Wirkung bei Menschen unklar: Forscher korrigieren Echinaforce-Studie
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Wirkung bei Menschen unklarForscher korrigieren Echinaforce-Studie

Das Naturheilmittel soll Coronaviren abtöten: Diese Schlagzeile elektrisierte die Schweiz. Jetzt haben die Forscher eine Klarstellung veröffentlicht.

von
Pascal Michel
Im September fragte 20 Minuten Kunden von Apotheken, was sie vom Echinaforce-Hype halten.

Darum gehts

  • Echinaforce als Mittel gegen Corona?

  • Diese Frage beschäftigte die Schweiz Mitte September.

  • Jetzt haben die Autoren der betreffenden Studie eine Klarstellung veröffentlicht.

  • Sie betonten nochmals, eine Wirkung beim Menschen müsse erst klinisch untersucht werden.

Die Aufregung um den Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) Mitte September war riesig. Die Neuigkeit war auch bahnbrechend: Forscher des Labors Spiez hatten in einer Studie gezeigt, dass das Präparat aus der Pflanze, das Mittel Echinaforce des Herstellers A. Vogel, Coronaviren in der Petrischale abtötet. Die Arbeit hatten die Wissenschaftler im Magazin «Virology» veröffentlicht.

Prompt war vom «Thurgauer Wundermittel», das gegen Corona wirke sowie einer «Sensationsstudie» die Rede. Auch 20 Minuten berichtete. Noch am selben Tag stürmten Kunden die Apotheken. «Sie reissen uns Echinaforce aus den Händen», sagte ein Apotheker. Auf der Auktionsplattform Ricardo wurde das angebliche Wundermittel zu Wucherpreisen herumgeboten.

Klarstellung in Fachmagazin veröffentlicht

Rasch kam aber auch Kritik an der Interpretation der Studie, der Verbandelung der Autoren mit A. Vogel sowie den Schlussfolgerungen der Autoren auf. Zwar betonten die Forscher in ihrer Studie, sie lasse nur eine Aussage über die Wirkung von Echinaforce im Labor (in vitro) zu, ob es auch beim Menschen wirke, sei nicht bewiesen. Trotzdem hielten sie in der Schlussfolgerung an der Formulierung fest, die Erwartungen weckte: nämlich, dass Echinaforce potenziell eine zugängliche und günstige prophylaktische Behandlung für Coronavirus-Infektionen bieten könne. Die Forscher nahmen gegenüber 20 Minuten hier Stellung.

Jetzt sahen sich die Autoren genötigt, im «Virology»-Magazin eine «Correction» zu ihrer ursprünglichen Studie nachzureichen. Diese ist online und in der aktuellen Ausgabe vom 9. November erschienen. «Wir möchten betonen, dass es für die virenabtötende Aktivität direkten Kontakt (zwischen Viruspartikeln und der Echinaforce-Lösung) braucht. Da Echinaforce aber oral eingenommen wird, ist es unklar, wie relevant (die Wirkung) für In-vivo-Situationen, also beim Menschen, ist.»

Es gebe Daten zu einem möglichen Nutzen bei regelmässiger Echinaforce-Einnahme für Atemwegtrakt-Infektionen. «Wir möchten betonen, dass alle Hypothesen, die über die Wirkung von Echinaforce beim Menschen gegen Sars-CoV-2 gemacht wurden, Theorien sind, die in klinischen Studien bewiesen werden müssen.»

War es der Alkohol, der das Virus tötete?

Kritiker hatten den Autoren des Labors Spiez auch vorgeworfen, die für die Versuche verwendete Ethanollösung habe wohl eher das Virus abgetötet, nicht Echinaforce selbst. Dazu haben die Forscher nun neue Daten veröffentlicht, indem sie untersuchten, ob die gewählte Ethanolkonzentration allein die relevanten Coronaviren abtötet. Fazit: Das Ethanol hatte auf die Viren keine signifikante Wirkung.

Vom «Hype» am meisten profitiert haben dürfte der Hersteller selbst. Wie viel zusätzlichen Umsatz die Aufmerksamkeit für das Produkt in die Kassen von A. Vogel gespült hat, ist nicht bekannt. Um sich nicht dem Verdacht der unzulässigen Publikumswerbung auszusetzen, hat sich die Firma nie zur Studie geäussert.

Wichtiger Hinweis

«Die Wirkung von Echinaforce gegen das Coronavirus ist bisher nur im Labor an Zellkulturen (in vitro) erwiesen. Dies sagt noch nichts darüber aus, ob und in welchem Ausmass das Mittel gegen das Coronavirus beim Menschen nützt. Als Corona-Medikament ist es ausdrücklich nicht zugelassen, wie die Heilmittelbehörde Swissmedic betont (siehe mehr unter dem folgenden Link).»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Pro Juventute, Tel. 147

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