NATO: Fogh Rasmussen will hoch hinaus

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NATOFogh Rasmussen will hoch hinaus

Die Zukunft von Anders Fogh Rasmussen entscheidet sich am Wochenende. Auf dem NATO-Gipfel in Baden-Baden und Strassburg wird sich herausstellen, ob der ehrgeizige dänische Ministerpräsident der neue Generalsekretär des Bündnisses wird.

Zittern muss Fogh Rasmussen noch um die Zustimmung der Türkei. Im einzigen muslimischen Mitgliedstaat der NATO ist er wegen der Mohammed-Karikaturen umstritten, die 2006 in einer dänischen Zeitung erschienen.

Zwar war der dänische Ministerpräsident für die Provokation nicht verantwortlich. Doch er verteidigte damals die Freiheit der Presse und lehnte es ab, sich für die Karikaturen zu entschuldigen - offenbar hat ihm dies die muslimische Welt bis heute nicht verziehen. Befürworter loben hingegen, dass Fogh Rasmussen damals dem massiven Druck, inklusive tätlicher Angriffe auf die Botschaften seines Landes, standhielt.

Unter den westlichen NATO-Staaten geniesst der 56-Jährige breite Unterstützung. Schon während der dänischen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2002 machte sich Fogh Rasmussen einen Namen als geschickter Verhandlungsführer, weil er die Beitrittsverträge mit acht osteuropäischen Staaten, Malta und Zypern unter Dach und Fach brachte. Auf Gefallen in der EU stiess auch, dass der dänische Ministerpräsident bei seinen widerstrebenden Landsleuten für die Einführung des Euro wirbt.

Rasmussen wollte schon als Kind hoch hinaus

Noch vor einem Jahr wurde Fogh Rasmussen denn auch für den Chefsessel der Europäischen Union gehandelt. Er soll sich damals sehr für den Posten des EU-Ratspräsidenten interessiert haben, der nach dem EU-Reformvertrag künftig nicht mehr alle sechs Monate wechseln, sondern für zweieinhalb Jahre im Amt bleiben soll. Nachdem der Reformvertrag aber von den Iren abgelehnt wurde, musste sich Fogh Rasmussen nach etwas anderem umschauen.

Die Nachfolge des scheidenden NATO-Generalsekretärs Jaap de Hoop Scheffer, dessen Amtszeit im Juli ausläuft, würde Fogh Rasmussen nun doch noch den langersehnten Umzug nach Brüssel ermöglichen. Der 56-Jährige, der am 22. März Grossvater wurde, wollte schon als Kind hoch hinaus: Im Alter von zwölf Jahren erfand er für sich und seine Freunde ein Brettspiel unter dem Titel «Gesellschaft» - er selbst spielte darin immer den Ministerpräsidenten. Inzwischen ist ihm Dänemark offenbar zu klein geworden.

Allerdings: Der Posten des NATO-Generalsekretärs ist nicht so glamourös, wie man meinen möchte. Seine Aufgabe besteht darin, das Tagesgeschäft im NATO-Hauptquartier zu leiten und die Sitzungen der Aussen- oder Verteidigungsminister sowie die Gipfeltreffen der NATO-Staats- und Regierungschefs vorzubereiten. Dort werden die eigentlichen Entscheidungen getroffen. Rasmussen wäre der erste Ministerpräsident, der aus dem Zirkel der Entscheidungsträger in die Rolle des Organisators wechselt. Dieser Abstieg von der Kommandobrücke in den Maschinenraum der NATO, warnen Insider, könnte der erfolgsverwöhnte Däne noch bereuen. (dapd)

Tagungsorte des NATO-Gipfels

Der NATO-Gipfel am 3. und 4. April ist der erste, der in zwei Ländern stattfindet. Das Jubiläumstreffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten findet an drei Orten in Deutschland und Frankreich statt.

STRASSBURG: Die Grossstadt im Elsass ist der eigentliche Veranstaltungsort der Konferenz, auf der das 60-jährige Bestehen des Verteidigungsbündnisses gefeiert wird. Die Diplomaten und Militärs tagen im modernen Kongresszentrum der Stadt, in der etwa 275 000 Menschen leben.

KEHL: Die badische Stadt Kehl liegt in direkter Nachbarschaft und ist nur durch den Rhein von Strassburg getrennt. Sie hat 35 000 Einwohner und sieht sich als «weltoffene Kleinstadt in der Mitte Europas». In Kehl selbst tagen aber die NATO-Diplomaten nicht. Die Idee, ein grosses Zelt in den Rheinwiesen aufzubauen, wurde schnell verworfen: Im Frühjahr gibt es dort regelmässig Überschwemmungen. Einziger Programmpunkt des Gipfels in Kehl ist ein Gruppenfoto auf der Rheinbrücke, die die Stadt mit Strassburg verbindet.

BADEN-BADEN Am Freitag finden in der Kurstadt bilaterale Treffen statt, so zwischen US-Präsident Barack Obama und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Am Abend essen die Delegationen im eleganten Kurhaus.

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