Saubere Sache: Flugzeuge heben bald mit CO₂ ab
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Saubere SacheFlugzeuge heben bald mit CO₂ ab

In einem visionären Projekt wird aus CO₂ Flugzeugtreibstoff gewonnen. Hinter der Idee steckt ein Schweizer Unternehmen, das sich der Umkehr des Klimawandels verschrieben hat.

von
Jan Graber
CO₂ als Treibstoff: Flugzeuge könnten bald mit einem Teil des Kohlendioxids durchstarten, das sie selber produzieren.

CO₂ als Treibstoff: Flugzeuge könnten bald mit einem Teil des Kohlendioxids durchstarten, das sie selber produzieren.

Flughafen Zürich

Darum gehts

  • Das Projekt Zenid stellt aus CO₂ Kerosin her

  • Damit sinkt der Ressourceverbrauch bedeutend

  • Entwickelt wurde die Technologie von einem Schweizer Unternehmen

  • Die Investitionskosten sind derzeit noch hoch

Es klingt ein wenig wie das berühmte Perpetuum Mobile – die Wundermaschine, die sich mit derselben Energie versorgt, die sie produziert und deshalb endlos läuft. Natürlich ist ein solches Wunder aus physikalischen Gründen nicht möglich. Möglich aber ist ein Projekt, das dem ziemlich nahekommt und den Namen Zenid trägt. Zenid soll mit CO₂ und Wasser, das aus der Luft gefiltert wird, Flugzeugtreibstoff herstellen. Was hinten bei der Düse rauskommt, landet schliesslich also wieder im Tank. Oder anders formuliert: Die Luft, die uns umgibt, wird zum Rohstoff für die Treibstoffherstellung.

Zenid basiert auf einer Technologie, die vom Schweizer Unternehmen Climeworks entwickelt wurde. Die Firma mit Sitz in Zürich-Oerlikon baut Anlagen, die CO₂ aus der Luft filtern und das gewonnene Kohlenstoffdioxid entweder für die Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen oder unterirdisch speichern. «Mit Zenid wollen wir zeigen, dass es möglich ist, mit Hilfe von CO₂ Treibstoffe herzustellen», sagt Daniel Egger, Verkaufsleiter von Climeworks. Dafür hat sich das Unternehmen mit Partnern wie dem Flughafen Rotterdam zusammengetan, wo derzeit eine Versuchsanlage entsteht. «Im kleinen Rahmen konnten wir schon beweisen, dass die Technologie funktioniert», sagt Egger. Am Flughafen werde nun eine Demonstrationsanlage gebaut, die zeigen soll, dass der Gewinn von Treibstoff auch im grossen Massstab möglich ist.

Firmengründung wegen Klimaschock

Das Schweizer Unternehmen Climeworks wurde 2009 von den ETH-Doktoranden Christoph Gebald und Jan Wurzbacher gegründet. Als Bergliebhaber waren die beiden Studienkollegen schockiert vom Rückzug der Gletscher und dem sichtbaren Klimawandel. Mittlerweile hat Climeworks 130 Mitarbeitende und betreibt 14 Anlagen. In Island wird die Anlage «Orca» jährlich 4000 Tonnen CO₂ aus der Luft filtern. Eine Anlage bei Coca Cola in Hinwil nutzt das gewonnene CO₂ für die Kohlensäure in den Sprudelgetränken.

Besser als herkömmliches Benzin

Doch wie gewinnt man Treibstoff aus Luft? «Wir kehren einfach den Prozess der Treibstoffverbrennung um», sagt Egger. Beim Verbrennen von Benzin entsteht Energie, CO₂ und Wasser. Die Anlage von Climeworks filtert dazu das CO₂ aus der Luft. Mittels erneuerbarer Energie wird dieses CO₂ und Wasser über chemische Prozesse zu langkettige Kohlenwasserstoff-Moleküle zusammengefügt, die als synthetischer Ersatz von Rohöl dienen, der wiederum zu Treibstoff verarbeitet wird. «Für einen Liter Treibstoff brauchen wir etwa drei Kilogramm CO₂», erklärt der Verkaufsleiter. «Der Prozess ist sehr sauber», sagt Egger, es entstehe kein Abfall. Auch die verwendete Energie stamme aus erneuerbaren Quellen. Das auf diese Weise hergestellte Kerosin sei zudem sauberer, als herkömmlicher Treibstoff und weise sogar einen etwas besseren Brennwert auf.

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Die doktorierten ETH-Studienkollegen Christoph Gebald und Jan Wurzbacher haben 2009 das Unternehmen Climeworks gegründet.

Die doktorierten ETH-Studienkollegen Christoph Gebald und Jan Wurzbacher haben 2009 das Unternehmen Climeworks gegründet.

Julia Dunlop
Kohlensäure aus CO₂: Anlagen, wie diejenige von Coca-Cola in Hinwil, liefern das CO₂ fürs «Blötterliwasser».

Kohlensäure aus CO₂: Anlagen, wie diejenige von Coca-Cola in Hinwil, liefern das CO₂ fürs «Blötterliwasser».

Climeworks
Die Anlage «Orca» in Island filtert rund 4000 Tonnen CO₂ pro Jahr aus der Luft.

Die Anlage «Orca» in Island filtert rund 4000 Tonnen CO₂ pro Jahr aus der Luft.

Climeworks

Noch sind aber nicht alle Hürden genommen: Die grösste Herausforderung sind die Kosten, sagt Egger. Die Installationen sind aktuell noch sehr teuer. Deshalb seien Projekte wie diese auf Fördergelder und risikobereite Kapitalgeber angewiesen. Die Chancen auf Erfolg seien aber hoch, sagt Egger. Als Nutzer sieht Egger vor allem die Luft- und die Schifffahrt, allenfalls Nischenbereiche beim rollenden Verkehr.

Es gehe auch darum, die Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln, sagt der Climeworks-Verkaufsleiter. Um den Klimawandel zu stoppen, müsse der Ressourcenverbrauch gesenkt werden. «In zirkulären Technologien liegt die Zukunft», ist er überzeugt. Was uns einen Schritt näher ans Perpetuum Mobile bringt.

Selber CO₂ reduzieren

Climeworks bietet auf ihrer Website die Möglichkeit an, das Entfernen von CO₂ aus der Luft mitzufinanzieren. Acht Franken pro Monat ermöglichten beispielsweise das Entfernen von 85 Kilogramm CO₂ pro Jahr. Für 55 Franken monatlich werden 600 Kilogramm CO₂ jährlich gewaschen. Mit dem Geld sollen die Betriebskosten der CO₂-Filteranlagen gedeckt werden.

Deine Meinung

176 Kommentare
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Mega Forschung 2

05.04.2021, 01:22

Einführung aber über Star Alliance oder weltweit, sonst Wettbewerbsverzerrung!

Alle Klimapolitikvertreter

05.04.2021, 01:16

geht ohne Traktor Kartoffeln ernten für 7000000 CH Bürger

Mega Forschung

05.04.2021, 01:12

Dieses CO2-Kerosin bedeutet Nachhaltigkeit, ohne das Fliegen zu verbieten und ohne Abgaben in einen Klimafond wo Politiker streiten was mit den Fondabgaben gemacht werden soll! Beim teureren Flugpreis ist die CO2-Abgabe ohne Bürokratie schon integriert! Bravo an die Forschung.