Folter von Irakischen Soldaten für Amnesty kein Einzelfall
Aktualisiert

Folter von Irakischen Soldaten für Amnesty kein Einzelfall

Die Misshandlung und Folter von irakischen Häftlingen hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Zur Schadensbegrenzung kündigte die US-Militärführung ein hartes Durchgreifen an.

Nach US-Medienberichten vom Freitag müssen sich sechs Soldaten unter anderem wegen Grausamkeit, Körperverletzung und sexuellem Missbrauch vor einem Militärgericht verantworten. Vier weitere müssen mit einer Anklage rechnen.

Ausserdem sollen Disziplinarstrafen gegen sieben Offiziere verhängt werden. Auch die US-Regierung bezeichnete die Misshandlungen als unannehmbar.

Die betroffenen Soldaten sehen sich zu Sündenböcken abgestempelt. Über Verwandte und Anwälte liessen sie ausrichten, dass Offiziere die «Behandlung der Häftlinge» sowohl befohlen als auch aktiv unterstützt haben sollen.

Schockierende Bilder

Die Bilder von den Misshandlungen haben Militärs, Politiker und Menschenrechtler gleichermassen schockiert: US-Soldaten springen auf einer Pyramide nackter irakischer Häftlinge herum. Gefangene müssen sich wie bei einem Striptease ausziehen.

Einem Iraker, der mit einem Kapuzengewand verhüllt und mit Drähten verkabelt ist, wird ein tödlicher Stromschlag an gedroht, falls er von einer kleinen Essensbox fallen sollte.

Der britische Premierminister Tony Blair äusserte sich nach Angaben eines Sprechers «entsetzt» über die Bilder von schweren Misshandlungen. Die auf den Aufnahmen gezeigten Vorgänge seien ein «direkter Verstoss gegen die politischen Richtlinien, unter denen die Koalition arbeitet».

Unabhängige Aufklärung gefordert

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte eine unabhängige und öffentliche Aufklärung. Damit solle ein Signal gesetzt werden, dass derartig entwürdigende und brutale Praktiken unter keinen Umständen geduldet werden dürfen.

Die vom US-Militär inzwischen als authentisch bezeichneten Bilder sind in den irakischen Tageszeitungen wegen des moslemischen Feiertages am Freitag nicht veröffentlicht worden. US-General Mark Kimmitt traf sich nach eigenen Angaben mit Vertretern der irakischen Zeitungen, um über die Berichterstattung zu sprechen.

Warten auf irakische Reaktion

Nach Angaben des UN-Nachrichtensenders CNN könnten die Aufnahmen bei den Irakern «das Blut überkochen lassen». Als Reaktion sei möglicherweise auch mit neuen Anschlägen auf die US-Truppen zu rechnen. Nach jüngsten Umfragen befürworten 57 Prozent der Iraker ohnehin ein möglichst rasches Verschwinden der «Besatzer».

Der Chefredaktor der in London erscheinenden arabischen Zeitung «al-Quds al-Arabi», Abdelbari Atwan, ahnt das Schlimmste: «Diese Bilder werden den Amerikanern das Genick brechen», sagte Atwan der BBC. Fotos von sexueller Misshandlung seien in der muslimischen Welt das «Schlimmste, was es überhaupt gibt». (sda)

Deine Meinung