Proteste in Kairo: Fotograf filmt seine eigene Erschiessung
Aktualisiert

Proteste in KairoFotograf filmt seine eigene Erschiessung

Ahmed Samir Assems Leben endete mit seiner letzten Aufnahme: Der 26-jährige Fotograf filmte, wie ein Scharfschütze in Kairo auf Demonstranten schoss – und ihn plötzlich selbst ins Visier nahm.

von
kri

Ahmed Samir Assem ist einer der 51 Menschen, die am Montag bei den blutigen Zusammenstössen zwischen ägyptischen Soldaten und Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor einer Kaserne in Kairo ums Leben kamen. Der 26-Jährige war im weitesten Sinne ein Unbeteiligter: Er war als Fotograf für die Zeitung der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, den politischen Arm der Muslimbrüder, unterwegs.

Die genauen Umstände des Blutbads sind noch ungeklärt. Laut dem britischen «Telegraph», der mit Arbeitskollegen und Angehörigen Ahmeds gesprochen hat, hatte dieser gefilmt, wie die Mursi-Anhänger sich in den frühen Morgenstunden zum Gebet versammelten und dann unter Beschuss gerieten. Bald richtete er seine Linse auf einen Scharfschützen, der mehrmals in die Menge schoss. Das Ende des Videos zeigt, wie der Sniper den Fotografen entdeckt und den Lauf seines Gewehrs auf ihn richtet.

«Gegen sechs Uhr morgens kam ein Mann mit einer blutverschmierten Kamera ins Medienzelt und sagte, dass einer unserer Kollegen verletzt worden sei», sagte ein Arbeitskollege Ahmeds gegenüber dem «Telegraph». Eine Stunde später erfuhr ich, dass Ahmed in die Stirn getroffen wurde, als er vom Dach eines der Gebäude fotografierte. Die Armee insistiert, dass sie nur auf Personen gefeuert habe, welche die Kaserne der Republikanergarde hätten stürmen wollen. Mursi-Anhänger bestreiten dies vehement.

Das Blutbad aus einer anderen Perspektive:

(Video: Youtube/wildstonenews)

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