Durchbruch: Forscher klonen menschlichen Embryo

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DurchbruchForscher klonen menschlichen Embryo

Erstmals ist es Wissenschaftlern gelungen, durch Klonen menschliche Stammzellen herzustellen. Forscher erhoffen sich davon wichtige Schritte in der Behandlung von schweren Krankheiten.

von
bro
Das von Mitalipovs Gruppe angewandte Verfahren ähnelt dem Ansatz, der 1996 zur Schaffung des Klonschafes Dolly führte.

Das von Mitalipovs Gruppe angewandte Verfahren ähnelt dem Ansatz, der 1996 zur Schaffung des Klonschafes Dolly führte.

Forscher in den USA haben nach eigenen Angaben erstmals menschliche Klon-Embryonen hergestellt und daraus Stammzellen gewonnen. Sie nutzten dazu ein Verfahren, das auch zum Klonschaf Dolly führte, möchten aber ausdrücklich keine Klonmenschen herstellen.

Die neuen Zellen könnten theoretisch jedoch in jede beliebige Art von Körperzellen transformiert werden - und so künftig einmal kranke oder verletzte Zellen ersetzen.

Die Forscher der Oregon Health & Science University in Portland sprachen am Mittwoch von einem Durchbruch. Man sei der Heilung von Krankheiten wie Parkinson, Multipler Sklerose, Herzkrankheiten und von Verletzungen des Rückenmarks deutlich näher gerückt.

«Zu viel Hype»

Der renommierte Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle reagierte dagegen verhalten und warnte «vor zu viel Hype». «Ich bin skeptisch, ob uns das im therapeutischen Bereich weiterbringt», sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur DPA. Es handle sich um einen grundlagenwissenschaftlichen Befund.

Forschung in der Schweiz verboten

Auch ethisch seien solche Forschungen problematisch. Es stehe die Frage im Raum: «Dürfen solche 'Forschungsembryonen' hergestellt werden?», sagte Brüstle. Die Schweizer Verfassung ist hier sehr deutlich: Artikel 119 hält fest, dass alle Arten von Klonen verboten sind. Die in der Studie verwendeten Eizellen wurden von gesunden Frauen gespendet - auch dies ist in der Schweiz verboten.

Erlaubt ist in der Schweiz - anders als in Deutschland - die Gewinnung von Stammzellen aus sogenannten «überzähligen» Embryonen unter strengen Voraussetzungen. «Überzählig» werden die Embryonen bei der künstlichen Befruchtung, wenn die Frau sie nicht für eine Schwangerschaft verwenden kann oder will.

Klonen von Menschen nicht möglich

Für das reproduktive Klonen, also das Kopieren von Menschen, tauge die Methode nicht, betonen die Forscher aus den USA - die vermutlich mit einer neuen ethischen Debatte gerechnet haben. Obwohl es seit Jahren versucht werde, sei es zudem noch nicht einmal gelungen, einen Affen zu klonen.

In den vergangenen Jahren scheiterten Forscherteams auf der ganzen Welt daran, das Verfahren mit menschlichen Zellen anzuwenden: Die Wissenschaftler in Oregon hatten Zellkerne aus Hautzellen entnommen und einer Eizelle eingepflanzt, aus der die Erbinformation zuvor entfernt worden war.

Aus der neuen Zelle entwickelte sich eine sogenannte Blastozyste, von der embryonale Stammzellen entnommen werden können. Die Technik beschreiben sie detailliert im Fachblatt «Cell».

«Eine gründliche Untersuchung der so gewonnenen Stammzellen hat ihre Fähigkeit bestätigt, sich wie normale embryonale Stammzellen in viele andere Zellarten zu verwandeln», sagte Forschungsleiter Shoukhrat Mitalipov laut Mitteilung. Sie könnten Nerven-, Leber-, Herz- und andere Zellen ersetzen, sagt er - ohne die Gefahr, dass Körper die mit seiner eigenen Erbinformation geschaffenen Zellen abstösst.

«Wissenschaftlicher Fortschritt»

Die Genfer Stammzellforscherin Marisa Jaconi beurteilt die Ergebnisse zurückhaltender. «Dies ist ein wissenschaftlicher Fortschritt, da es gelungen ist, den menschlichen Zellkern zurückzuprogrammieren», sagte sie am Donnerstag zur Nachrichtenagentur SDA. «Ob dies aber auch ein medizinischer Fortschritt ist, da bin ich nicht sicher.»

Nun könne man die geklonten Zellen mit den ethisch unbedenklichen Stammzellen vergleichen, die aus zurückprogrammierten Körperzellen gewonnen werden (iPS). Womöglich lerne man daraus, wie sich iPS leichter oder besser herstellen lassen.

Das Potenzial des Klonens für Therapien hält Jaconi für gering - zu teuer und ethisch bedenklich sei die Methode, für die Frauen ihre Eizellen spenden müssten. Wichtig sei es nun zu verhindern, dass «Gruppen ohne ethisches Gewissen» diese Resultate für Versuche missbrauchten, um Menschen zu klonen, und geklonte Embryonen in Frauen einsetzen.

Gefälschte Ergebnisse

Die Experimente in den USA ähneln einem Ansatz, mit dem vor fast zehn Jahren der südkoreanische Stammzellforscher Hwang Woo Suk für grosses Aufsehen sorgte. Seine Ergebnisse stellten sich im Nachhinein jedoch als gefälscht heraus. Nach Angaben von Brüstle haben die Forscher in den USA jetzt das angewandte Verfahren optimiert.

(bro/sda)

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