Nach Vorwürfen in Bern: Flyer für Dunkelhäutige für Umgang mit der Polizei
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Nach Vorwürfen in BernFlyer für Dunkelhäutige für Umgang mit der Polizei

Weil sich Dunkelhäutige bei Polizeikontrollen diskriminiert fühlten, hat eine Organisation zusammen mit der Kapo Flyer entworfen. Das erfolgreiche Projekt soll nach Biel expandieren.

von
Mira Weingartner
Der Flyer soll bei Polizeikontrollen hilfreich sein.

Der Flyer soll bei Polizeikontrollen hilfreich sein.

Die Kantonspolizei Bern sieht sich immer wieder mit Diskriminierungs-Vorwürfen konfrontiert: So erhoben ein junger Teilnehmer einer Demonstration oder eine Familie aus Bümpliz erst kürzlich schwere Vorwürfe gegen die hiesigen Ordnungshüter, sie seien ungerecht behandelt worden.

Auch der 16-jährige J.* aus der Region Thun fühlt sich von der Polizei ungerecht behandelt: Als der junge Schweizer mit afrikanischen Wurzeln vergangene Woche mit Freunden in Spiez unterwegs war, wurde er von Polizisten angehalten – als Einziger der Gruppe musste er seinen Ausweis zeigen und die Taschen leeren. Er sei respektlos behandelt worden, so der Jugendliche. Konkret vorwerfen können sich die beiden Parteien im Nachhinein gegenseitig nichts – ein ungutes Gefühl ist dennoch hängen geblieben.

«Die Beziehung zwischen Polizisten und Dunkelhäutigen ist oft gereizt», sagt Issa Abdullahi, Präsident des Swiss African Forums zu 20 Minuten. Ein Einzelfall sei die «misslungene Kontrolle» am Spiezer Bahnhof keineswegs.

Grund dafür sei das fehlende Wissen über Recht und Pflicht, meint die Kantonspolizei. «Dies führte nicht selten zu Diskussionen oder gar Verweigerung der Kontrollen. So entstand für die Betroffenen der Eindruck, dass sie lediglich auf Grund ihrer Hautfarbe kontrolliert worden waren», sagt Kapo-Mediensprecher Andreas Marthaler.

Ein simpler Flyer soll für beide Seiten nun Klarheit schaffen. Diesen kann die kontrollierte Person im Bedarfsfall zücken. Marthaler: «Eine Sensibilisierung zum Verhalten kann in einer angespannten Situation hilfreich sein.» Auf der Visitenkarte fürs Portemonnaie wurden Verhaltensregeln für Polizisten wie auch für die angehaltene Person notiert. Ein Muss für den Kontrollierten sei es etwa, den polizeilichen Anweisungen Folge leisten soll. Für Polizisten steht beispielsweise notiert: «Jede Massnahme muss zielführend, erforderlich und angemessen sein.»

Zusammenarbeit zeigt Wirkung

Der Flyer ist ein Produkt der Zusammenarbeit zwischen der Berner Fachstelle gggfon.ch, der sich gegen Rassismus einsetzt, der Kantonspolizei Bern und dem Swiss African Forum. Die Aktion ist ein Erfolg: «Wir ernten durchwegs positives Feedback», so Annette Lüthi von gggfon.ch. «Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist die Kapo nun sehr empfänglich für unseren Austausch.» Dazu Marthaler: «Der Kantonspolizei Bern ist es immer ein Anliegen, dass Polizeikontrollen friedlich verlaufen.»

So haben auch in Biel vergangene Woche die ersten Gespräche zwischen den dort stationierten Patrouillen und dem Multimondo begonnen, dem Kompetenzzentrum für die Integration der Migranten in der Region Biel – Seeland – Berner Jura.

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