Forderung nach Normen bei psychiatrischen Gutachten
Aktualisiert

Forderung nach Normen bei psychiatrischen Gutachten

Sowohl beim
Todesraser in Emmen als
auch beim Rickenbacher
Armbrustschützen
versagten psychiatrische
Gutachten. Nun wird der
Ruf nach einheitlichen
Qualitätsstandards laut.

Gleich zwei psychiatrische Beurteilungen und Gutachten hatten im Kanton Luzern in den letzten drei Monaten fatale Folgen: Der Todesraser von Emmen, der vier Bauarbeiter auf dem Gewissen hat, hatte seinen Führerausweis vorher aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens vom Strassenverkehrsamt zurückerhalten.

Der zweite Fall betrifft den Armbrustschützen, der sich am Samstag im Krienser Gefängnis Grosshof das Leben genommen hatte. Pikant dabei: Dem Mann war attestiert worden, nicht selbstmordgefährdet zu sein – obwohl er bereits bei der Verhaftung damit gedroht hatte.

Nun stossen diese Einschätzungen auf Kritik. «Wetterprognosen sind wissenschaftlich deutlich sicherer als psychiatrische Gutachten», sagt Jürg Gassmann, Zentralsekretär und Rechtsanwalt der Stiftung Pro Mente Sana, die sich für die Anliegen von psychisch Erkrankten einsetzt. Ausserdem gebe es in der Schweiz zu wenig einheitliche Qualitätsstandards für ärztliche Beurteilungen und Gutachten. «Hinzu kommt, dass Ämter und Gerichte die Verantwortung oft an die Psychiater abschieben», sagt Gassmann weiter.

Daniela Gigor

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