Ausbalanciert: Forscher leihen Roboter ein menschliches Gehirn

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AusbalanciertForscher leihen Roboter ein menschliches Gehirn

Die meisten Roboter haben mit dem Gleichgewicht zu kämpfen und kippen deshalb oft um. Anders der neue Roboter des MIT: Er ist so agil wie das Karate Kid.

Der ferngesteuerte MIT-Roboter Hermes kann im Gegensatz zu autonomen Maschinen auch schwierige Aufgaben lösen. (Video: Youtube/MIT)

Beim Laufen verheddern sich ihre Füsse oder sie kippen auch einfach so schon um: Stolpernde Roboter haben Anfang Juni bei einem Wettbewerb in den USA für viele Lacher gesorgt. Der Grund: Für völlig autonome Maschinen können selbst einfache Aufgaben wie Treppensteigen zur Odyssee werden. Der Roboter namens Hermes aus dem Labor des Massachusetts Institute of Technology (MIT) kann das besser – dank eines menschlichen Gehirns.

Die Forscher am MIT verfolgen damit einen neuen Ansatz: Statt eine völlig autonome Maschine zu entwickeln, setzen sie bei ihrem Roboter auf eine Vernetzung mit dem menschlichen Gehirn. So wird die Maschine per Exoskelett gesteuert. Der Operateur leiht dem Roboter also seine menschlichen Reflexe, etwa den Gleichgewichtssinn. «Wir müssen uns nicht anstrengen, um zu laufen. Doch einem Roboter das Gehen beizubringen, ist schwer», sagt Joao Ramos, der das Hermers-Projekt leitet.

Der Kung-Fu-Roboter

In einem Video (siehe oben) zeigen die Forscher, was sie mit der Verknüpfung von Gehirn und Roboter bisher erreicht haben. So demoliert Hermes zum Beispiel Getränkedosen und schlägt wie ein Kung-Fu-Meister durch eine dünne Holzwand. Er erfüllt aber auch feinmotorische Aufgaben wie das Einschenken von Kaffee in einen Becher.

Die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter ist aber keine einseitige: So fühlt Ramos, der den Roboter im Video steuert, nach dem Schlag durch die Wand einen leichten Ruck an der Hüfte. Der Forscher lehnt sich etwas zurück – und der Roboter macht es ihm nach, gleicht so den Schlag aus und behält das Gleichgewicht.

Alles fühlen und sehen

Das Ziel der Forscher ist, dass Hermes später einmal als Roboter in Katastrophengebieten eingesetzt wird. Dort soll er das Gebiet gefahrenlos absuchen können – gesteuert von einem Menschen aus der Ferne. «Der Operateur soll dabei einen Ganzkörperanzug und eine Cyberbrille tragen: So würde er die Umwelt des Roboters fühlen und sehen können», erklärt Ramos.

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