Aktualisiert 23.10.2003 07:24

Folter-KZs in Nordkorea

In Nordkorea sind bis zu 200 000 Menschen in Konzentrationslagern eingesperrt. Folter, Zwangsabtreibung und Kindstötung sind schrecklicher Alltag.

Wie das US-Komitee für Menschenrechte in Nordkorea am Mittwoch in seinem Bericht «Der verborgene Gulag - Enthüllungen zu Nordkoreas Gefangenenlagern» darlegt, sind in den Camps Folter, Zwangsabtreibungen und Hinrichtungen an der Tagesordnung.

Der Bericht wurde von einem früheren UNO-Menschenrechtsexperten, David Hawk, zusammengestellt. Hawk dokumentierte in der Vergangenheit auch den Völkermord der Roten Khmer in Kambodscha und die

Massaker in Ruanda.

Das Nordkorea-Dossier basiert nach den Angaben auf Gesprächen mit geflohenen Ex-Sträflingen und Lagerwachen. Zudem ist es mit Satellitenfotos angereichert.

Wegen Popsong verhaftet

Für eine Inhaftierung in einem der Lager reichen dem Bericht zufolge schon kleinste Vergehen. So sei das Schicksal von Häftlingen bekannt, die nur wegen unachtsamen Umgangs mit Fotografien von Staatschef Kim Jong Il und dessen verstorbenen Vaters Kim Il Sung eingesperrt worden seien.

Eine Frau habe einen südkoreanischen Popsong gesungen und sei deshalb inhaftiert worden. In den Lagern müssten tausende Gefangene bis zu ihrem Tod Zwangsarbeit verrichten.

Mit Handtuch erstickt

Besonders erschütternd sind Berichte von Augenzeugen, die dem nach dem Bericht Zwangsabtreibungen und Kindestötungen mit ansehen mussten. Eine junge Frau, Choi Yong Hwa, musste demnach in einem Lager in Sinuiju an der chinesischen Grenze schwangere Frauen zu einem Militärspital begleiten.

Einer Frau sei ein Wehen auslösendes Mittel gespritzt worden. Der kurz darauf geborene Säugling sei mit einem nassen Handtuch erstickt worden. Kinder aus Mischehen mit Chinesen werden laut Bericht nicht geduldet und ermordet. Das Dossier lässt weitere Zeuginnen für Kindestötungen und Zwangsabtreibungen zu Wort kommen. (sda)

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