Aktualisiert 16.08.2010 13:53

PakistanFlut nimmt 20 Millionen ihr Zuhause

Es wird immer schlimmer: Die Fluten in Pakistan haben nach Angaben der Regierung unglaubliche 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht.

Viel mehr Menschen als befürchtet verlieren durch die heftigsten Regenfälle seit Menschengedenken ihr Heim: 20 Millionen Pakistanerinnen und Pakistaner sollen nun schon betroffen sein. Wegen der Katastrophe wurden die Zeremonien für den Nationalfeiertag abgesagt. Nach ersten Cholera-Meldungen sehen Helfer noch keine Anzeichen für eine Epidemie. Entwarnung geben sie aber auch nicht.

«Sintflutartige Regenfälle und verheerende Fluten haben 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht», sagte Premierminister Yousuf Raza Gilani in einer Fernsehansprache zum Unabhängigkeitstag. Die Vereinten Nationen gingen von 14 Millionen Betroffenen aus, von denen sechs Millionen dringend Hilfe benötigten.

Das Hochwasser habe Ernte und Lebensmittel im Wert von mehreren Milliarden Dollar vernichtet, sagte Gilani. Brücken und Strassen seien fortgespült worden. Die Fluten hätten Infrastruktur zur Kommunikation und zur Energieversorgung zerstört.

Immer mehr Opfer

Bei dem Hochwasser wurden nach Gilanis Angaben 1384 Menschen getötet und 1630 weitere Menschen verletzt. Mehr als 1000 Menschen starben alleine in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. 730 000 Häuser seien durch das Hochwasser zerstört worden.

Gilani rief das Ausland dazu auf, Pakistan «eine helfende Hand zu reichen, um dieses Unglück zu bekämpfen». Die Spendenbereitschaft könnte allerdings durch einen mutmasslichen Skandal um veruntreute Hilfsgelder leiden.

Skandal belastet Spendenfreudigkeit zusätzlich

Die britische Zeitung «Daily Telegraph» berichtete unter Berufung auf «ranghohe Vertreter», dass nach dem schweren Erdbeben vor fünf Jahren in Pakistan umgerechnet 367 Millionen Euro an Hilfsgeldern veruntreut worden seien. Die Finanzmittel seien bis heute nicht in die Kassen der für den Wiederaufbau betrauten Behörde ERRA geflossen.

In der Bevölkerung macht sich unterdessen immer mehr Wut auf die Regierung breit. Die Gefahr von sozialen Unruhen steigt. Betroffene werfen der Regierung vor, auf die Krise zu langsam reagiert zu haben. Die Opfer sind weitgehend auf Hilfe des Militärs und ausländischer Hilfsorganisationen angewiesen.

Keine Nationalfeier

Am Samstag wurde UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon in Pakistan erwartet. Seine Ankunft in Islamabad war für den Abend geplant. Am Sonntag wollte Ban dann mit Regierungsvertretern zusammenkommen und das Katastrophengebiet besuchen.

Wegen der Flutkatastrophe beging Pakistan den 63. Jahrestag der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft ohne offizielle Feierlichkeiten. Präsident Asif Ali Zardari und das Militär sagten die Zeremonien für den Nationalfeiertag am Samstag ab.

Zardari wollte stattdessen Flutopfer in den Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa besuchen. Die Armee wollte die Mittel, die für die Feierlichkeiten vorgesehen waren, Opfern der Katastrophe spenden.

Seuchenlage unklar

Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» sieht derzeit noch keine Anzeichen für eine Cholera-Epidemie in den überfluteten Gebieten Pakistans. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh. Viele Gebiete seien noch gar nicht zugänglich.

Im nordpakistanischen Swat-Tal war am Freitag nach Angaben der Hilfsorganisation Malteser International der erste Fall von Cholera bestätigt worden.

Die Zeitung «Dawn» berichtete am Samstag, Plünderer hätten am Vortag in der zentralpakistanischen Provinz Punjab Fahrzeuge angegriffen, die Hilfsgüter in den Katastrophenbezirk Muzaffargarh bringen wollten. Meteorologen sagten unterdessen vereinzelte, teilweise aber schwere Regenfälle in den kommenden Tagen voraus. (sda)

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