Miese Löhne und grössere Einkommensschere - Fördert die Pandemie Missstände bei den Jobs?
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Miese Löhne und grössere EinkommensschereFördert die Pandemie Missstände bei den Jobs?

Die Pandemie hat mehr prekäre Jobs mit tiefem Einkommen hervorgebracht. Die Gewerkschaften wollen dagegen ankämpfen. Sie wollen einen Mindestlohn von 22 Franken für die in der Krise besonders gefragten Kuriere.

von
Fabian Pöschl
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Durch die Shutdown-Massnahmen entstanden mehr prekäre Jobs mit tiefem Lohn.

Durch die Shutdown-Massnahmen entstanden mehr prekäre Jobs mit tiefem Lohn.

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«Die neuen Stellen entstehen im unregulierten Bereich: Das sind die Temporärangestellten, Subunternehmen, Scheinselbstständigen», sagte Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft Syndicom an einer Medienkonferenz am Dienstag.

«Die neuen Stellen entstehen im unregulierten Bereich: Das sind die Temporärangestellten, Subunternehmen, Scheinselbstständigen», sagte Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft Syndicom an einer Medienkonferenz am Dienstag.

AFP
Die Kuriere sind laut dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) mit Ausbeutung konfrontiert.

Die Kuriere sind laut dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) mit Ausbeutung konfrontiert.

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Darum gehts

  • Die Einkommensschere hat sich in der Krise weiter geöffnet.

  • Vor allem junge und ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind betroffen.

  • Kuriere und Angestellte im Onlinehandel leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen.

In der Corona-Krise hat sich die Lage für zahlreiche Arbeitnehmer verdüstert. Durch die Shutdown-Massnahmen entstanden mehr prekäre Jobs mit tiefem Lohn und die Einkommensschere hat sich weiter geöffnet, warnt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in einer Mitteilung.

Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit hätten zu schmerzhaften Einkommenseinbussen geführt. An einer Medienkonferenz am Dienstag sagte SGB-Vizepräsidentin Vania Alleva, die untersten Einkommensklassen bis 4000 Franken hätten rund 300 Franken pro Monat weniger Einkommen. Die Besserverdienenden könnten aber im Homeoffice das Mittagessen sparen und hätten deshalb mehrere hundert Franken mehr pro Monat zur Verfügung.

100 Prozent Lohnersatz in der Kurzarbeit

Zudem seien erkämpfte Mindeststandards durch den Boom bei den Essenslieferungen über Kuriere oder den Onlinehandel wieder umgangen worden. «Die neuen Stellen entstehen im unregulierten Bereich: Das sind die Temporärangestellten, Subunternehmen, Scheinselbstständigen», sagt Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft Syndicom.

Die Kuriere sind laut SGB-Vizepräsidentin Vania Alleva mit Ausbeutung konfrontiert. 14-Stunden-Tage, 3600 Franken Lohn, unbezahlte Überstunden, Stress und Ausbeutung seien die Regel. Zeit für Pausen gebe es nicht. «Jeder Schritt wird erfasst, nur die Arbeitszeit nicht», so Alleva. Aber auch die unteren Einkommen im Gastro- oder Fitnessgewerbe würden zusätzlich unter substanziellen Einkommenseinbussen leiden.

Die Gewerkschaft und der SGB fordern deshalb ausser 100 Prozent Lohnersatz in der Kurzarbeit auch allgemeinverbindliche Gesamtarbeitsverträge, um die soziale Spaltung zu bekämpfen. Weiter fordern die Arbeitnehmervertreter einen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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