Neues Verfahren: Forscher lassen CO2 zu Fels erstarren
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Neues VerfahrenForscher lassen CO2 zu Fels erstarren

Statt in die Atmosphäre zu entweichen, könnte CO2 künftig permanent in vulkanischem Gestein gelagert werden.

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jcg
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Forscher haben in Island C02 in vulkanisches Gestein gebunden. Das Kohlendioxid stammt aus dem Geothermie-Kraftwerk Hellisheidi (Bild) in Island. Das 25 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik gelegene Kraftwerk produziert pro Jahr etwa 40'000 Tonnen CO2.

Forscher haben in Island C02 in vulkanisches Gestein gebunden. Das Kohlendioxid stammt aus dem Geothermie-Kraftwerk Hellisheidi (Bild) in Island. Das 25 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik gelegene Kraftwerk produziert pro Jahr etwa 40'000 Tonnen CO2.

AP/Brennan Linsley
So sieht das Gestein aus, in dem das CO2 gebunden ist.

So sieht das Gestein aus, in dem das CO2 gebunden ist.

Carbon capture rock (Image: Annette K. Mortensen/University of Southampton
Die Co-Autorin Sandra Snaebjornsdottir mit einem Bohrkern des Gesteins. Das eingespritzte CO2 brauchte nur zwei Jahre, um sich permanent in dem Gestein zu binden.

Die Co-Autorin Sandra Snaebjornsdottir mit einem Bohrkern des Gesteins. Das eingespritzte CO2 brauchte nur zwei Jahre, um sich permanent in dem Gestein zu binden.

AFP/Kevin Krajick

Eine vieldiskutierte Möglichkeit, den Klimawandel einzudämmen, wäre es, der Atmosphäre einen Teil des bereits ausgestossenen CO2 wieder zu entziehen. Ein internationales Forscherteam um den Schweizer Jürg Matter zeigt nun erstmals, dass sich das Treibhausgas in vulkanischem Fels mineralisieren lässt.

Wie die Forschenden im Fachjournal «Science» zeigen, reagiert das Kohlendioxid mit dem umgebenden Fels und bildet innerhalb kurzer Zeit umweltverträgliche Verbindungen. CO2 liesse sich so permanent binden.

Beim Carbon Capture and Storage (CCS) genannten Vorgehen hingegen wird der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen und permanent unterirdisch gelagert. Als Gas in Hohlräume gepumpt, könnte es jedoch wieder entweichen. Deshalb prüfen Forscher die Alternative, den Kohlenstoff in mineralisierter Form zu binden. Bisher nahm man jedoch an, dass dieser Prozess Hunderte bis Tausende von Jahren bräuchte.

In weniger als zwei Jahren

Bei der nun erschienenen Studie erfolgte die Mineralisierung jedoch unglaublich schnell, wie die University of Southampton mitteilte, an der der Studienautor Matter forscht. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass zwischen 95 und 98 Prozent des eingespritzten CO2 innerhalb von weniger als zwei Jahren mineralisiert wurde», liess sich Matter zitieren.

Erfolgreich war das Unterfangen insbesondere wegen des gewählten Gesteins: Das Gas wurde – in Wasser gelöst – 400 bis 800 Meter tief in vulkanischen Fels in Island gespritzt, der bis zu 90 Prozent aus Basalt besteht. Basalt wiederum ist reich an Kalzium, Magnesium und Eisen, die nötig sind, um Kohlendioxid in Form von Karbonatmineralien zu binden.

Mithilfe chemischer Substanzen verfolgten die Forschenden, wie sich die Zusammensetzung des Wassers mit der Zeit veränderte. Ihre Resultate deuten darauf hin, dass der Grossteil des CO2 binnen zwei Jahren mineralisiert war.

Emissionen senken und CO2 binden

Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich die Länder darauf geeinigt, die Klimaerwärmung auf höchstens 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Temperatur zu begrenzen. Dazu müssen die CO2-Emissionen der Menschheit laut Experten im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf null gesenkt werden.

Parallel zu den Bemühungen, den Treibhausgas-Ausstoss zu bremsen, werden auch Möglichkeiten untersucht, der Atmosphäre bereits ausgestossenes CO2 wieder zu entziehen. Dies aufgrund der Befürchtung, dass sich die Emissionen nicht schnell genug senken lassen. (jcg/sda)

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