18.01.2017 06:07

Mysteriöses Phänomen

Forscher entdecken Riesenbogen auf der Venus

In 65 Kilometer Höhe hat eine Sonde einen gigantischen Riesenbogen fotografiert. Dessen Ursprung gibt Forschern Rätsel auf.

von
jdr
1 / 5
Ein Infrarotbild der Bogenstruktur: Zu erkennen ist sie – von oben nach unten – als heller Streifen vom Nordpol über den Äquator bis zum Südpol der Venus.

Ein Infrarotbild der Bogenstruktur: Zu erkennen ist sie – von oben nach unten – als heller Streifen vom Nordpol über den Äquator bis zum Südpol der Venus.

kein Anbieter/Planet-C
Die Sonde «Akatsuki» hatte den Bogen im Dezember 2015 an vier aufeinanderfolgenden Tagen immer an derselben Stelle fotografiert (siehe vier kleine Fotos unten).

Die Sonde «Akatsuki» hatte den Bogen im Dezember 2015 an vier aufeinanderfolgenden Tagen immer an derselben Stelle fotografiert (siehe vier kleine Fotos unten).

kein Anbieter/Planet-C
Einige Tage später hatte die Sonde, hier eine Illustration, dieselbe Stelle der Venus fotografiert. Doch da war der Bogen schon wieder verschwunden.

Einige Tage später hatte die Sonde, hier eine Illustration, dieselbe Stelle der Venus fotografiert. Doch da war der Bogen schon wieder verschwunden.

Keystone/AP Photo/Akihiro Ikeshita

Auf unserem Nachbarplaneten Venus haben Forscher einen gigantischen Bogen in der Atmosphäre entdeckt. Vom Nordpol des Planeten über den Äquator bis zum Südpol habe sich das Phänomen erstreckt, wie japanische Wissenschaftler im Fachblatt «Nature Geoscience» berichten.

Der japanischen Venussonde «Akatsuki» – zu Deutsch: Morgendämmerung – war es gelungen, die Bogenstruktur zu fotografieren. Sie machte sensationelle Aufnahmen – bis der Riesenbogen nach vier Tagen ausserhalb des Sichtfelds rückte. Einige Tage später war er verschwunden.

Heftige Winde und Eiseskälte

Der gigantische Bogen ist 10'000 Kilometer lang und befindet sich in 65 Kilometer Höhe. Er hat eine Spitzentemperatur von etwa minus 40 Grad Celsius. Seine Umgebung ist einige Grad kälter – und ziemlich unwirtlich. Winde mit Geschwindigkeiten von rund 360 Kilometer pro Stunde sind keine Seltenheit. Trotzdem habe sich der Bogen nicht mit den Wolken bewegt, sagen die Forscher.

Doch wie kann das sein? Wissenschaftler vermuten, dass es sich um eine sogenannte stationäre Schwerewelle handelt. Schwerewellen sind Wellen, bei denen die Gravitation die treibende Kraft ist – wie etwa bei den Wellen auf unseren Meeren. Die Bewegung auf der Venus wäre jedoch quasi eingefroren, also stationär.

Forscher gehen nun davon aus, dass es die Berge sind, die die Schwerewelle im bodennahen Wind erzeugen – ähnlich wie es auch an Bergketten auf der Erde tun. Diese Welle könnte sich bis in die oberen Schichten der Venusatmosphäre fortpflanzen und dort zu dem beobachteten riesigen Phänomen führen.

Wolken aus Schwefelsäure

Die Venus ist mit einem Durchmesser von 12'100 Kilometern fast genauso gross wie die Erde (12'750 Kilometer). Durch ihre engere Bahn läuft die Venus aber etwas schneller um die Sonne.

Auf der Venus-Oberfläche herrschen wahrhaft höllische Bedingungen. Der Planet hüllt sich in einen dichten Wolkenschleier, dessen Treibhauseffekt die Oberflächentemperatur auf fast 500 Grad Celsius aufheizt – hoch genug, um Blei zu schmelzen. Die dichte Atmosphäre besteht fast gänzlich aus Kohlendioxid. Die Wolken bestehen im wesentlichen aus Schwefelsäure-Tröpfchen.

Venus ist derzeit der hellste Stern am irdischen Firmament. Der strahlende Abendstern sinkt Ende Januar gegen 21.30 Uhr unter den Horizont. (jdr/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.