Präventions-App: Forscher warnen vor dem Vorglühen bei Alkohol
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Präventions-AppForscher warnen vor dem Vorglühen bei Alkohol

Nicht nur Jugendliche, auch Erwachsene trinken gerne schon vor dem Ausgang Alkohol. Wissenschaftler schlagen vor, mittels App vor übermässigem Konsum zu warnen.

von
nj

«Sie haben drei Gläser Wein getrunken. Damit haben Sie bereits ein erhöhtes Unfallrisiko»: Solche Warnungen könnten Schweizer im Ausgang künftig über ihr Smartphone erhalten. Die Idee einer Präventions-App stammt von einem internationalen Team von Wissenschaftlern, das das Trinkverhalten junger Schweizer unter die Lupe genommen hat. Die 183 Teilnehmer wurden gebeten, während fünf Wochen jeweils am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend anzugeben, wo, mit wem sie wie viel Alkohol konsumieren. Rekrutiert wurden die durchschnittlich 23 Jahre alten Männer und Frauen an zwei Hochschulen und an einer Berufsschule in Lausanne und Genf.

Besonders im Fokus stand das sogenannte Vorglühen, also der Alkoholkonsum zuhause, bevor man in den Ausgang geht. Dabei zeigte sich: Wer daheim schon bechert, trinkt über den ganzen Abend verteilt rund doppelt so viel wie jene, die entweder nur im privaten Rahmen oder nur in Clubs und Bars konsumieren. Frauen, die vorglühten, kamen so auf durchschnittlich sechs Gläser Alkohol pro Trinkgelegenheit, die Männern kippten acht Gläser.

«Damit ist das risikoreiche Trinken praktisch der Normalfall bei jungen Erwachsenen», sagt Studienautor Emmanuel Kuntsche. Als unbedenklich gelten zwei kleine Gläser bei Frauen und drei bei Männern pro Tag. «Danach steigt das Risiko, einen Unfall zu erleiden, sprunghaft an.» Einige haben diese Werte aber weit überschritten: Ein Teilnehmer trank an einem Abend 23 Gläser alkoholische Getränke.

«Handy-App soll vor zu viel Promille bewahren»

Kuntsche ist überzeugt, dass sich die meisten gar nicht darüber bewusst sind, wieviel Alkohol sie zwischen dem ersten Glas Wein beim Abendessen und dem Absacker in der letzten Bar zu sich nehmen. Er schlägt deshalb eine Handy-App vor, in der jeder Drink eingegeben wird. «So könnten die für Studienzwecke erfassten Daten auch gleich zur Prävention genutzt werden, in dem etwa Warnungen eingebaut werden, sobald die erhobene Trinkmenge einen zuvor definierten Grenzwert überschreitet.

Beim Blauen Kreuz ist man skeptisch: «Die Erfahrung hat gezeigt, dass Leute im Ausgang wenig Interesse daran haben, laufend anzugeben, wie viel sie schon getrunken haben», so Mediensprecher Philipp Frei. Unterschätzen dürfe man das regelmässige Zuviel an Alkohol aber keinesfalls: «Wenn man am Wochenende zum Essen schon trinken muss, um sich zu entspannen und gute Laune zu bekommen, droht eine Abhängigkeit.»

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