Aktualisiert 11.11.2016 11:45

Menschliches VerhaltenForscher kitzeln Ratten in Ekstase

Warum wir kitzlig sind, ist nach wie vor unklar. In Berlin haben Neurobiologen nun Ratten gekitzelt – und dabei mehrere Parallelen zum Menschen entdeckt.

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Warum sind wir eigentlich kitzelig? Berliner Forscher wollen es ganz genau wissen. (Video: Science/Michael Brecht & Shimpei Ishiyama)

Ratten sind laut einer Studie von Berliner Forschern je nach Stimmung mehr oder weniger kitzlig. In einer entspannten Situation reagierten die Tiere unter anderem mit Freudensprüngen und mit speziellen Rufen, wenn die Forscher sie kitzelten. Bei verängstigten Ratten waren solche Verhaltensweisen unterdrückt.

Ähnlich wie beim Menschen waren manche Körperteile der Ratten auch kitzliger als andere, schreiben Michael Brecht und Shimpei Ishiyama von der Berliner Humboldt-Universität (HU) im Fachblatt «Science». Sehr kitzlig war zum Beispiel der Bauch.

Kitzel-Stelle im Gehirn gefunden

Neben dem Verhalten der vier bis fünf Versuchstiere analysierten die Forscher auch die Vorgänge im Gehirn, während sie die Ratten kitzelten. Besonders stark reagierten Nervenzellen in jenem Gehirnareal, das unter anderem Berührungen verarbeitet. «Es sieht so aus, als hätten wir die kitzlige Stelle im Gehirn gefunden», so Brecht in einer Mitteilung.

K.o. durch kitzeln

Eine elektrische Reizung der Nervenzellen in dieser Hirnregion reichte aus, um – wie das händische Kitzeln – «Lachen» bei den Ratten auszulösen.

Forscher kitzeln Ratten in Ekstase II

Klicken auf eigene Gefahr: Das Quieken der kitzeligen Ratten ist ansteckend. (Video: Science/Michael Brecht & Shimpei Ishiyama)

Angst unterdrückt die Reaktion

Wenn die Tiere jedoch Angst haben, reagieren die Zellen laut Brecht nicht gut. Dieses Gefühl hatten die Forscher erzeugt, indem sie die Ratten statt in einer Box auf einem erhöhten Podest und unter starker Beleuchtung kitzelten. Dass Ratten so eine Situation nicht mögen und erstarren, sei bekannt gewesen. Schon Charles Darwin hätte vermutet, dass das Lachen beim Kitzeln von der Stimmung abhängt.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Ratten mit Rufen in bestimmter Frequenz reagieren, wenn sie gekitzelt werden. Um dieses «Lachen» wahrnehmen zu können, ist ein spezielles Mikrofon nötig. Für Brecht erstaunlich war die Freude der Tiere bei den Versuchen: Sie hätten den Kitzel regelrecht gesucht, sagte der Wissenschaftler.

Die Ratten vollführten Sprünge, die von anderen Säugetieren als Zeichen für positive Gefühle bekannt seien. Und sie jagten der kitzelnden Hand wie einem Spielgefährten hinterher.

Forscher kitzeln Ratten in Ekstase I

Von Angst keine Spur: Die Hand des Forschers erscheint der Ratte als sehr reizvoll. (Video: Science/Michael Brecht & Shimpei Ishiyama)

Kitzeln und Spielen

Auffällig aus Sicht der Forscher: Die Zellen im Gehirn, die auf Kitzeln reagierten, waren auch bei spielerischen Momenten ohne Kontakt zur Hand besonders aktiv. «Wir glauben, dass es Gemeinsamkeiten im Gehirn gibt zwischen den Mechanismen von Kitzeln und Spielen», so Brecht.

Für ihn ein Hinweis auf eine mögliche Funktion von Kitzligkeit: «Was ich mir denke, ist, dass Kitzeln ein Trick des Gehirns ist, um Tiere oder Menschen miteinander interagieren beziehungsweise spielen zu lassen.»

Dabei bleiben die grundlegenden Mechanismen hinter dem Phänomen laut den Forschern weiter unbekannt. An zahlreichen Fragen hat sich die Wissenschaft bereits abgearbeitet. Studien widmeten sich etwa der Frage, warum sich der Mensch nicht selbst kitzeln kann. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Mechanismus im Gehirn den Menschen beim Selbst-Kitzeln vor dem bevorstehenden Reiz warnt – und damit den Spass nimmt.

Untersucht ist auch, dass zum Beispiel junge Schimpansen und Gorillas vergleichbare Kicheranfälle beim Kitzeln bekommen wie Kleinkinder. Das Kitzeln gehört demnach auch bei Affen zum natürlichen Verhalten beim Spielen.

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Um mehr über die Kitzligkeit des Menschen herauszufinden, sind Forscher der Berliner Humbold Universität ungewöhnliche Wege gegangen.

Um mehr über die Kitzligkeit des Menschen herauszufinden, sind Forscher der Berliner Humbold Universität ungewöhnliche Wege gegangen.

Youtube/BernsteinNetwork
Für ihre Studie kitzelten die Neurobiologen Ratten und zeichneten gleichzeitig die Vorgänge in deren Gehirnen auf. Dies offenbar mit Erfolg, wie die Hochschule mitteilte. Demnach sieht es ganz so aus, als hätten die Forscher die kitzlige Stelle im Gehirn gefunden.

Für ihre Studie kitzelten die Neurobiologen Ratten und zeichneten gleichzeitig die Vorgänge in deren Gehirnen auf. Dies offenbar mit Erfolg, wie die Hochschule mitteilte. Demnach sieht es ganz so aus, als hätten die Forscher die kitzlige Stelle im Gehirn gefunden.

HU, Shimpei Ishiyama & Michael Brecht
«Die Ähnlichkeit von Zellantworten beim Kitzeln und Spielen ist bemerkenswert. Vielleicht dient Kitzeln dazu, Individuen zum gemeinsamen Spielen zu bringen und gewinnt dadurch für das soziale Miteinander an Bedeutung», zitiert die Universität Studienleiter Michael Brecht.

«Die Ähnlichkeit von Zellantworten beim Kitzeln und Spielen ist bemerkenswert. Vielleicht dient Kitzeln dazu, Individuen zum gemeinsamen Spielen zu bringen und gewinnt dadurch für das soziale Miteinander an Bedeutung», zitiert die Universität Studienleiter Michael Brecht.

Youtube/BernsteinNetwork

(fee/sda)

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