Aktualisiert 17.03.2014 21:21

Hochauflösend

Forscher zählen Wale per Satellit

Erstmals ist es gelungen, eine Population von Glattwalen mithilfe von Satelliten zu zählen. Naturschützer erhoffen sich von der Methode eine effizientere Kontrolle der Bestände.

von
jcg
Drei Satellitenaufnahmen, mit denen die Forscher die Wale identifizierten, und eine Luftaufnahme zweier Wale im gleichen Massstab. (Bild: DigitalGlobe/BAS)

Drei Satellitenaufnahmen, mit denen die Forscher die Wale identifizierten, und eine Luftaufnahme zweier Wale im gleichen Massstab. (Bild: DigitalGlobe/BAS)

Die traditionelle Methode, Wale zu zählen, verlangt neben Fachwissen und Geduld auch einiges an Glück. Forscher müssen Boote chartern, in die Walgebiete fahren und hoffen, dass sich die Meeressäuger auch tatsächlich dort aufhalten. Dann gilt es, nach dem Blas oder nach Schwanzflossen Ausschau zu halten. Hat man das Glück, einen Wal zu sichten, braucht es viel Erfahrung, um die Art auf Distanz anhand dieser sichtbaren Merkmale zu identifizieren. Die Satellitentechnik könnte den Forschern diese mühselige Arbeit künftig abnehmen.

Ein Team um Peter Fretwell vom British Antarctic Survey testete die Zählmethode per Satellit an einer Gruppe Südkapern, einer Glattwalart, die sich zur Fortpflanzung auf halber Höhe vor der argentinischen Küste aufhielt. Die Forscher entschieden sich für die zwischen 14 und 17 Meter langen Wale, weil sie meist an der Oberfläche schwimmen und sich in ruhigen Gewässern paaren, wodurch sie aus der Höhe verhältnismässig einfach zu erkennen sind.

Die Forscher nutzten sehr hoch aufgelöste Satellitenbilder. Pro Quadratmeter werden darauf vier Pixel angezeigt. Das abgedeckte Gebiet umfasste 113 Quadratkilometer. Auf den Bildern konnte eine grosse Farbpalette dargestellt werden, darunter dunkles Blau, das noch in 15 Metern unter der Wasseroberfläche vorkommt.

Genaue Software

Zuerst zählten die Forscher von Hand. Dabei fanden sie 55 Umrisse, bei denen es sich wahrscheinlich um Wale handelte. Bei 23 weiteren waren sich die Forscher nicht sicher, während es sich bei 13 Unterwasserobjekten sicher nicht um Wale handelte, sondern zum Beispiel um Felsen. Dann testeten sie mehrere Bildverarbeitungssysteme, wobei das genaueste 89 Prozent der wahrscheinlichen Wale erkannte, wie das Team im Online-Fachjournal «Plos One» berichtete.

Ähnliche Methoden waren bereits genutzt worden, um Kaiserpinguine in der Antarktis zu zählen. Es war aber das erste Mal, dass damit erfolgreich Wale addiert wurden. Die Forscher hoffen, dass das neue Hightech-Werkzeug verlässlichere Angaben über Walbestände erlauben wird.

Fretwell erwartet, dass bessere Bildverarbeitungssysteme es künftig möglich machen, auch in stürmischer See präzise Resultate zu liefern und die Wanderungen der Wale zu verfolgen. In diesem Jahr soll zudem ein Satellit ins All geschossen werden, der Bilder mit einer Auflösung von 9 Pixeln pro Quadratmeter liefert, was eine noch grössere Genauigkeit bringen soll.

Videobeitrag zur Forschung Peter Fretwells. (Video: Youtube/GeoBeats News)

Südkaper

Der Südkaper ist eine Walart aus der Familie der Glattwale. Er lebt in den subpolaren und gemässigten Meeren auf der Südhalbkugel. Es wird geschätzt, dass vor dem Einsetzen des industriellen Walfangs über 70'000 Exemplare die Meere bevölkerten. Diese Zahl ging bis in die 1920er-Jahre auf nur noch etwa 300 zurück.

Inzwischen gibt es dank des Walfangmoratoriums von 1986 wieder mehrere Tausend Stück. Allerdings sei man noch weit von einer Rückkehr zu den alten Beständen entfernt, so Fretwell. (Bild: PD)

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