Aktualisiert 13.08.2018 14:31

Nachts in den BergenFotograf löst mit Lampe Rega-Einsatz aus

Naturfotograf Tobias Ryser aus Rapperswil hat in den Urner Bergen spektakuläre Bilder geschossen. Noch während er in Ruhe fotografierte, brachen Polizei und Rega auf, um ihn zu retten.

von
gwa
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Ein absolutes Traumbild: Diese Aufnahme gelang Fotograf Tobias Ryser beim Balmer Grätli auf dem Klausenpass. Das Licht seiner Stirnlampe provozierte dabei einen Einsatz der Kantonspolizei Uri und der Rega.

Ein absolutes Traumbild: Diese Aufnahme gelang Fotograf Tobias Ryser beim Balmer Grätli auf dem Klausenpass. Das Licht seiner Stirnlampe provozierte dabei einen Einsatz der Kantonspolizei Uri und der Rega.

Tobias Ryser
Oft ist der Natur- und Landschaftsfotograf ...

Oft ist der Natur- und Landschaftsfotograf ...

Tobias Ryser
... in den Bergen unterwegs.

... in den Bergen unterwegs.

Tobias Ryser

«Es sind unglaubliche Erlebnisse, die man jeweils hat», sagt Fotograf Tobias Ryser (36) aus Rapperswil SG über seine Erfahrungen beim Fotografieren. Oft ist der Natur- und Landschaftsfotograf in den Alpen unterwegs: «Ich habe mich auf die Schweizer Berglandschaft spezialisiert.»

Als er vor kurzem für Aufnahmen auf den Klausenpass im Kanton Uri fuhr, ahnte er nicht, dass ihn neben einer spektakulären Atmosphäre und traumhaften Bildern auch ein Rettungseinsatz beschäftigen sollte – nämlich sein eigener. Um Berge zu fotografieren, biete sich «ein so schöner Kanton wie Uri» geradezu an, wie er zur «Luzerner Zeitung» sagt.

Erste Bilder sorgten für Glücksgefühle

Knapp 450 Höhenmeter oberhalb des Hotels Klausenpass lag sein Ziel in dieser Nacht: das Balmer Grätli. Schon beim Aufstieg hatte Ryser ein einmaliges Erlebnis: «Auf einmal hörte ich einen Wachtelkönig. Mir ging das Herz auf.» Die Vögel sind selten in der Schweiz. «Um diese Zeit sind sie eher im Flachland anzutreffen. Der Vogel war wohl auf der Durchreise.»

Doch das eigentliche Highlight kam nach dem Aufstieg: «Der Bogen der Milchstrasse umspannte perfekt den in den Himmel ragenden Felszahn.» Ryser begann, Bilder zu schiessen. Damit auch er darauf zu sehen war, kletterte er auf den Felszahn und drückte auf den Selbstauslöser. «Als die ersten Bilder am Kameradisplay aufleuchteten, durchströmten mich Glücksgefühle, die wohl nur diejenigen ganz verstehen können, die selber diesen Wahnsinn betreiben und mitten in der Nacht mit schwerem Gepäck Orte anwandern, um den perfekten Moment einfangen zu können.» Zufrieden setzte Ryser Kaffee auf.

Stirnlampe provozierte Rettungseinsatz

Wenig später bemerkte der 36-Jährige während des Fotografierens, dass auf der Passstrasse ein Auto mit Blaulicht unterwegs war. Knapp 400 Meter unterhalb blieb das Fahrzeug stehen. «Die suchen wohl jemanden», dachte er sich. Dann traf ihn das Scheinwerferlicht. Ryser wich dem Licht aus, weil er nicht gestört werden wollte: «Ich wollte endlich wieder in Ruhe weiterfotografieren.» Kurz danach hörte er ein Megafon. «Ich hörte aber nicht, was gesagt wurde.» Dann verschwand das Auto wieder.

Gegen 5 Uhr hörte der Fotograf, der auch Kurse in der Natur durchführt, einen Helikopter nahen. «Als ich sah, dass es ein Rega-Heli war, war mir sofort alles klar: Die suchen mich!» Er signalisierte den Rega-Rettern, dass es ihm gut gehe. Der Heli zog ab. Sofort informierte Ryser die Rega per Telefon, dass es ihm gut gehe. Grund für den Rettungseinsatz: Jemand hatte den Lichtstrahl von Rysers Stirnlampe zwischen den Felswänden gesehen und als Hilferuf gedeutet.

Im Nachhinein bedankte er sich bei Polizei und Rega für den Einsatz: «Es ist genial, wie gut umsorgt wir hier in der Schweiz sind. Es ist doch besser, wenn der Helikopter einmal zu viel fliegt als zu wenig.» Für den Einsatz will sich Ryser bedanken: Er lässt der Rega und der Kantonspolizei Uri deshalb ein Wandprint seines Bildes zukommen.

Mit dem Smartphone filmte Ryser die Ankunft des Rega-Helis (Video: Facebook/Tobias Ryser Fotografie)

Wer übernimmt die Kosten?

Wer unter der Annahme einer Notsituation die Rega alarmiert, wird nicht belangt. Einsatzkosten werden jenen Personen bzw. deren jeweiligen Versicherungen berechnet, die auch wirklich einen Rettungseinsatz benötigen.

Personen, die sich nachts in Berggebieten aufhalten und so einen Rettungsalarm provozieren könnten, sollten laut Kantonspolizei Uri vorgängig die Polizei informieren. So könnten Meldungen besser eingeschätzt, Alarmierende beruhigt und unnötige Einsätze der Blaulicht- und Rettungsorganisationen vermieden werden.

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