Agroscope-Studie: Forscher weisen Rückstände von verbotenen Pestiziden in Schweizer Böden nach
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Agroscope-StudieForscher weisen Rückstände von verbotenen Pestiziden in Schweizer Böden nach

In einer grossangelegten Studie überprüften Forschende Äcker auf Pestizide. Dabei wurden Stoffe nachgewiesen, die in der Schweiz bereits verboten sind – auch auf Bio-Feldern.

von
Lucas Orellano
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In Schweizer Böden lässt sich eine Vielzahl von Pestiziden nachweisen.

In Schweizer Böden lässt sich eine Vielzahl von Pestiziden nachweisen.

Agroscope
Gesetzlich definierte Grenzwerte existieren, anders als etwa beim Trinkwasser, nicht.  

Gesetzlich definierte Grenzwerte existieren, anders als etwa beim Trinkwasser, nicht.

20 Minuten / Fee Anabelle Riebeling
So fanden die Forschenden Pestizid-Rückstände in 40 untersuchten Bio-Feldern, auch in Böden, die bereits seit über 20 Jahren ausschliesslich biologisch bewirtschaftet werden.

So fanden die Forschenden Pestizid-Rückstände in 40 untersuchten Bio-Feldern, auch in Böden, die bereits seit über 20 Jahren ausschliesslich biologisch bewirtschaftet werden.

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Darum gehts

  • Agroscope publizierte am Donnerstag eine Studie zu Pestizid-Rückständen in Schweizer Böden.

  • In Böden mit grosser Belastung leidet das Ökosystem, besonders Nutz-Pilze.

  • Pflanzenschutzmittel wurden teilweise auch in Feldern, die seit 20 Jahren biologisch bewirtschaftet werden, nachgewiesen.

Seit Mittwoch ist klar, dass das Schweizer Stimmvolk am 13. Juni über zwei Pestizid-Vorlagen abstimmen wird: die Trinkwasser-Initiative und die Pestizid-Initiative. Erstere verlangt, dass nur noch Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika verzichten. Letztere will den Einsatz von Pestiziden komplett verbieten.

Agroscope, das schweizerische Kompetenzzentrum für Landwirtschaft, publizierte am Donnerstag eine grossangelegte Studie , in der Rückstände von Pestiziden in Schweizer Böden analysiert werden. Demnach sind Reste von Pflanzenschutzmitteln weit verbreitet. Gesetzlich definierte Grenzwerte existieren, anders als etwa beim Trinkwasser, nicht.

So fanden die Forschenden Pestizid-Rückstände in 40 untersuchten Bio-Feldern, auch in Böden, die bereits seit über 20 Jahren ausschliesslich biologisch bewirtschaftet werden. Die Forschenden haben zwei Erklärungen dafür: Entweder stammen sie von benachbarten Feldern und wurden durch Wind oder Wasser eingetragen. Oder aber, sie stammen aus der Zeit, in der die Felder noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.

Langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem

Für die zweite Erklärung spricht die Erkenntnis, dass auch Rückstände von Pestiziden gefunden wurden, die in der Schweiz gar nicht mehr verwendet werden dürfen. Wie etwa Atrazin (seit 2012 verboten), Linuron (seit 2018 verboten) und Chlorpyrifos (seit 2020 verboten).

Die Menge an gefundenen Rückständen waren aber überwiegend gering, besonders auf den Bio-Böden. Negative Auswirkungen gibt es vor allem im mikrobiellen Bereich, beispielsweise für sogenannte Mykorrhiza-Pilze – Pilze, die mit Bäumen eine Symbiose eingehen. Das deute darauf hin, dass die Anwendung von Pestiziden langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem von Böden haben könnte.

In der Schweiz werden gemäss Agroscope jährlich bis zu 2000 Tonnen Pestizide verwendet. Die Studie konzentrierte sich auf 100 Acker- und Gemüsefelder in der ganzen Schweiz und untersuchte Proben auf Rückstände von 46 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln.

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