Alternative zu Antigen- und PCR-Tests? - Forschende wollen Coronavirus mittels Schweiss nachweisen
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Alternative zu Antigen- und PCR-Tests?Forschende wollen Coronavirus mittels Schweiss nachweisen

Mit Spucktests oder mithilfe eines Abstrichs: So wird in der Regel geprüft, ob eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 vorliegt. In Zukunft könnte man dafür einfach nur noch den Arm heben müssen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Achselschweiss ist aus Sicht der meisten Menschen lästig. Allerdings nicht aus Sicht von thailändischen Forschenden. 

Achselschweiss ist aus Sicht der meisten Menschen lästig. Allerdings nicht aus Sicht von thailändischen Forschenden.

Getty Images/EyeEm
Ein Team um Chadin Kulsing von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok arbeitet derzeit an einer neuen Art von Coronatest, mit dessen Hilfe Sars-CoV-2 in Achselschweiss zuverlässig nachgewiesen werden soll.

Ein Team um Chadin Kulsing von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok arbeitet derzeit an einer neuen Art von Coronatest, mit dessen Hilfe Sars-CoV-2 in Achselschweiss zuverlässig nachgewiesen werden soll.

AFP
Dazu untersuchten die Forschenden den Schweiss von Markthändlerinnen und Markthändlern in Bangkok, die in der Regenzeit bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit besonders ins Schwitzen kommen. «Durch die Proben haben wir herausgefunden, dass Corona-Infizierte ganz bestimmte Chemikalien ausscheiden», so Kulsing.

Dazu untersuchten die Forschenden den Schweiss von Markthändlerinnen und Markthändlern in Bangkok, die in der Regenzeit bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit besonders ins Schwitzen kommen. «Durch die Proben haben wir herausgefunden, dass Corona-Infizierte ganz bestimmte Chemikalien ausscheiden», so Kulsing.

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Darum gehts

  • Schweiss kommt in Zusammenhang mit dem Coronavirus eine immer grössere Bedeutung zu.

  • Thailändische Forschende wollen mit seiner Hilfe Antigen- und PCR-Tests Konkurrenz machen.

  • Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen Spürhunde an ihm schnüffeln zu lassen, um Konzerte sicherer zu machen.

Ständig sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Methoden, um den Coronavirus auf die Schliche zu kommen. Ein Team aus Thailand arbeitet derzeit an einer neuen Vorgehensweise, mithilfe derer Sars-CoV-2 in Achselschweiss zuverlässig nachgewiesen werden soll.

Dazu untersuchten sie den Schweiss von Markthändlern und Markthändlerinnen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, die in der Regenzeit bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit besonders ins Schwitzen kommen. «Durch die Proben haben wir herausgefunden, dass Corona-Infizierte ganz bestimmte Chemikalien ausscheiden», sagte Professor Chadin Kulsing von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok.

Pandemieschweiss

In der Covid-19-Pandemie tauchen nicht nur immer wieder neue Virusmutanten auf, sondern auch neue Begriffe. So wie «Pandemieschweiss», der sich durch einen unangenehmen Geruch direkt nach dem Aufstehen äussert. «Wegen der gegenwärtigen und bereits so lange andauernden Covid-19-Ausnahmesituation, ist deutlich mehr Druck da, also mehr Stress, was dementsprechend zu verstärkter Transpiration führen kann», so die Dermatologin Liv Kraemer. Pandemieschweiss ist demnach nichts anderes als eine Art Angstschweiss. Wie man diesem vorbeugen kann, hat die Hautärztin gegenüber 20 Minuten Lifestyle verraten.

«Wir haben diese Erkenntnis genutzt, um ein Gerät zu entwickeln, das die speziellen, von Bakterien hervorgerufenen Gerüche im Schweiss von Corona-Patienten belegt,» fügte Chadin hinzu. Die Forschenden haben dazu ein Messgerät umfunktioniert, das normalerweise zum Nachweis von Schadstoffen in der Umwelt genutzt wird. Nach Angaben von Chadin liefert es zu 95 Prozent exakte Ergebnisse.

Sicheres Ergebnis schon nach 30 Sekunden

Die Probanden müssen sich für 15 Minuten einen Baumwolltupfer unter den Arm klemmen. Der Tupfer wird dann in ein Reagenzglas gesteckt und mit UV-Licht desinfiziert. Anschliessend entnimmt der Techniker eine Probe und untersucht sie in dem Messgerät – schon nach 30 Sekunden ist das Ergebnis da, wie Chadin betont.

Auch die Markthändler, die an dem Versuch teilgenommen haben, finden den Schweisstest besser als die sonst üblichen Nasenabstriche. «Der Schweisstest ist praktischer, weil ich arbeiten kann, während ich auf das Ergebnis warte», sagte ein Obstverkäufer. «Für einen PCR-Test müsste ich in ein Testzentrum gehen und da sitzen und auf das Ergebnis warten … das ist reine Zeitverschwendung.»

Chadin hofft darauf, mit seiner Methode auch eine günstige Alternative zu PCR-Tests zu entwickeln, die im Labor ausgewertet werden müssen und daher teuer sind. Das Projekt befindet sich allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die Untersuchungen wurden bisher weder als Studie veröffentlicht noch von Fachkolleginnen oder -kollegen begutachtet. Derzeit gelten Tests, bei denen Abstriche aus dem Mund-Rachenraum genommen werden, als die sicherste Methode, um eine mögliche Corona-Infektion zu erkennen. Das ist bei einem PCR-Test der Fall, der immer noch als Goldstandard gilt.

Corona-Spürhunde sollen Konzerte sicherer machen

Auch in Deutschland gehen Forschende der Frage nach, wie sich Schweiss einsetzen lässt, um die Rückkehr weiter voran zu treiben. In Hannover etwa sollen nun in einer Machbarkeitsstudie Corona-Spürhunde bei einer vierteiligen Konzertreihe zum Einsatz kommen. Die Reihe ist Teil des Projekts «Back to Culture». Jede Besucherin und jeder Besucher wird eine Schweissprobe aus der Armbeuge für die Hunde abgeben, erklärt Holger Volk, Leiter der Klinik für Kleintiere an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, das Vorhaben. Parallel würden Antigen­schnell­tests und PCR-Tests für jeden Besucher gemacht. Beim ersten Konzert mit 500 Besuchern sollten fünf bis sechs Hunde im Einsatz sein.

Volk sagt: «In unseren bisherigen Untersuchungen haben wir zeigen können, dass die Hunde Proben Sars-CoV-2 positiver Personen mit ihrem hervorragenden Geruchssinn mit einer sehr hohen Trefferquote aufspüren können. Jetzt sind wir gespannt, wie gut der Ansatz in einer Alltagssituation funktioniert.» Auch in der Schweiz wurden bereits Corona-Spürhunde ausgebildet.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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