Aktualisiert 23.08.2005 05:09

«Fötus-Möwe» gehört ausgestellt

Unwerwartet einhellig verlief am Montagabend eine öffentliche Expertendiskussion zum Berner Kunstskandal um das sogenannte «Foetus-Objekt».

Experten aus Kunst, Ethik und Recht befanden das umstrittene Exponat als unbedenklich.

Weder Gesetz noch Menschenwürde würden verletzt, war der Tenor. Das Objekt rege unter anderem das Nachdenken über unseren Umgang mit Geburt und Tod an. Dadurch, dass es eben nicht nur realistisch, sondern real sei, erschrecke es auf eine erkenntnisfördernde Weise. Allenfalls wäre ein etwas pietätvollere Präsentationsweise angebracht, wurde empfohlen.

Das Streitobjekt ist ein vom chinesischen Künstler Xiao Yu aus einem Möwenkörper und dem Kopf eines menschlichen Foetus geschaffenen, in Formalin eingelegtes Fabelwesen. Es ist eines von sechs in Gläsern präsentierten Fantasie-Präparaten, die zusammen die Installation «Ruan» bilden.

Am Montagnachmittag hatte der Berner Untersuchungsrichter bereits beschlossen, auf den Antrag, das Exponat aus der Ausstellung «Mahjong» einzuziehen, nicht einzutreten. Der Entscheid, ob das vorsorglich entfernte Objekt wieder in die Ausstellung integriert werde, werde in den nächsten Tagen von den Museumsverantwortlichen gefällt, erläuterte Matthias Frehner, Direktor Kunstmuseum, zu Beginn des Symposiums.

Overkill

Eröffnet wurde die Diskussion durch den Walliser Historiker und Blog-Journalisten Adrien de Riedmatten. Er erklärte noch einmal, warum er das Kunstmuseum, den Schöpfer des Objekts und den Besitzer der Kunstsammlung unter anderem wegen Störung des Totenfriedens angezeigt hatte: Die Herkunft des Foetus - eines medizinischen Präparates aus den 60er Jahren - sei noch immer nicht geklärt. Ausserdem habe es Besucher traumatisiert.

Nachdem Kurator Bernhard Fibicher kurz ähnliche Fälle vorgestellt hatte - von christlichen Reliquien bis zum Bozener Ötzi- diskutierten unter anderen die Philosophin Ursula Pia Jauch, die Theologin Irene Neubauer, Beat Sitter-Liver von der Eidg. Ethikkommission sowie Peter Studer, Jurist und Präsident des Schweizer Presserates.

Letzterer richtete leichte Kritik an die Museumsverantwortlichen: Ihre Gegenklage gegen de Riedmatten wegen «übler Nachrede» sei eine unnötige Überreaktion gewesen.

(sda)

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