Aktualisiert 08.02.2018 17:17

Zürcher Stadtrat Folgt Jacqueline Badran auf Claudia Nielsen?

Wer soll den SP-Stadtrat-Sitz erben? Wie viel Geld kassiert Claudia Nielsen? Und was passiert mit den Stimmzetteln? Die wichtigsten Fragen zum Nielsen-Abgang.

von
som
1 / 6
Stadträtin Claudia Nielsen verkündete am Mittwoch, 7.Februar 2018, dass sie doch nicht für die kommenden Stadtratswahlen vom 4. März kandidieren werde.

Stadträtin Claudia Nielsen verkündete am Mittwoch, 7.Februar 2018, dass sie doch nicht für die kommenden Stadtratswahlen vom 4. März kandidieren werde.

Keystone/Walter Bieri
Der 4. Stadtratssitz der SP ist gefährdet. Allenfalls könnte ein politisches Schwergewicht wie Jacqueline Badran den Sitz retten. Ob sie Lust auf dieses Amt hat, war bisher nicht zu erfahren.

Der 4. Stadtratssitz der SP ist gefährdet. Allenfalls könnte ein politisches Schwergewicht wie Jacqueline Badran den Sitz retten. Ob sie Lust auf dieses Amt hat, war bisher nicht zu erfahren.

Keystone/Gaetan Bally
FDP-Kandidat Michael Baumer glaubt ebenfalls, dass es nun schwierig für die SP werde, eine mehrheitsfähige Kandidatin zu finden: «Wenn die Couverts bei den Stimmbürgern angekommen sind, ist es zu spät für eine Nomination.»

FDP-Kandidat Michael Baumer glaubt ebenfalls, dass es nun schwierig für die SP werde, eine mehrheitsfähige Kandidatin zu finden: «Wenn die Couverts bei den Stimmbürgern angekommen sind, ist es zu spät für eine Nomination.»

Claudia Nielsen (SP) zog am Mittwoch überraschend ihre Stadtratskandidatur zurück, was viele Fragen aufwirft. Hier die wichtigsten Antworten?

Was macht man in der SP nach ihrem Abgang?

Laut dem «Tages-Anzeiger» haben Corine Mauch, Raphael Golta und André Odermatt, Parteikollegen im Stadtrat, Nielsen zu überzeugen versucht, ihre Kandidatur nicht zurückzuziehen. Heute Donnerstag entscheidet die SP in einer Geschäftsleitungssitzung, wie es jetzt für sie weitergeht. Laut dem Politologen Louis Perron ist der vierte Sitz der Partei im Stadtrat akut gefährdet: «Die SP hat so kurz vor den Wahlen am 4. März keine Chance mehr, jemanden kurzfristig aufzubauen.»

Wird Jacqueline Badran für den Stadtrat kandidieren?

Um den Sitz so kurzfristig zu retten, bräuchte die SP wohl ein politisches Schwergewicht, sagt der Politologe Louis Perron: «Die Partei müsste der Bevölkerung dann über die sozialen Medien und Mund-zu-Mund-Propaganda klarmachen, diesen Namen zu wählen.» Eine solche Kandidatin wäre etwa die bekannte Nationalrätin Jacqueline Badran. Ob diese sich für dieses Amt interessiert, war bisher nicht zu erfahren. Möglich wäre auch, dass die SP die bereits aufgestellte, aber von der Partei nicht nominierte Juso-Kandidatin Nina Hüsser unterstützt. Oder sie nimmt den Sitzverlust hin, zugunsten der Grünen-Stadtratskandidatin Karin Rykart.

Was bedeutet ein Sitzverlust für die SP?

Kurzfristig wäre es für die SP nicht schön, einen Sitz zu verlieren, so Perron: «Mittelfristig könnte dies für die Partei aber eine Chance sein. Die SP ist in Zürich absolut dominant und hat versucht, ihre vier Sitze im Stadtrat durchzudrücken. Das wirkt nicht gut.» Nielsens Rücktritt sei wohl eine sehr persönliche Entscheidung, vermutet Perron: «Der Druck und die Kritik waren ihr wohl zu viel. Sie hat es wohl einfach nicht mehr ausgehalten und das kann man ihr ja auch nicht übel nehmen.» Ein schlechtes Licht könnte Nielsens Entscheidung auch auf Corine Mauch werfen, so Perron: «Sie hat ja ihre Parteikollegin immer unterstützt und verteidigt.»

Was passiert mit den Wahlzetteln?

Die Stadt muss trotz des überraschenden Rückzugs von Nielsen keine neuen Stimmcouverts verschicken, denn laut Stadtkanzlei-Sprecherin Christina Stücheli gibt es bei den Stadtratswahlen keine vorgedruckten Wahllisten. Der Wahlzettel enthält lediglich neun leere Linien, die man ausfüllen muss. «Stimmen für Claudia Nielsen sind immer noch gültig, so wie für jeden anderen Stadtzürcher auch.» Nielsen könnte theoretisch immer noch gewählt werden. Sehr wahrscheinlich würde sie die Wahl nicht mehr annehmen.

Was kassiert Nielsen nach ihrem Abgang?

Mit ihrer Abgangsentschädigung wird Nielsen wohl eine Weile leben können. Gemäss der städtischen Verordnung über Abgangsleistungen für Behördenmitglieder erhält sie 3,5-mal ihren Brutto-Jahreslohn. Das sind 856'656.50 Franken. Eine Million Franken hätte sie erhalten, wenn sie durch das Volk abgewählt worden wäre. Zum Vergleich: Ein Bundesrat hat bei einem Rücktritt nach mindestens vier Amtsjahren Anspruch auf eine Rente. Diese beträgt zurzeit jährlich 222'581.50 Franken, was 50 Prozent des Einkommens eines amtierenden Bundesrates entspricht.

Was für Chancen hat Nieslen auf dem Arbeitsmarkt?

Mit 56 Jahren ist es nicht leicht, in der Privatwirtschaft einen Job zu finden, sagt Headhunter Frank Zwicky, Schweiz-Chef des Executive-Search-Unternehmens IESF: «Erschwerend ist für Nielsen zudem, dass sie in den Medien in der Vergangenheit wegen ihres Führungsstils arg kritisiert wurde.» Hoffnungslos sei ihre Situation aber nicht: «Nielsen kann vielleicht von ihrem grossen Netzwerk profitieren, das sie sich in ihrer politischen und beruflichen Karriere erarbeitet hat.»

Stadträtin Nielsen tritt zurück

Nielsen zieht Kandidatur zurück

Nielsen begründet den Rückzug ihrer Kandidatur.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.