Molekularer Schalter: Forscher lüften Rätsel um Chlorakne
Aktualisiert

Molekularer SchalterForscher lüften Rätsel um Chlorakne

Der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko litt nach einer Dioxinvergiftung an Chlorakne. Zürcher Forscher haben nun entdeckt, wie die Krankheit entsteht.

von
lmm
Gezeichnet von der Krankheit: Wiktor Juschtschenko, von 2005 bis 2010 Präsident der Ukraine.

Gezeichnet von der Krankheit: Wiktor Juschtschenko, von 2005 bis 2010 Präsident der Ukraine.

Zürcher Forscher haben zufällig einen Mechanismus entdeckt, der das Entstehen von Chlorakne erklärt. Chlorakne ist eine Hautkrankheit, die nach Vergiftungen zum Beispiel mit Dioxin entsteht - bekanntestes Opfer ist der ehemalige Präsident der Ukraine, Wiktor Juschtschenko, der 2004 Ziel eines Dioxinanschlags wurde.

Das Team um Sabine Werner von der ETH Zürich hat nun entdeckt, dass ein molekularer Schalter nach längerer und verstärkter Aktivierung bei Mäusen ein vergleichbares Hautbild verursacht wie Chlorakne beim Menschen. Sie berichten darüber im Fachjournal «Embo Molecular Medicine».

Einsatz bei Krebsvorbeugung möglich

Das betreffende Molekül heisst Nrf2. Es wird unter anderem vom Zürcher Team in Verbindung mit verschiedenen Erkrankungen der Haut erforscht. Eine moderate Aktivierung von Nrf2 schützt die Haut vor UV-Schäden, indem es sie vor aggressiven freien Radikalen schützt, wie die ETH Zürich am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb.

Nrf2 wäre deshalb ein interessanter Kandidat für den Einsatz bei der Krebsvorbeugung. Allerdings bewirkt eine zu starke Aktivierung das Gegenteil: Die Haut wird schuppig und erleidet Schäden. Also schauten die Forschenden, was bei genetisch veränderten Mäusen geschieht, deren Hautzellen Nrf2 dauerhaft aktivieren.

Zysten wie bei Dioxinopfern

Es zeigte sich, dass die Tiere Hautveränderungen entwickelten, die denjenigen von Dioxinopfern frappant ähnelten, wenn auch mit schwächerer Ausprägung. Die Talgdrüsen sonderten übermässig viel Talg ab, die Haarfollikel verdickten und verhornten. Das führte schliesslich zur Bildung von Zysten.

In einem weiteren Schritt überprüften die Wissenschaftler Gewebeproben von Chlorakne-Patienten. Dabei zeigte sich, dass auch bei ihnen die gleichen Proteine verstärkt gebildet werden und die Vorgänge demnach beim Menschen ähnlich ablaufen wie bei den Mäusen.

Nicht für Therapie geeignet

Als Ansatz für eine künftige Therapie der Chlorakne eigne sich das Molekül allerdings nicht, betonen die Forscher. Es wird als Entgiftungsmechanismus benötigt und sollte vermutlich nicht abgeschaltet werden.

Wiktor Juschtschenko dürfte das bekannteste Dioxinopfer sein. Der Politiker überlebte damals zwar den Anschlag, war aber von der durch die Vergiftung entstandene Chlorakne schwer entstellt: Sein Gesicht war übersät mit zahlreichen Zysten, die tiefe Narben zurückliessen. (lmm/sda)

Deine Meinung