen sei es möglich, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen. Die Flugverbote waren damit begründet worden, dass Vulkanasche die Triebwerke zum Stillstand bringen und die Sicht behindern könne.

Lockerung in Deutschland

Deutschland lockerte sein Flugverbot bereits am Montagabend; die Flughäfen sollten allerdings bis 2 Uhr am Dienstagmorgen geschlossen bleiben. So wollte die Deutsche Lufthansa mit Ausnahmegenehmigungen 15'000 Passagiere nach Deutschland zurückholen.

Grossbritannien und Frankreich wollten ihren Luftraum am Dienstag ebenfalls schrittweise wieder öffnen.

Die Vulkanasche aus Island sorgte am Montag in der Schweiz und in Europa noch einmal für riesige Probleme: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verlängerte die Sperrung des Schweizer Luftraums um weitere 18 Stunden bis Dienstagmorgen um 8 Uhr.

80 Stunden am Boden

Bis dann stehen die Flugzeuge der Swiss und die anderen in der Schweiz gestrandeten Maschinen schon 80 Stunden am Boden. Die Swiss kündigte an, dass sie ihre Flugzeuge vorerst bis mindestens 10 Uhr am Dienstagmorgen nicht in die Luft schicken werde.

Die Swiss musste allein am Montag rund 400 Flüge mit rund 42'000 Buchungen stornieren. Seit den ersten Flugraumsperrungen in Europa am Donnerstag waren bei der Schweizer Fluggesellschaft rund 170'000 Buchungen betroffen. Auf den drei grossen Schweizer Flughäfen Zürich, Genf und Basel-Mulhouse fielen am Montag weit über 1000 Flüge aus.

Am Montagnachmittag liessen die Swiss einen Airbus A319 und die Schweizer Luftwaffe einen Tiger, einen Super-Puma-Helikopter und einen Pilatus-Porter zu Testzwecken in den Himmel steigen.

Grössere Verluste als durch 9/11

Die Fluggesellschaften verlieren laut der Internationalen Luftfahrtvereinigung IATA jeden Tag mindestens 200 Millionen Dollar wegen der Flugverbote.

Hinzu kämen Ausgaben etwa für die Entschädigung von Passagieren und für den Treibstoff zur Verlegung leerer Flugzeuge. Damit trifft die Aschewolke aus Island den weltweiten Flugverkehr härter als die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Die EU-Kommission zeigte sich grundsätzlich bereit, Staatshilfen für Fluggesellschaften zu erlauben, die unter den Folgen des Vulkanausbruchs leiden. Die Kommission könnte zu dem Zweck eine Regelung wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 anwenden. (sda)

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