Umstrittene Methode - Forscher infizieren Genesene absichtlich erneut mit Sars-CoV-2
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Umstrittene MethodeForscher infizieren Genesene absichtlich erneut mit Sars-CoV-2

Sie machen es schon wieder. Britische Forschende planen nun junge Menschen, die eine Coronavirusinfektion schon einmal überstanden haben, erneut zu infizieren.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Gewagte Studie: Forschende der University of Oxford wollen junge Menschen, die bereits eine Infektion überstanden haben, erneut anstecken. 

Gewagte Studie: Forschende der University of Oxford wollen junge Menschen, die bereits eine Infektion überstanden haben, erneut anstecken.

Youtube/University of Oxford
Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, welche Art von Immunreaktion Menschen vor einer erneuten Infektion schützen kann. Das Vorgehen ist umstritten, denn niemand kann garantieren, dass es bei den Probanden nicht zu Langzeitschäden kommt.

Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, welche Art von Immunreaktion Menschen vor einer erneuten Infektion schützen kann. Das Vorgehen ist umstritten, denn niemand kann garantieren, dass es bei den Probanden nicht zu Langzeitschäden kommt.

Youtube/University of Oxford
Das Vorgehen ist laut Studienleiterin Helen McShane eine wichtige Voraussetzung: «Die Challenge-Studien ermöglichen uns Erkenntnisse, die andere Studien nicht liefern können, weil sie im Gegensatz zur natürlichen Infektion streng kontrolliert sind.» 

Das Vorgehen ist laut Studienleiterin Helen McShane eine wichtige Voraussetzung: «Die Challenge-Studien ermöglichen uns Erkenntnisse, die andere Studien nicht liefern können, weil sie im Gegensatz zur natürlichen Infektion streng kontrolliert sind.»

Youtube/University of Oxford

Darum gehts

  • Erneut wollen britische Forscher Freiwillige mit Sars-CoV-2 infizieren.

  • Anders als bei einer früheren Studie soll es sich bei den Teilnehmern um von Covid-19 Genesene handeln.

  • Ziel ist es, mehr über Re-Infektionen mit dem Coronavirus zu erfahren.

Als Forschende der University of Oxford im Jahr 2020 ankündigten, gesunde Freiwillige, die kurz zuvor einen potenziellen Covid-19-Impfstoff erhalten hatten, bewusst Sars-CoV-2 aussetzen zu wollen, erlebten sie Gegenwind. Denn Human-Challenge-Studien sind umstritten. Schliesslich können – insbesondere bei einem Erreger wie dem neuartigen Coronavirus – Spät- oder Langzeitfolgen nie ganz ausgeschlossen werden.

Das Team liess sich davon nicht beirren: Im März 2020 starteten die Versuche. Doch dabei belassen es die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht. Nun wollen sie auch noch Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die bereits eine Infektion überstanden haben, erneut anstecken. Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, welche Art von Immunreaktion Menschen vor einer erneuten Infektion schützen kann.

Fixes Vorgehen

Die Phase-1-Studie läuft dieser Tage an, teilt die Hochschule mit. In dieser soll ermittelt werden, welche Virusmenge es für eine erneute Infektion mit dem Coronavirus braucht – und zwar so, dass Sars-CoV-2 sich in ihnen zwar vermehrt, aber keine schweren Symptome auslöst.

In der zweiten Studienphase sollen alle Teilnehmer dieser Dosis ausgesetzt werden, damit die Forschenden deren Immunreaktion studieren können. Dies alles geschehe in einer «sicheren und überwachten Umgebung», versichern die Verantwortlichen.

Laut Mitteilung werden die Freiwilligen mit dem Ursprungsvirus aus dem chinesischen Wuhan infiziert und anschliessend ein Jahr lang medizinisch begleitet. Als Aufwandsentschädigung erhalten die Probanden je knapp 5000 Pfund, umgerechnet rund 5770 Euro.

Grosse Hoffnungen

Studienleiterin Helen McShane betont die Bedeutung des Vorgehens ihres Teams: «Die Challenge-Studien ermöglichen uns Erkenntnisse, die andere Studien nicht liefern können, weil sie im Gegensatz zur natürlichen Infektion streng kontrolliert sind.» Durch die erneute Infektion der Teilnehmer «wissen wir genau, wie ihr Immunsystem auf die erste Covid-19-Infektion reagiert hat, wann genau die zweite Infektion auftritt und wie viel vom Virus sie genau abbekommen haben.»

Dieses Wissen dürfte laut McShane zu einer grundlegenden Verbesserung des Verständnisses für Erreger und Krankheit führen. Weiter könnte es bei der Einschätzung helfen, wie gut Menschen nach überstandener Sars-CoV-2-Infektion gegen eine erneute Ansteckung geschützt sind.

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