Dialektsammlung - So soll Siri Walliserdeutsch lernen
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DialektsammlungSo soll Siri Walliserdeutsch lernen

Ein Hochschul-Projekt will künstlicher Intelligenz Deutschschweizer Dialekte beibringen. Das Wallis zeigt sich besonders engagiert – wer dahinter steckt und was diese Mundart besonders macht.

von
Céline Krapf

Egon Werlen hat viel Zeit in das Projekt investiert und Hunderte Sätze aufgenommen.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die beiden Hochschulen ZHAW und FHNW arbeiten an einer Datensammlung von Schweizer Dialekten.

  • Mit den digitalisierten Dialekten sollen Computerprogramme wie Chatbots und Sprachassistenten trainiert werden.

  • Für das Projekt wurde ein Programm entwickelt, mit welchem Freiwillige eigene Audioaufnahmen erstellen können.

  • Ein Teilnehmer ist Egon Werlen: Der Walliser sorgt dafür, dass sein Kanton derzeit an der Spitze der Dialekt-Rangliste steht.

«Dialekt ist Identität», sagt der Visper Egon Werlen. Stundenlang hat er ein Programm mit walliserdeutschen Begriffen gefüttert – mit dem Ziel, einer künstlichen Intelligenz künftig seine Mundartsprache beizubringen. 1804 einzelne gesprochene Sätze auf Walliserdeutsch hat Egon Werlen innerhalb der letzten zwei Monate eingereicht und überprüft. «Ich finde es toll, wenn ich dazu beitragen kann, den Walliserdialekt zu dokumentieren», sagt der Walliser.

«Diese riesige Anzahl Sätze ist beeindruckend», sagt Manuela Hürlimann von der Swiss Association for Natural Language Processing (SwissNLP). Sie koordiniert und leitet das Projekt Dialektsammlung der Hochschulen ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz). Egon Werlen ist einer von rund 3200 Freiwilligen aus der ganzen Schweiz, die ihren Dialekt aufzeichnen und andere eingesprochene Sätze überprüfen.

Das Ziel der Forscher ist es, Computerprogrammen gesprochenes Schweizerdeutsch beizubringen. So soll künstliche Intelligenz beispielsweise eine automatische Transkription oder Auswertung von Mundart-Aufnahmen machen können. Bereits 30 Firmen hätten ihr Interesse an entsprechenden Chatbots und Sprachassistenten bekundet.

Auch Facebook kann Schweizerdeutsch

Von «Was machsch grad?» über «Gib din Sänf dezue» bis «Findi guet!»: Facebook zelebriert mit der Schweiz den Nationalfeiertag. Ab 1. August werden mehrere App-Elemente für Schweizer Nutzende mit Spracheinstellung auf Deutsch eine Woche lang auf «Schwiizerdütsch» angezeigt.

Und auch das Interesse in der Bevölkerung sei zu spüren: «Die Menschen wollen, dass ihr eigener Dialekt von der künstlichen Intelligenz verstanden wird», sagt Hürlimann. Gleichzeitig sei der Stolz auf den eigenen Dialekt hierzulande sehr ausgeprägt: «Schweizer definieren sich stark mit ihrer eigenen Mundart, sie ist wichtig für ihre Identität.»

Um möglichst viele Personen für die Teilnahme beim Projekt zu begeistern, haben die Hochschulen einen «Kampf der Kantone» ins Leben gerufen: Der Kanton, der prozentual zur Bevölkerung am meisten Einreichungen verzeichnet, gewinnt. Aufgrund von Egon Werlens Fleiss steht der Kanton Wallis mit grossem Vorsprung auf Platz eins mit 2500 Sätzen. Gefolgt wird dieser derzeit von Zürich und Appenzell Ausserrhoden. Die fleissigsten zehn Teilnehmenden werden am Stichtag 27. August 2021 für ihren Beitrag ausgezeichnet, erster Preis ist dabei ein Helikopter-Flug ums Schweizer Wahrzeichen, das Matterhorn.

«Dialekt ist Identität», sagt der Visper Egon Werlen.

«Dialekt ist Identität», sagt der Visper Egon Werlen.

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