Aktualisiert 27.12.2016 09:44

Schweizer DNAFondue und Cervelat schlagen Matterhorn

Dank dem grossen 20-Minuten-Duell «Typisch Schweiz» wissen wir endlich: Was die Schweiz wirklich ausmacht, sind die Klassiker der Schweizer Küche.

von
lz
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Platz 40: Nacktwandern.

Platz 40: Nacktwandern.

Keystone/Ennio Leanza
Platz 39: Weltoffen sein.

Platz 39: Weltoffen sein.

Keystone/Dorothea Mueller
Platz 38: Laut die Nase schneuzen.

Platz 38: Laut die Nase schneuzen.

Margarita Borodina

Was macht die DNA der Schweiz aus? Welche kulturellen Eigenarten sind besonders schweizerisch? Das wollte 20 Minuten von seinen Lesern wissen. Wir liessen 40 Eigenschaften – von der Viersprachigkeit bis zum Bünzlitum – gegeneinander antreten.

Nach fast drei Millionen Duellen steht das Ergebnis fest: Obenaus schwangen nicht etwa die direkte Demokratie oder die Neutralität, sondern viel banaler: das Essen. So nimmt das Fondue – das Klischee par excellence – Platz 1 ein, eine Nasenlänge vor dem Cervelat. Nur knapp am Podest vorbei schrammte die Schweizer Schokolade, für die wir im Ausland berühmt sind. Davor auf Platz 3 ist die Pünktlichkeit zu finden. Auf Rang 5 wählten die User den ewigen Kampf zwischen Migros- und Coopkindern.

«Die Menschen denken ständig ans Essen»

Somit sind drei der fünf Spitzenplätze für Esswaren reserviert. Hehre Errungenschaften wie die direkte Demokratie müssen hintanstehen. Regelrecht abgeschifft ist das Christentum: Es erreicht nur Platz 35 – wohl nicht zur Freude des Christdemokraten Stefan Müller-Altermatt. Der Nationalrat hatte eine Volksabstimmung darüber angeregt, was die Schweizer Kultur wirklich ausmacht.

Soziologe François Höpflinger erstaunt das Resultat nicht. «Menschen fällt es leichter, sich mit Gegenständen zu identifizieren als mit abstrakten Konzepten wie der Neutralität.» Gegenstände seien nun einmal etwas Alltägliches. Auch um die Pünktlichkeit müssen sich Schweizer tagtäglich bemühen.

Auch die Jahreszeit habe einen gewissen Einfluss, so der emeritierte Professor: «Gerade zu Weihnachten denken die Menschen ständig ans Essen.» Es sei eine unkomplizierte Methode, sich etwas Kultur einzuverleiben. «Wenn Ausländer in die Schweiz kommen, sind diese Esswaren oft das erste Stück einheimische Kultur, das sie in ihr Leben einbinden.»

Nacktwandern ist Schlusslicht

So gar nicht schweizerisch finden die Leser das Nacktwandern: Es sammelte im Voting am wenigsten Stimmen. Obwohl Appenzell 2009 von der «New York Times» zur «Hochburg der Nacktwanderer» erklärt wurde, scheint es sich im Rest der Schweiz doch nicht so recht eingebürgert zu haben.

Weit zurück liegen auch die Eigenschaften Weltoffenheit, Harmoniesucht oder Bescheidenheit. Höpflinger hat dafür eine Erklärung: «Einerseits sind diese Eigenschaften zu allgemein, um als typisch schweizerisch empfunden zu werden.» Andererseits könne es Herr und Frau Schweizer auch unangenehm sein, sich selbst als weltoffen oder bescheiden zu bezeichnen. «Dass die Bescheidenheit so weit unten ist, zeugt also auch von Bescheidenheit», schmunzelt Höpflinger.

Aber auch Schweizer Eigenarten wie die drei Küsschen zur Begrüssung oder das Grüezi gegenüber Unbekannten schaffen es nicht in die Top Ten. «Diese Bräuche werden je nach Alter und auch in Land und Stadt unterschiedliche gehandhabt.» So kann laut Höpflinger nicht jeder etwas damit anfangen. «Das Essen hingegen verbindet uns über alle Grenzen hinweg.»

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