12.06.2018 10:04

Universität BernForscher entdecken Schlaf-Zentrale im Hirn

Berner Forscher haben entdeckt, dass ein einziges Gehirnareal sowohl Einschlafen als auch Aufwachen steuert. Dies könnte die Medizin revolutionieren.

von
ber
1 / 3
Während der Untersuchungen versuchte das Forschungsteam die  thalamischen Nervenzellen von Mäusen mit Lichtimpulsen zu steuern. Diese Technik nennt sich Optogenetik

Während der Untersuchungen versuchte das Forschungsteam die thalamischen Nervenzellen von Mäusen mit Lichtimpulsen zu steuern. Diese Technik nennt sich Optogenetik

Pascal Gugler
Antoine Adamantidis,Forschungsleiter: «Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Schlaf-Wach-Zyklus der Schlüssel zu neuen Schlaftherapien in einer zunehmend schlaflosen Gesellschaft ist.»

Antoine Adamantidis,Forschungsleiter: «Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Schlaf-Wach-Zyklus der Schlüssel zu neuen Schlaftherapien in einer zunehmend schlaflosen Gesellschaft ist.»

Tanja Läser
Forscher des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern fanden heraus: Der Vorgang des Einschlafens und Aufwachens wird von einem einzigen Gehirnareal gesteuert.

Forscher des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern fanden heraus: Der Vorgang des Einschlafens und Aufwachens wird von einem einzigen Gehirnareal gesteuert.

Keystone/Manuel Lopez

Jede Nacht schlafen die meisten Menschen mehrere Stunden und irgendwann wachen sie auf. Wie das Gehirn diesen Schlaf-Wach-Zyklus steuert, ist bislang unklar. Lange nahm die Wissenschaft an, dass für diesen Prozess mehrere Teile des Gehirns benötigt werden. Forscher des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern fanden nun heraus: Der Vorgang wird von einem einzigen Gehirnareal gesteuert.

Zellen mit Lichtimpulsen steuern

Der Prozess des Einschlafens und Aufwachens wird demnach von Nervenzellen im Thalamus in die Wege geleitet, wie die Uni Bern in einer Mitteilung schreibt. Während der Untersuchungen versuchte das Forschungsteam um Antoine Adamantidis, die thalamischen Nervenzellen von Mäusen mit Lichtimpulsen zu steuern.

Ergebnis: Wenn sie die Nervenzellen mit regelmässigen, lang andauernden Impulsen stimulierten, wachten die Tiere auf. Wenn sie langsame, rhythmische Impulse verwendeten, hatten die Mäuse einen tieferen und erholsameren Schlaf.

Menschen schlafen 20 Prozent weniger als vor 50 Jahren

Dies stellt in der Neurologie einen Quantensprung dar: Erstmals konnte eine Hirnregion bestimmt werden, die sowohl fürs Einschlafen als auch fürs Aufwachen zuständig ist. «Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Schlaf-Wach-Zyklus der Schlüssel zu neuen Schlaftherapien in einer zunehmend schlaflosen Gesellschaft ist», sagt Antoine Adamantidis. Denn: Die aktive Bevölkerung in unserer modernen Welt schlafe rund 20 Prozent weniger als vor 50 Jahren und leide unter chronischen Schlafstörungen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.