Falsches Fleisch: Forscher bei legendärem Mammut-Dinner reingelegt
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Falsches FleischForscher bei legendärem Mammut-Dinner reingelegt

1951 traf sich der Entdeckerclub in New York zu einem besonderen Anlass. Auf dem Menü stand Mammutfleisch. Erst jetzt ist klar: Die Steaks waren falsch.

von
jcg

Das 47. jährliche Gala-Dinner des Entdeckerclubs hatte es in sich. Im grandiosen Ballsaal des Roosvelt Hotels in New York wurde ein Menü angekündigt, das es so schon sehr, sehr lange Zeit nicht mehr gegeben hatte. Neben Fleisch vom ebenfalls ausgestorbenen Riesenfaultier stand Mammut auf der Speisekarte. Das zumindest berichtete die Zeitung «Christian Science Monitor» am 17. Januar 1951.

Bis heute hielt sich die Legende, dass an diesem Tag tatsächlich Fleisch von einem Mammut serviert wurde, das 250'000 Jahre im Eis konserviert gewesen war. Das Fleisch soll von einem gewissen Reverend Bernard Hubbard geliefert worden sein, der das Mammut an einem Ort namens Woolly Cove auf Akutan Island in Alaska gefunden hatte.

DNA-Test bringt die Lösung

65 Jahre später haben Forscher der Universität Yale diese Legende nun entzaubert. Statt «prähistorischem Fleisch», das der Entdeckerclub an dem Gala-Abend auf der Speisekarte angekündigt hatte, habe es Suppenschildkröte gegeben, geht aus einer am Mittwoch in der Zeitschrift «PLOS one» veröffentlichten Studie hervor.

«Ich bin mir sicher, dass die Leute es glauben wollten. Sie hatten keine Ahnung, dass Jahre später eine Doktorandin kommen und es mittels DNA-Sequenzierung aufklären würde», sagte Jessica Glass, die Yale-Studentin und Co-Autorin der Studie.

Ein Mitglied des Entdeckerclubs, Paul Griswold Howes, hatte damals nicht zur Gala kommen können und gebeten, dass man ihm ein faustgrosses Stück Fleisch zusende. Jahrelang blieb es in einem Museum ausgestellt, bis Glass und ein Kollege die DNA-Tests daran durchführten.

Die Analyse wurde vom Entdeckerclub finanziert. Dort ist man zufrieden mit den Resultaten der Yale-Analyse. Will Roseman, Vizedirektor des Entdeckerclubs, sagt dazu: «Die Geisteshaltung hat sich in den letzten 65 Jahren dramatisch verändert. Was damals offensichtlich ein aussergewöhnlicher Anlass war, hat sich zu einem entschlossenen Versuch gewandelt, den Leute Essen näherzubringen, das die Menschheit bis weit in die Zukunft wird ernähren können.»

(jcg/sda)

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