25.09.2014 15:48

Bezirksgericht Zürich

Folter-Mutter muss für fünf Jahre hinter Gitter

Die Zürcher Prostituierte, die ihre Töchter über Jahre gequält hatte, muss für fünf Jahre hinter Gitter. Vor Gericht vergoss Louisa P. vor allem Tränen, machte aber kaum Aussagen.

von
Attila Szenogrady
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte Louisa P. wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte Louisa P. wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Staatsanwalt Michael Scherrer warf der heute 40-jährigen Louisa P.* am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich ein geradezu strategisches Verhalten vor. So habe sie ihre beiden in den Jahren 2001 und 2004 geborenen Töchter ab Sommer 2008 als alleinerziehende Mutter regelmässig körperlich und seelisch folterähnlich misshandelt.

Die Anklageschrift schildert das jahrelange Martyrium der beiden Kinder, die von ihrer aus Bolivien stammenden Mutter immer wieder mit Faustschlägen gegen den Kopf, Fusstritten gegen den Bauch oder mit Würgen am Hals malträtiert wurden. Wiederholt schlug die Beschuldigte auch mit einer Holzkelle zu. In einem Fall so stark, dass der Kochlöffel dabei zerbrach. Hinzu kamen Beschimpfungen und Drohungen.

Im Kinderspital aufgeflogen

P. flog erst im September 2013 im Kinderspital Zürich auf. Als sie die massiv verprügelte jüngere Tochter Emilia* einlieferte, wurde ein Arzt misstrauisch. Die Mutter versuchte zunächst den Verdacht auf ihren Schweizer Ex-Mann zu lenken. Dieser wurde zwar verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Als dann die Mutter ins Visier geriet, verweigerte sie jede Aussage. Im Gegensatz zu ihren beiden Töchtern, die nach anfänglichem Schweigen alles den Behörden erzählten. Sehr detailgetreu und authentisch.

Heute sind die traumatisierten Kinder fremdplatziert. Staatsanwalt Scherrer lastete der Beschuldigten mehrfache schwere Körperverletzung an und verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Falsche Anschuldigung, Freiheitsberaubung sowie ein Sozialhilfebetrug bildeten die weiteren Anklagepunkte.

«Sie ist kein Monster»

Vor Gericht hinterliess P. einen zwiespältigen Eindruck. «Ich will nichts dazu sagen, ich fühle mich nicht stark genug», erklärte sie und brach stattdessen immer wieder in Tränen aus. Dabei entschuldigte sie sich bei ihren Kindern und sagte, dass sie alles sehr bereue. Ihr Verteidiger legte diese Aussagen als Geständnis aus. Allerdings hinderte dies den Rechtsanwalt nicht daran, grosse Teile des eingeklagten Sachverhalts dennoch zu bestreiten. So etwa die Intensität der Schläge, die er lediglich als einfache Körperverletzung oder Tätlichkeiten würdigte.

Der Verteidiger beharrte auch darauf, dass mit seiner Klientin kein Monster vor Gericht stehe. Es handle sich vielmehr um eine überforderte, verzweifelte und ratlose Mutter. Der Anwalt verwies auch auf das schwierige Verhalten der Kinder, die trotz der finanziellen Misere viel von ihrer Mutter verlangt hätten. Zudem sei es erst ab Frühjahr 2013 zu richtig gewalttätigen Übergriffen gekommen. So, als zum Beispiel herausgekommen sei, dass eines der Mädchen gestohlen habe. Der Anwalt setzte sich für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren ein. Ein Jahr davon auf Bewährung.

Fünf Jahre Freiheitsentzug

Das Gericht kam bei der falschen Anschuldigung und beim Betrug mangels Nachweisen zu Freisprüchen. Nicht aber bei den schweren Körperverletzungen, die auf einem folterähnlichen System der Mutter gegründet hätten. Die Richter setzten aufgrund des erheblichen Verschuldens eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren fest. Allerdings verzichteten sie auf eine ambulante Behandlung der laut einem Gutachten absolut schuldfähigen Täterin. «Ich hoffe, dass mir meine Kinder eines Tages verzeihen können», sagte die Frau in ihrem von Schluchzen begleiteten Schlusswort.

*Namen geändert

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