Aktualisiert 17.04.2020 17:37

Meeresbiologie

Forscher entdecken längstes Tier der Welt

Bei einem Tauchgang vor der australischen Westküste haben Forscher bis zu 30 neue Tierarten entdeckt, darunter eine 46 Meter lange Staatsqualle.

von
jab

«Es sieht aus wie ein spiralförmiges UFO»: So beschreiben australische Forscher das von ihnen entdeckte Tier an Australiens Westküste. Es ist ungefähr doppelt so lang wie ein Blauwal oder dreimal so lang wie ein Buckelwal. Die Forscher gehen davon aus, dass das Unterwassertier das bisher längste Tier der Welt sein könnte, wie der «Guardian» berichtet.

Bei der vom Schmidt Ocean Institute geleiteten Expedition entdeckten Wissenschaftler ein 46 Meter langes Exemplar einer Staatsqualle. Staatsquallen sind fadenartige Tiefsee-Raubtiere und leben in einem Verbund, der aus Tausenden von Individuen besteht und sich wie eine einzige lange Schnur im Wasser ausbreiten kann. Jeder dieser sogenannten Zooiden übernimmt eine spezifische Aufgabe – auch daher betrachten Wissenschaftler das Gebilde als einen einzigen, grossen Organismus.

Staatsquallen gelten als Raubtiere und ernähren sich wie Quallen, indem sie stechende Tentakel im Wasser baumeln lassen. Kleine Krebstiere und Fische gehören zu ihrer Beute. Wenn diese in den Vorhang von Tentakeln schwimmen, werden sie gelähmt und schliesslich vom Organismus verzehrt.

«Diese Gewässer waren einfach zu unerforscht»

Bei den Expeditionen in die Unterwasserschluchten des Schutzgebietes in der Bioregion der Gascoyne-Küste fanden die Wissenschaftler zudem bis zu 30 neue Tierarten. Darunter waren auch ein Tintenfischkalmar, eine Seegurke mit langem Schwanz, Glasschwämme und eine erste riesige Kolonie von Tieren, eine sogenannte Hydroide, die wie eine verkehrte Qualle aussieht. Es werde jedoch noch Monate oder sogar Jahre dauern, bis die Tiere als neue Spezies bestätigt werden können.

«Weil es ein Schutzgebiet ist, haben wir eigentlich keine Ahnung, was dort lebt», sagt Nerida Wilson, leitende Wissenschaftlerin am Western Australia Museum und Leiterin der Expedition, laut «Guardian». «Wir haben definitiv nach neuen Arten gesucht und diese erwartet», so Wilson. «Diese Gewässer waren einfach zu unerforscht. Es gibt noch viele Schätze zu entdecken.»

Riesentier war eine Überraschung

Die Entdeckung des womöglich längsten Tieres der Welt sei aber überraschend gekommen, wie Wilson sagt. Das Forschungsfahrzeug sei bis zu 4439 Meter abgetaucht. Die spiralförmig ausgebreitete Siphonophore sei aber erst beim Auftauchen des Fahrzeugs in etwa 630 Metern Tiefe erschienen.

Die Aufregung der Crew sei gross gewesen. «Es war einfach unglaublich zu sehen, wie sich dieser riesige Organismus wie ein spiralförmiges UFO ausbreitete und in der Wassersäule schwebte. Wir konnten nicht glauben, was wir sahen», sagt Wilson.

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