19.03.2016 19:22

ExtravagantFormel-1-Weltmeister Hamilton will anders sein

Lewis Hamilton interpretiert seine Rolle als Formel-1-Weltmeister anders als seine Vorgänger. Der Hang zur Extravaganz kommt nicht überall gut an.

Die Überholspur ist nicht nur an den Grand-Prix-Wochenenden Hamiltons Welt. Der Brite sieht den Sinn seines Lebens als Sportler nicht ausschliesslich im Kreisherumfahren. Er mag die Abwechslung und bricht dafür aus der (Schein-)Welt Formel 1 aus. Er will nicht konform sein, dem Klischee des heutigen Fahrers will er nicht entsprechen. Das Brave, Farblose, Austauschbare ist ihm zuwider, der Rückzug in die Stille und Abgeschiedenheit der Privatsphäre in den Phasen ohne Renneinsatz zu fad. Für Hamilton sind die Rundstrecken nicht die einzigen Stationen im Terminkalender, um sich in der Öffentlichkeit zu bewegen.

In seinem Beruf als Autorennfahrer fühlt sich Hamilton eingeengt. «Die Formel 1 ist von A bis Z durch Reglemente bestimmt. Bei all diesen Vorgaben kommt der Fahrer als Persönlichkeit zu kurz», sagt er. Es gehe einzig und allein darum zu funktionieren. Hamilton ist das zu wenig, zu langweilig, zu spiessig. Er will sich selber entfalten und geniesst das Leben als Single seit der (letzten) Trennung von Nicole Scherzinger in vollen Zügen. Er will etwas Besonderes sein. Mit Brillanten versetzte Ohrringe, die schwere, goldene Halskette und neuerdings eine topmodische Brille, auf die er aufgrund seiner intakten Sehschärfe eigentlich verzichten könnte, sind Symbole seiner Extravaganz.

Treffpunkt Jet-Set

Bei seinem Drang, dem Alltagstrott zu entfliehen, sucht Hamilton ausserhalb der Szene im Wortsinn gerne «das Weite» und nutzt seine Strahlkraft als Formel-1-Weltmeister weidlich aus. Sein Status ist der Türöffner für den Eintritt in die Welt der Reichen und der Schönen. Zurecht betrachtet er sich mittlerweile als anerkanntes Mitglied des internationalen Jet-Sets. Er trifft sich rund um den Globus an Partys und Wohltätigkeitsveranstaltungen liebend gerne mit Grössen aus dem Film- und Showgeschäft, der Modebranche, der Wirtschaft und der Politik. Den amerikanischen Präsidenten Barack Obama kennt er persönlich, mit dem inzwischen verstorbenen Nelson Mandela hat er sich mehrmals ausgetauscht.

Über all die Bekanntschaften stellt Hamilton seine Vorliebe zur Musik. Sie sei für ihn «der Schlüssel zur Seele», wie er kürzlich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt hat. «Sie ist wie eine universelle Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird.» Musik sei für ihn Erfüllung. Er singt, spielt Schlagzeug, Gitarre und Klavier und will schon weit über hundert Songs geschrieben haben. Die Frage nach einer zweiten Karriere nach dem Ende seiner Laufbahn in der Formel 1 erübrigt sich gleichwohl. «Musik mache ich zum Spass. Geld will ich damit keines verdienen.»

«Freunde» auf dem Laufenden

Seinen Geltungsdrang verwirklicht Hamilton auch in den sozialen Netzwerken. Über Twitter oder Instagram lässt er die Öffentlichkeit an seinem Leben fern der Rennstrecken teilhaben. Hamilton in einem sündhaft teuren Ferrari in den Strassen Miamis, Hamilton bei einer Feier im Rahmen der Oscar-Verleihung in Los Angeles, Hamilton mit seinen Bulldoggen Roscoe und Coco in Paris – der Engländer hält seine «Freunde» über (fast) jeden seiner Schritte auf dem Laufenden. Die Follower sind froh über jede Nachricht. Den Kritikern dagegen, die es auch im Kreis der Fahrerkollegen gibt, geht diese Offenlegung zu weit.

Bei den Stänkerern steht ausserdem die Frage im Raum, wie sich ein solch exzessiver Lebensstil mit dem Dasein als Spitzensportler auf Dauer vereinbaren lässt. Bis jetzt jedenfalls haben die Leistungen darunter nicht gelitten. Die WM-Titel in den vergangenen zwei Jahren sind Argumente genug. Solange Hamilton das hohe Niveau zu halten vermag, wird ihn auch sein Arbeitgeber gewähren lassen – auf die Gefahr hin, dass der Brite den Verantwortlichen bei Mercedes ab und zu auf der Nase herumtanzt und die im Verhaltenskodex niedergeschriebenen Weisungen nicht immer strikte befolgt. Grösseren Ärger als bei der Teamleitung lösen nicht eingehaltene Vereinbarungen bei Sponsoren aus. Zuletzt war es ein Verstoss gegen die Kleidervorschriften, der einen Ausrüster in Wallung brachte. Hamilton scheint das nicht gross zu kümmern. Ihn, der gerne anders ist als die andern. (sda)

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