10.03.2020 19:02

KleinasienForscher stossen auf vergessenes antikes Reich

In Anatolien haben Forscher Hinweise auf eine rätselhafte Zivilisation entdeckt. Unter einem Hügel vermuten sie Paläste und Häuser der Hauptstadt.

von
jcg
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Dieser Stein mit einer Inschrift hat Archäologen auf die Spur eines antiken Königreichs gebracht.

Dieser Stein mit einer Inschrift hat Archäologen auf die Spur eines antiken Königreichs gebracht.

James Osborne
Den Fund machten die Forscher unweit der Ausgrabungsstätte beim Siedlungshügel Türkmen-Karahöyük in der Konya-Ebene.

Den Fund machten die Forscher unweit der Ausgrabungsstätte beim Siedlungshügel Türkmen-Karahöyük in der Konya-Ebene.

James Osborne
Die Konya-Ebene liegt im Zentrum Anatoliens.

Die Konya-Ebene liegt im Zentrum Anatoliens.

Der Zufallsfund eines Bauern in der Konya-Ebene im Zentrum Anatoliens hat Archäologen auf die Spur eines bisher unbekannten Königreichs gebracht. Der Bauer hatte im letzten Jahr in einem Bewässerungsgraben unweit der Ausgrabungsstätte Türkmen-Karahöyük einen Stein mit einer für ihn unbekannten Inschrift gefunden. Für die einige Zeit später benachrichtigten Archäologen war die Schrift dagegen alles andere als unbekannt.

Der in den Stein gemeisselte Text war in Luwisch verfasst. «Eine Sprache, die in der Bronze- und Eisenzeit in dieser Region verwendet wurde», wie James Osborne, Archäologe der Universität Chicago, in einer Mitteilung schreibt. Mit seinem Traktor half der Bauer den Archäologen, den schweren Stein aus dem Graben zu ziehen, wie Livescience.com schreibt.

Krieg gegen die Phrygier

Der Stein erzählt die Geschichte eines Krieges, der vor über 2700 Jahren in dieser Gegend geführt würde. Der Verlierer des Krieges war demnach König Midas, Herrscher über die Phrygier, dessen Reich nicht weit entfernt von Türkmen-Karahöyük lag. In der griechischen Mythologie wurde alles, was Midas berührte, zu Gold.

Das Schicksal von Midas wurde auf dem Stein wie folgt beschrieben: «Die Sturmgötter haben die [gegnerischen] Könige seiner Majestät ausgeliefert.» Das dürfte bedeuten, dass Midas in die Hände seiner Feinde geriet.

Mysteriöser König Hartapu

Die Inschrift wurde laut den Forschern von einem König Hartapu in Auftrag gegeben. Über den Namen Hartapu waren die Forscher früher bereits in einer Inschrift auf einem Vulkan etwa 16 Kilometer südlich von Türkmen-Karahöyük gestolpert. Diese Inschrift verriet aber nicht, wer Hartapu war oder über welches Königreich er herrschte. «Wir hatten bislang keine Ahnung von diesem Königreich», sagt Osborne. «Auf einmal ergibt sich ein völlig neues Bild über Kleinasiens Eisenzeit.»

Nun gehen die Forscher davon aus, dass das Königreich zwischen dem 9. und 7. Jahrhundert vor Christus existierte. Die Überreste der Hauptstadt von Hartapus Reich vermuten sie unter dem Siedlungshügel Türkmen-Karahöyük. Aufgrund bisheriger Funde dürfte sie eine Fläche von rund 1,25 Quadratkilometern bedeckt haben. Das macht sie zu einer der grössten Siedlungen in der antiken Türkei.

Die Forscher planen nun weitere Ausgrabungen beim Türkmen-Karahöyük. «In diesem Hügel dürften sich Paläste, Denkmäler und zahlreiche Häuser befinden», ist der Archäologe überzeugt. «Der Stein war ein wunderbarer, unglaublich glücklicher Fund – aber er ist nur der Anfang.»

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