Knochenfund: Forscher entdecken neuen Urmenschen
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KnochenfundForscher entdecken neuen Urmenschen

Heute sind wir die einzige Menschenart. Früher haben wohl verschiedene Arten parallel existiert, wie nun entdeckte Knochen zeigen.

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Acht Körperöffnungen, aber keinen Anus: Diese Auffälligkeit deutet darauf hin, dass es sich bei Saccorhytus coronarius um einen urtümlichen Vertreter der Neumünder (Deuterostomia) handelt.

Acht Körperöffnungen, aber keinen Anus: Diese Auffälligkeit deutet darauf hin, dass es sich bei Saccorhytus coronarius um einen urtümlichen Vertreter der Neumünder (Deuterostomia) handelt.

S. Conway Morris / Jian Han, Northwest University Xi'an
Neumünder gelten als früheste Vorfahren des Menschen. Unbekannt war bislang , was vor ihnen war.  Diese Lücke könnte nun Saccorhytus coronarius schliessen. (Im Bild: Rekonstruktion eines Saccorhytus coronarius).

Neumünder gelten als früheste Vorfahren des Menschen. Unbekannt war bislang , was vor ihnen war. Diese Lücke könnte nun Saccorhytus coronarius schliessen. (Im Bild: Rekonstruktion eines Saccorhytus coronarius).

S. Conway Morris / Jian Han, Northwest University Xi'an
Es ist nicht das erste Mal, dass der Stammbaum des Menschen neu geschrieben beziehungsweise abgeändert werden muss. Zuletzt führte ein Fund aus der äthiopischen Wüste zu einer Änderung.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Stammbaum des Menschen neu geschrieben beziehungsweise abgeändert werden muss. Zuletzt führte ein Fund aus der äthiopischen Wüste zu einer Änderung.

Keystone/AP/Yohannnes Haile-selassie

In der Wüstenregion Afar im Osten Äthiopiens haben Forscher die Überreste eines bisher unbekannten Frühmenschen (Australopithecus deyiremeda) entdeckt. Das Team um Yohannes Haile-Selassie vom Naturkundemuseum von Cleveland datierte die Fossilien auf ein Alter zwischen 3,3 und 3,5 Millionen Jahren. Damit lebte der Frühmensch zur selben Zeit und in der selben Region wie der Urmensch Lucy (Australopithecus afarensis, siehe Box).

Der Fund bestätige die These, dass es zur Zeit des mittleren Pliozän vor rund dreieinhalb Millionen Jahren nicht nur eine Art gegeben hat, sondern mehrere parallel existierten, schreiben die Forscher im Fachjournal «Nature». Bis vor einigen Jahren war man davon ausgegangen, dass unsere Vorfahren mehr oder weniger nacheinander gelebt haben.

Die Entdeckung des Australopithecus deyiremeda zeigt laut Haile-Selassie und seinen Kollegen, dass der Australopithecus afarensis nicht der einzige mögliche Vorfahre der Menschen war. Die bereits seit langem umstrittene These, dass Lucy die «Mutter der Menschheit» sei, wird damit weiter infrage gestellt.

Die Forscher machen das an Unterschieden zwischen den Kiefern und Zähnen der beiden Arten fest.

Wenige Knochen reichen den Experten, um neue Schlüsse zur Menschengeschichte zu ziehen. (Video: Youtube/The Cleveland Museum of Natural History)

Wer ist Lucy?

Das Skelett von Lucy war 1974 von Donald Johanson entdeckt und auf ein Alter von 2,9 bis 3,8 Millionen Jahre datiert worden. Lucy war etwa 1,10 Meter zehn gross, lief auf zwei Beinen, konnte aber auch gut klettern und wies damit sowohl menschen- wie affenähnliche Züge auf.

Den Namen verdankt das Fossil dem Beatles-Song «Lucy in the sky with diamonds», der am Tage der Entdeckung im Forschercamp mehrfach vom Tonband abgespielt wurde.

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